Wofür die Deutsche Kinderhilfe gut ist

By  | 17. Mai 2009 | 0 Comments | Filed under: Allgemein, Internet, Internetzensur

Für nichts. Und DIE WELT taugt genauso wenig. Hatte letztere vor einiger Zeit noch eine Reihe kritischer Artikel über die dubiosen Machenschaften der Deutschen Kinderhilfe veröffentlicht, ja, man könnte wohl durchaus von einer mehr als kritischen Recherche sprechen, titelt sie heute „92 Prozent der Deutschen für Kinderporno-Sperre“.

92 Prozent der Deutschen haben einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag der Deutschen Kinderhilfe für die Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet plädiert. Sieben Prozent sprachen sich nach Informationen von WELT ONLINE dagegen aus, ein Prozent machte keine Angabe. Die Kinderhilfe sieht die Unterschriften gegen eine Sperrung daher als Ergebnis wirksamer Lobbyarbeit.

Die genaue Fragestellung wäre interessant, obschon überflüssig: natürlich ist (fast) jeder für eine Sperrung der Kinderpornografie. Das Problem steckt tief im Vokabular: sperren ist ja nicht gleich löschen. Hätte man gefragt „Sind Sie dafür, dass Kinderpornografie hinter leicht umgehbaren Stoppschildern versteckt wird“ oder noch direkter „Wollen Sie, dass wir vorgeben, etwas gegen Kinderpornografie zu unternehmen, um eine Zensurinfrastruktur zu errichten“, dann wäre das Ergebnis sicherlich anders ausgefallen. Aber fragt man die Leute in der Fußgängerzone einfach, ob Kinderpornografie gesperrt werden soll, klar, da sagt jeder ja, das wäre ja zu komisch. Aber niemand weiß, was eigentlich hinter der Umfrage steckt. Aber entsprechende Fragen können wir auch stellen. Und dann sieht das genauso aus. Wie übrigens auch die Online-Umfrage der WELT: momentan sind 90 Prozent gegen Internetsperrungen — und nur zehn dafür. Klingt komisch?

„Das Ergebnis der Umfrage bestätigt meinen Eindruck, dass es sich bei den Unterschreibern der Online-Petition um Internetliebhaber, Blogger, im Grunde also um eine Minderheit handelt wenn auch eine gut organisierte“, sagte der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann.

Genau, Georg, Internetliebhaber — wir sehen die Vielfalt des Netzes nicht darin, dass man es mit Sperren zerlegt und möglicherweise früher oder später die Zensurmaßnahmen ausweitet. Das widerspricht unserem Verständnis des weltweiten Netzes, dass die Gesellschaft — größtenteils zum positiven — in den letzten Jahren verändert hat.

Auf die Frage, welche Art von Internet bevorzugt werde, stimmten dem Bericht zufolge neun Prozent für ein völlig freies Internet, 84 Prozent für Kontrolle und Sperrung bestimmter strafbarer Inhalte durch den Staat. Fünf Prozent machten keine Angabe.

Hoffentlich dreht uns niemand einen Strick daraus, dass selbst das deutsche Volk nicht nur Kinderpornografie, sondern durchweg alle strafbaren Inhalte aus dem Netz entfernt haben möchte.

Noch sind Änderungen möglich.

Genau.

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