Lindsey Stirling

Elbtunnel

Kein Stau vor dem Elbtunnel, nur wenige Idioten auf der Autobahn, im Grunde genommen nur ein einziger, der seinen Mittelfinger an die Windschutzscheibe drückt, nachdem er mich beim Spurwechsel glatt übersehen hatte? Kann das sein? Die Probleme sollten erst an der niederländischen Grenze kommen, aber nicht eines nach dem anderen, sondern alle auf einmal.

Ein liegengebliebener Lastkraftwagen verdeckt mir die Sicht auf die niederländische Entsprechung zum deutschen Verkehrszeichen Zeichen 293, kein Problem für einen Straßenverkehrs-Ordnungs-Nazi wie mich, der weiß, dass auf der Autobahn maximal 130 Kilometer pro Stunde erlaubt sind. Interessant, wie entspannt es sich unter dem Eindruck einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung fahren lässt, man denkt nicht ans nächste Überholmanöver, weil beim Vordermann die gleiche Geschwindigkeit auf dem Tacho steht, man macht sich keine Sorgen über den Idioten im Rückspiegel, denn der fährt ja auch nicht schneller. So fluffig könnte der Rückweg nach Hamburg in einigen Stunden doch bitteschön auch laufen.

Der Polo hat Durst, der Zeiger nähert sich der roten Null, es wird stressig, ich wollte eigentlich vor dem Grenzübergang tanken, aber vor dem Grenzübergang war gar nicht vor dem Grenzübergang sondern dahinter, macht nichts, ich greife mir den Zapfhahn mit der 95 drauf, das wird ihm schmecken, wird schon nicht schiefgehen. Dann fällt mir ein, Moment, erstmal schauen, ob ich hier mit Karte zahlen kann, wir testen die Sache vorsichtig mit ein paar Schokoriegeln, meine EC-Karte will nicht, für die Kreditkarte fehlt mir der PIN-Code. Was soll’s, es wird nur halbvoll getankt und bar bezahlt.

Der weitere Weg nach Groningen ist recht unspektakulär, denn die niederländische Autobahn führt durch eine recht hübsche Landschaft, illuminiert von einer unfassbar großen Sonne, die sich hinter Windmühlen und Hochspannungsleitungen in einen Fluss senkt. Es gibt unfassbar viele Klappbrücken zu sehen und die Niederländer schrecken auch nicht davor zurück, eine Klappbrücke direkt auf die Autobahn zu bauen: Hübsches Beispiel einer nicht kreuzungsfreien Straße.

Sonnenuntergang

Ich möchte anmerken, von Wedel bis Groningen komplett ohne Landkarte, Google Maps oder Navigon gefahren zu sein. Das ist eigentlich auch nicht weiter schwer, die Bundesautobahn 1 in Richtung Westen, dann irgendwann der Bundesautobahn 28 folgen, ab dort prangt Groningen auf den Wegweisern. Es geht sozusagen immer geradeaus, in der Nähe von Groningen nehme ich die vielversprechende Ausfahrt in Richtung Zentrum und folge den Wegweisern Richtung Oosterpoort, zack, schon stehen wir in der Tiefgarage.

Noch drei Stunden Zeit, auf der Agenda stehen noch ein Geldautomat und Abendessen, zwangsläufig in dieser Reihenfolge, denn mein Bargeld ließ ich ja schon an der Tankstelle. Es dauert eine Ewigkeit auf niederländischem Boden einen Geldautomaten zu finden, der sagt dann auf meiner EC-Karte kauend ganz frech, ich könne heute nur noch bei meiner Bank Geld abholen. Wie bitte?

Dumm gelaufen.

Gut, dass meine Bank am Donnerstag bis 18 Uhr geöffnet hat, also leiste ich mir den Luxus eines Ferngespräches Richtung Schleswig-Holstein, wir rätseln eine Weile hin und her, bestaunen die gerade gestern in Betrieb genommene Telefonanlage, die mich versehentlich der Reihe nach quer durch alle Filialen schickt, und dann, nach langer Rätselei und der Feststellung, dass der Tank noch für die Rückfahrt bis in die Bundesrepublik reichen werde, fällt plötzlich auf, dass meine EC-Karte für die Verwendung im Ausland gesperrt ist. Stimmt, fällt mir siedend heiß ein, das habe ich vor ein paar Wochen mal am heimischen Geldautomaten angewählt, halb so wild, die Sperre lässt sich schnell aufheben. Gesagt, getan, schwupps habe ich 50 Euro in der Hand.

Traditionell speisen wir bei McDonald’s, die Bedienungen am Tresen sind alle blond und weiblich und sprechen sogar deutsch, die Mayonnaise entpuppt sich als relativ geile „Frittensoße“, der Hotspot ist lahm und die Pommes ungefähr Unendlichkeiten besser als ihre deutsche Rezeptur. Ach, was kann denn jetzt noch schiefgehen?

Oosterpoort

Die Niederländer sprechen eine unfassbare süße Sprache, denn Lindsey tritt im Kleine Zaal in etwas auf, was sich De Oosterpoort nennt und auch so aussieht, etwas bunt, aber seriös, so eine Art modernes Gemeindezentrum in groß und lockerer als in Deutschland. Während die Niederländer in der Warteschlange quasseln, versteht man nur jedes zweite Wort, aber die Themen klingen vertraut in meinen Ohren, denn Fiets kenne ich, genau mein Ding, der eine hat sich offenbar gerade ein neues Bike geleistet und flippt nun entweder wegen Lindsey oder wegen des Fiets aus, so genau weiß man das nicht, aber die Leute hier sind sympathisch.

Aus irgendeinem Grunde habe ich meine dicke Tasche dabei, so kennt man mich schließlich, an der Einlasskontrolle flapse ich blöd herum, „Nothing to drink or kill“, haha, auf der anderen Seite des Atlantiks hätte man so einen Witz nicht machen können und der Deutsche wäre vermutlich auch nicht so sehr entspannt.

Kleine Zaal

Dummerweise geben wir unsere Jacken an der Garderobe ab, was eigentlich wirklich ziemlich dumm ist, denn entweder hätten wir alles mit den den Saal nehmen oder im Auto lassen können, beides hätte uns nicht nur jeweils einen Euro gespart, sondern auch die Wartezeit nach dem Konzert, denn auch wenn das der kleine Saal sein soll, wird er locker mehrere hundert Menschen fassen und wenn von denen genügend blöd genug sind, ihre Jacken abzugeben, dann wird’s nachher echt ein bisschen doof.

Ein kurzes Nickerchen, während sich der Saal füllt, dann steht plötzlich jemand auf der Bühne und singt ein Lied und das Problem wird in der folgenden halben Stunde sein, dass er einfach nicht aufhört zu singen, aber leider nicht Lindsey Stirling ist. Das restliche Publikum empfindet die Situation als ähnlich problematisch, so richtig Stimmung bringt er nicht auf, obschon er nicht schlecht singt, aber hej, wir warten auf Lindsey, wer braucht da schon einen Einheizer?

McKay Stevens

Noch ein kurzes Nickerchen, denn Lindsey lässt auf sich warten, während der Typ mit der Gitarre schon längst wieder die Bühne geräumt hat, es dauert zehn Minuten, 15, 20, kurz vor 21 Uhr tut sich was, so ein Scheiß, dabei soll das Konzert um 22 Uhr schon wieder vorbei sein. Der ganze Aufwand nur für eine Stunde Lindsey? Kann es das wert sein?

Es war eines der großartigsten Konzerte, die ich bislang erleben durfte. Es war unfassbar, unglaublich, umwerfend.

Irgendwas

Lindsey hüpft auf die Bühne, nein, sie schwebt, ist links und rechts und vorne und hinten und eigentlich überall und spielt ihre Violine mit einer unfassbaren Leichtigkeit, der Verdacht des Playbacks steht unmittelbar im Raum, aber dann geht hin und wieder, nein, ganz selten, ehrlich, nur ganz selten, mal ein Ton daneben, der Bogen kann mit Lindseys Bewegungen nicht mithalten und bleibt trifft die falsche Saite, aber wen stört das schon bei dieser zauberhaften Melodie?

Keine Ahnung, was sie spielte, irgendwas zwischen Moon Dance, Spontaneous Me und Shadows, alles geht ein bisschen ineinander über, weil man die kurzen Pausen zwischendrin vergisst, und nur der Sound im Gedächtnis bleibt, noch ein kurzer Song zum Aufwärmen, Electric Daisy Violin, wer jetzt noch sitzt, dem ist auch nicht mehr zu helfen, der lebt nicht, der hätte auch zu Hause bleiben können. YouTube ist dieser Musik nicht würdig, kann diese Stimmung nicht transportieren, diese Stimmung, wenn ein paar hundert Menschen zu den Melodien einer 26-Jährigen tanzen, die oben auf der Bühne vor Bewegungsdrang beinahe explodiert.

Auf der Eintrittskarte wurden drakonische Strafen aufgelistet für den Fall, man käme auf die Idee, eine Kamera ins Konzert zu schmuggeln, aber wen stört denn sowas? Hier hat einerseits jeder eine Kamera dabei, andererseits dürften die meisten Geräte mit Lindseys Gezappel im düsteren Konzertsaal überfordert sein, und sowieso, wer wie Lindsey mit sozialen Netzwerken großgeworden ist, wird dagegen wohl kaum angehen wollen.

Skyrim. Nicht im Ernst. Sie spielt tatsächlich Skyrim. Die Vocals kommen zwar vom Band, klar, schließlich ist der Song größtenteils im Computer entstanden, aber die Wirkung ist live noch majestätischer, noch größer, noch erhabener als man es sich vorstellen kann. Peter Hollens spricht zwar nur von der Leinwand, hat aber eine durchdringende Stimme, gegen die sogar Lindsey mit ihrer Violine recht klein scheint, füllte sie nicht den Raum mit dieser faszinierenden Melodie. Es ist der blanke Wahnsinn. Vermutlich folgte jetzt Elements, aber weiß das schon, nicht, dass ihre Lieder alle ähnlich klingen würden, aber wer achtet schon auf den Titel, gibt sich nicht dem Konzert hin, der Geige.

Skyrim

We found love, okay, ein bisschen störend, dass die Sängerinnen aus dem Video offenbar nicht den hilfsbedürftigen Menschen angehören, die Lindsey dort besucht hatte, perfekte Zähne blitzen beim Singen auf und die Sonne scheint auf eine ungewöhnlich reine Haut, sowas wäre nicht weiter aufgefallen, ginge es nicht um Menschenrechte, um die dritte Welt und die gute Sache, aber andererseits fällt es auch hier nicht auf, denn Lindseys Violine lenkt ganz stark ab, ganz stark geführt durch alle Höhen und Tiefen, die ihr auf der Bühne einfallen, plötzlich ist sie hier, plötzlich dort, plötzlich bleibt sie stehen und singt und plötzlich ist allen klar, dass dieses Lied der Situation in Kenia womöglich gerechter wird als viele andere Projekte. Lindsey strahlt und lächelt, aber nicht amerikanisch oder gestellt, sondern überraschend europäisch, niemand käme auf die Idee, ihr nicht zu glauben. Sie versprüht eine unfassbare Freude während sie tanzt und spielt und herumalbert, sie mag ein Profi sein an der Violine aber kein Profi auf der Bühne, nein, definitiv nicht, sie wirkt jung und fröhlich und unverbraucht, ihr geht’s nicht ums Geld, sondern ums Prinzip und sie lebt ihren Traum, jeden Tag.

Found love in a whole new place

Jetzt erzählt sie von ihrer Jugend, boah, spiel endlich weiter, auch wenn du eine schöne Stimme hast, mit Violine bist du noch schöner, und Lindsey spielt, endlich, aber Moment, Lindsey spielt ernsthaft den Soundtrack von Lord of the Rings an. Nein, Mädchen, nicht wirklich, das traust du dich nicht, nicht Herr der Ringe, was du gerade anfasst ist noch heiliger als deine Violine, das kannst du nicht machen. Lindsey kann es allerdings doch und tatsächlich hervorragend. Diese fantastische Version des Originals kommt ohne Dubstep aus, komplett ohne störende Einflüsse, die J. R. R. Tolkien nicht würdig wären. Plötzlich singt Lindsey, seit wann kann sie singen, die Frau ist ja der Wahnsinn, der Wahnsinn, das ist unglaublich.

Haende

Es wird immer besser, A Good Feeling, Zi-Zi’s Journey, Crystallize, Transcendence, alle drängen auf die Tanzfläche in der Mitte, wir ein bisschen drin, es ist unfassbar, trotz Skrillex war ich Dubstep gegenüber immer ein bisschen skeptisch, aber das hier ist kein Dubstep, das hier ist Kunst, das ist fantastisch, unbeschreiblich, tatsächlich der Wahnsinn, weil die Worte nicht beschreiben können, wie gut es ist, wie großartig. Die Augen sehen sich nicht satt am Spiel der Farben und die Ohren werden sowieso immer hungrig bleiben, verlangen nach mehr, immer mehr.

Eigentlich vollkommener Schwachsinn, mit Gehörschutz auf so ein Konzert zu gehen, selbst wenn wir danach taub und zerstört wären, es wäre es wert, es wäre das letzte, was wir auf dieser Welt gehört hätten, es wäre in Ordnung.

Cristallize

Schon vorbei, schon 22 Uhr? Du kannst jetzt nicht gehen, nein, bleib noch ein bisschen, spiel noch etwas, irgendetwas, aber spiel etwas, ganz egal was, witzigerweise klingt die niederländische Entsprechung des deutschen Wortes Zugabe ganz ähnlich, wir fallen gar nicht groß auf, umso besser, nichts tut sich auf der Bühne, die ersten drehen sich schon um in Richtung Ausgang, wir sehen in traurige Gesichter, auf der Bühne zuckt etwas, nein, doch nicht, doch, Lindsey kommt zurück, trägt eine schwarze Maske, sie wird das Phantom der Oper spielen, es gibt kein Halten mehr, sogar die beiden Rollstuhlfahrer ganz hinten lassen sich hochheben, wollen das sehen, das sich nicht beschreiben lässt, weil es dafür einfach keine Worte mehr gibt, jedenfalls keine, die sich hier schreiben ließen, ohne dass ich mich für die Untertreibungen schämen müsste, es ist fantastisch, wir verlassen die Tanzfläche, aber nicht in Richtung Ausgang, sondern steil nach oben, wir stehen nicht mehr, wir tanzen nicht mehr, wir fliegen, wir alle, fünfhundert Menschen, alle sind eins, alle zusammen. Das Phantom der Oper raubt unsere schwarzen Seelen, wir sind dankbar, willenlos ergeben ob dieser Klänge, ein letztes Mal spielt das Schlagzeug auf und der Bass schießt uns endgültig in andere Sphären, hinüber ins Jenseits, wir wollen gar nicht zurück, wir wollen verbleiben in der Ewigkeit, wenn doch nur dieser Abend niemals endete!

Phantom of the opera

Es ist vorbei, aus und vorbei, mit zitternden Knien stehen wir vor der Garderobe, jetzt nur schnell nach Hause, die Zeit drängt, wir können kaum stehen, vielleicht stehen wir auch nicht, vielleicht fliegen wir noch, so genau weiß man das nicht, brauchen noch eine Pause, sind noch lange nicht fahrtüchtig und hingen spätestens in der Zollkontrolle an der Grenze fest. Keiner will so richtig gehen, jedenfalls nicht alleine, ungefähr alle Kerle stehen auf Lindsey und mindestens die Hälfte der Frauen auch, aber schade, es gibt nicht mal Autogramme.

Es geht hinaus in die Kälte, in die reale Welt, die plötzlich so unglaublich irreal scheint, wieder rein, schließlich müssen wir irgendwie in die Tiefgarage. Der Automat möchte 13 Euro von mir, das ist beinahe so teuer wie die Eintrittskarte, nächstes Mal kommen wir mit dem Rad, so wie es sich hier gehört.

Die Rückfahrt bleibt unspektakulär, ich habe das McDonald’s-WiFi-Netzwerk kurz angefasst, um mir ungefähr alle Songs herunterzuladen, die ich noch nicht hatte, spiele Lindsey rauf und runter. An der Grenze interessiert sich niemand für mich, hier gibt es längst keine Grenzkontrollen mehr, nur noch einen Stützpunkt der Bundespolizei, abgetrennt von der Schutzplanke.

Dafür wartet der Zoll in der Nähe von Oldenburg auf mich. Schon auf der Hinfahrt wartete dort ein Fahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage, aber dieses Mal in der Dunkelheit vermute ich einen Unfall und wechsle die Fahrspur, schließlich weiß man ja nicht, ob gleich jemand aus dem Auto auf die Fahrbahn hüpft, um das Dreieck aufzustellen, gleich danach geht’s aber hart rechts herum in die Ausfahrt und gezwungenermaßen überfahre ich eine dicke durchgezogene Linie, während im Rückspiegel kurz die Lichter des mutmaßlichen Pannenfahrzeuges flackern, weil gerade der Motor eingeschaltet wurde. Auf der nächsten Autobahn werde ich überholt, jemand leuchtet mit der Taschenlampe ins Auto, ich überlege noch, mit meiner dicken Maglite zurückzuleuchten, bin mir aber nicht sicher, ob der Zoll solche Späßchen versteht, denn mittlerweile kann ich ja lesen, was dort am Fahrzeug steht. Klar, dass ich jetzt die rote Leuchtschrift bekomme „Zoll, bitte folgen“, ich bestätige kurz mit einer Lichthupe, dass ich verstanden habe, das entspannt die Situation schon mal, denn unheimlich viele Idioten kapieren überhaupt nicht, was zu tun ist oder bleiben direkt mitten auf der Autobahn stehen.

Wir fahren eine Weile durch Oldenburg, bis die Beamten einen schönen Platz zur Kontrolle gefunden haben, ich zerre schon mal den Ausweis raus, Führerschein und Fahrzeugpapiere sind beim Zoll vermutlich nicht von Interesse, Fenster öffnen und Licht einschalten, man kennt das ja. Freundlich quassle ich los, dass ich aus den Niederlanden komme, aus Groningen, von einem Konzert, der Beamte am Fenster wird mit jedem Wort hellhöriger, drei Volltreffer, die ausführliche Kontrolle ist natürlich gebucht. Sein Kollege leuchtet währenddessen von der anderen ins Auto und im gefällt nicht so richtig, was er da sieht, leere Getränkeflaschen ergeben zusammen mit leeren Plastiktüten, Netzwerkkabeln, einem Spannungskonverter zum Laden des MacBooks und allerhand Merkwürdigkeiten ein Bild, was wohl in das Schema der gesuchten Zielperson passt.

Gut, ich steige aus, öffne den Kofferraum, zu sehen gibt es meine Kameraausrüstung, das Mittagessen von gestern, mittlerweile, wie ich stolz ob meines tollen Witzes erwähne, sicherlich was mit Pilzen, haha, der Beamte lacht gequält, dann fällt sein Blick auf meinen Wäschesack. Nur zu, animiere ich ihn, die Wäsche sei frisch gewaschen, da ist nichts besonderes drin außer dem Bettbezug, es gibt nichts schlimmeres als das Bett noch beziehen zu müssen, wenn man abends nach Hause kommt und ins Bett steigen will.

Die beiden Beamten beratschlagen, ob sie mir glauben sollen, fragen noch mal nach Zigaretten oder ähnlichen Kram, aber ich rauche nicht, ich trinke höchstens zwei Mal im Jahr und dann auch nicht so doll, ich bin gerade nur von einem geilen Konzert auf dem Weg nach Hause und unglaublich aufgedreht. Man attestiert mir, ich wäre entweder vollgepumpt mit Drogen, was aber nicht so richtig in Frage komme, weil ich dazu zu sicher stehe und keine Ausfallerscheinungen zeige, oder ein grundsätzliches Problem hätte, denn so viel Fröhlichkeit und so viele schlechte Witze habe man schön länger nicht erlebt. Womöglich wirkt die Vorstellung abschreckend, meine Wäsche könnte eventuell doch nicht gewaschen sein, zumindest ist die Kontrolle plötzlich vorbei, man lässt mich weiterfahren.

Im Nachhinein ist mir vollkommen unverständlich, wie mich die Beiden weiterfahren lassen konnten. Ich war so unfassbar gut gelaunt und redselig zu dieser unnormalen Uhrzeit, dass bei den Beamten sämtliche roten Lichter hätten leuchten müssen, ich konnte vor Begeisterung über das Konzert gar nicht so richtig stillstehen, zeigte mit dem Finger überall ins Auto, dass ich dort keine Drogen versteckt hatte, und stimmte mit einem der Beamten überein, dass man bei mir wohl nichts machen könnte. So einen wie mich hätte ich gleich mit zur Drogenkontrolle geschleppt. Aber vielleicht bin ich ja doch ein ganz sympathischer Mensch, wenn ich gut drauf bin — oder ich hatte einfach auf jede Frage eine einigermaßen plausible Antwort.

Starfield Simulator

4 Gedanken zu „Lindsey Stirling“

  1. ICH. BIN. SO. UNFASSBAR. NEIDISCH!
    Bis auf die Sache mit dem Zoll, ich hätte mir vor Angst vermutlich in die Hosen gemacht. Oder hätte es einfach verschlafen. Aber ja, sonst bin ich echt neidisch!

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