Einstellung der Bevölkerung im Juni 2009

Es gibt — schon wieder — eine Umfrage zu den geplanten Internetsperren, diesmal direkt im Auftrage des Bundesfamilienministeriums. Es taucht sogar der sagenumwobene Wert von 90 Prozent wieder auf.

Bloß: die Studie ist mal wieder das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde. In meiner eigenen empirischen Untersuchung stellte ich fest, dass das Bewusstsein der Problematik bei Internetsperren vor allem bei jüngeren Internet-Nutzern verankert ist, während sich „normale Bürger“, die das Internet nur selten oder unregelmäßig nutzen, kaum einen Zugang zu der Problematik finden, sofern sie nicht ohnehin über das Für und Wider der Internetsperren gegen Kinderpornografie jedwede Diskussion ablehnen.

Es ist nicht verkehrt zu behaupten, dass sich im Internet eine kleine Elite herausgebildet hat, die gegenüber der Offline-Welt einen Wissensvorsprung hat, was die Problematik der Sperren angeht. Wer sich regelmäßig in Weblogs oder sozialen Netzwerken herumtreibt, stolpert früher oder später über das Thema und dessen Brisanz, selbst wenn er sich nur peripher damit befasst. Wenn das Netz allerdings nur als unregelmäßiges Kommunikationsmedium für Nachrichten und E-Mails verwendet wird, bleibt der Zugang zu den tieferen Diskussionen verschlossen — Pech, wer sich dieser Tage lediglich aus Printmedien oder dessen Online-Ablegern informieren kann.

Die Studie lässt sich schnell zusammenfassen: als „starker Internetbenutzer“ gilt, wer mindestens einmal täglich im Netz unterwegs ist. Mit dem Vergleich des dazugehörigen Schaubildes, dass die Befragten zu 61 Prozent somit weniger als einmal täglich nutzen und es für eine Zugehörigkeit zu den „starken Internetnutzern“ genügt hätte, seine Mails einmal morgens und einmal abends abzurufen, ist eigentlich alles gesagt. Das sind Menschen, die zu der Gesamtproblematik einfach noch keinen Zugang gefunden haben dürften. Das ist nichts verwerfliches, auch ich habe keine Ahnung von der Finanzkrise und dessen Auswirkung, außer, dass ich von den Auswirkungen stark betroffen bin, aber ich wäre stark verunsichert, wenn ich in einer ähnlichen Umfrage zu der Thematik Stellung nehmen sollte. Interessanterweise sind auf dem Diagramm auch die entsprechenden Werte der Gegner der Internetsperren aufgetragen — in der Regel genau konträr.

Eigentlich zeigt die Umfrage, was wir seit der Kinderhilfe-Sache bereits wissen: der Ausgang einer Meinungsumfrage ist davon abhängig, auf welche Weise die Fragen gestellt und mit welchen Informationen die Befragten versorgt werden. Auch verzichtete das Bundesfamilienministerium wieder, zu den Internetsperren die Löschung der Seiten und Verfolgung der Täter als Alternative zu nennen — die Befragten hatten nicht einmal so richtig die Wahl.

Torsten und Markus haben unnötig viel Lebenszeit verschwendet sich die Mühe gemacht, das ganze noch etwas zusammenzufassen.

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