Datenrettung, nächtliche

By  | 27. Dezember 2011 | 2 Comments | Filed under: Allgemein, Verrücktes

Nachts im Bett, da kommt man manchmal auf dumme Gedanken. Zum Beispiel erinnert man sich daran, dass unter dem Bett seit viereinhalb Jahren eine Festplatte herumliegt, die man nicht mehr so richtig in Gang bekommt, was ja per Definition dafür spricht, dass dort noch wichtige Daten herumliegen. Da könnte man ja mal nachschauen und weil 3.30 Uhr nach dem zweiten Weihnachtsfeiertag eigentlich ein ganz guter Zeitpunkt für sowas ist, nahm ich das Werkzeug in die Hand und holte mir erst einmal ein paar blute Finger.

Versuchen konnte man es ja mal.

Ich gab aber nicht auf, wohl aber das Gehäuse der Festplatte unter dem Eindruck meiner sagenhaften Muskelkraft. Wo rohe Kräfte walten, da bin ich meistens schnell am Ziel. Meine Idee war nämlich, die Festplatte aus ihrem Gehäuse herauszureißen auszubauen, um sie dann mit einem dieser tollen USB-Adapter ans Macbook anzuschließen und den Inhalt schnellstmöglich auszulesen. Weil die Festplatte nämlich gar keinen Ton mehr sagte, sobald Strom am Gehäuse anlag, vermutete ich messerscharf, dass da wohl einfach die Stromleitung kaputt war, vielleicht sogar das Netzteil, denn sonst müsste die Festplatte ja wenigstens einen geräuschvollen Tod sterben.

Nachdem auf die Seite des Gehäuses etwa die Kraft von einer Tonne pro Quadratzentimeter wirkte, brach das Plastikgehäuse in meinen Händen und ich schloss das Scheißteil an das USB-Dingsteil an. Nichts passierte. Das war traurig, also ging ich traurig wieder in das Bett.

Ich kann aber nicht schlafen, wenn ich traurig bin, also startete ich fünf Minuten später einen weiteren Versuch und berücksichtigte dieses Mal auch, dass die Festplatte an das Stromnetz angeschlossen war. Die wichtigen Verbindungen zwischen den Zusammenhängen, haha, die vergisst man manchmal, gerade um diese Uhrzeit. Dann nahm das Schicksal seinen unrunden Lauf und die Festplatte klang, als wären die Magnetscheiben in den letzten vier Jahren viereckig geworden, also, Vorsicht Flachwitz, eine Ecke pro Jahr. Nach ein paar Sekunden war wieder Ruhe, aber weil ich nach elf Stunden auf dem Bett noch nicht in Form bin, mochte ich von der Festplatte ähnliches nach viereinhalb Jahren schon gar nicht erwarten, drum wurde sie so oft per Kickstart geweckt, bis sie endlich mal auf Touren kam.

Die traurige Nachricht ist: das Ding ist sogar noch mit NTFS formatiert. Ich sehe die blutigen Finger also als verspätete, aber gerechte Strafe.

Und die andere traurige Nachricht ist: da ist wirklich nur Schund drauf. War aber ganz interessant zu sehen, was ich vor viereinhalb Jahren interessant fand.

Pornografie zählte offenbar nicht zu meinen Interessen.

2 Responses to Datenrettung, nächtliche

  1. Werner Frank 29. Dezember 2011 at 11:21

    Guter Artikel

  2. Datenrettung 4. Januar 2012 at 10:48

    Ya so informative post Ich denke, aus Ihrem Beitrag sollten wir eine Lektion lernen, und diese Sache auch mit mir geschehen.

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