Ich bin kein Freund von Radwegen, weil Radwege meistens scheiße sind. Ehrlich, das ist so. Hier in der Gegend hat man vor dreißig oder vierzig Jahren Radwege gebaut und seitdem sind die fröhlich am verwahrlosen. Sofern mich also kein blaues Schild auf den Radweg zwingt, fahre ich auf der Fahrbahn — das ist, auch wenn das kein Autofahrer glauben mag, im Endeffekt für alle Verkehrsteilnehmer sicherer. Fahrbahnradeln ist sogar so sicher, dass die größte Gefahr ein Autofahrer ist, der mich belehren möchte und dabei sein Fahrzeug als Hilfsmittel verwendet.
Heute fanden sich gleich drei motorisierte Verkehrsteilnehmer zur kollektiven Belehrung. Der erste hupte und deutete auf den Radweg, der zweite hupte und schrie sogar „Da ist ein Radweg!“ durchs offene Beifahrerfenster und ein paar Sekunden später folgte ein dritter, der ebenfalls auf die Hupe drückte und anschließend nach rechts lenkte, um mir beim Wechsel auf den Radweg etwas auf die Sprünge zu helfen, was aber nur in einer Vollbremsung am Kantstein endete.
Nun mache ich mir nichts vor: als Autofahrer, der allenfalls im Sommer ein paar Mal aufs Rad steigt, kann man die Qualität eines Radweges selten einschätzen und bei Dunkelheit vermutlich sowieso nicht. Das soll auch gar nicht böse gemeint sein, denn was durch die Windschutzscheibe hindurch noch als kapitaler Radweg aussieht, kann sich beim Befahren mit dem eigenen Rad schon als ziemliche Buckelpiste vorstellen, von den üblichen Problemen eines Radweges mal ganz abgesehen. Hinzu kommt sicherlich noch mangelnde Regelkenntnis, manch einer hat vermutlich die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht im vorigen Jahrtausend gar nicht mitbekommen oder pflegt sonstige zusammeninterpretierte Verkehrsregeln, nach denen ein Radfahrer unbedingt einen Radweg befahren müsste.
Kann man ja alles machen, aber selbst dem militantesten Autofahrer hätten ein paar Dinge auffallen können:
- Der Radweg ist von Wurzelaufbrüchen gekennzeichnet, teilweise liegt sogar noch der Splitt vom letzten Winter dort herum.
- Auf dem Radweg stehen mehrere Verkehrsschilder direkt mittig, so dass ich auf den Gehweg ausweichen müsste, wenn ich nicht auf die Fahrbahn wechseln möchte. Im Gegensatz zur Fahrbahn ist mir die Benutzung des Gehweges allerdings strikt untersagt.
- Nach weiteren dreißig Metern folgte die Baustelle, zu der die eben erwähnten Verkehrsschilder gehören und in jener Baustelle war der Radweg ohnehin mit einem Absperrgitter gesperrt.
- Nach der Baustelle parkten ein paar Autos halb auf dem Radweg, vermutlich um trotz der breiten Fahrbahn den Verkehr nicht zu beeinflussen. Ich hätte also wieder unzulässigerweise den Gehweg benutzen müssen.
- Die Fahrbahn war breit genug, so dass drei Autos problemlos aneinander vorbeipassen, also sollten zwei Autos und ein Fahrrad erst recht kein Problem sein.
- Das Tempo des Autoverkehrs betrug wegen der Engstelle in der Baustelle nicht einmal 25 Kilometer pro Stunde, ich war also wirklich alles andere als ein Hindernis.
Und obwohl ich direkt hinter dem nächsten Auto herfuhr, löste ich bei den drei Wagen hinter mir sofort den Überholreflex aus, obwohl zwischen mir und dem vorderen Fahrzeug gar kein Platz zum Wiedereinscheren war. Aber offenbar war bei allen drei Verkehrsteilnehmern derart viel Kapazität im Maßregeln des feindlichen Fahrradfahrers gebunden, dass es zwar zum Hupen und Abdrängen reichte, aber nicht zur Untersuchung, ob der Radweg überhaupt benutzbar war oder der Radfahrer wegen der Baustelle ohnehin die Fahrbahn benutzen müsste.
Einerseits ist es schade, dass nie ein Autofahrer anhält, um das persönliche Gespräch zu suchen — andererseits ist das wohl besser so, denn wenn ein Autofahrer anhält, wäre er wohl so wütend, dass nach kurzer Zeit die Fäuste mitreden würden. Und so bleibt der Radfahrer eben in einer Ohnmachtsposition, wird von den Autofahrern gemaßregelt, bedrängt und genötigt, ohne aber die wirklich guten Gründe darlegen zu können, warum er denn ganz legal auf der Fahrbahn fährt.
Und das Fahren auf der Fahrbahn wäre selbst ohne Schilder und Baustelle legal gewesen. Aber vermutlich wollten die Autofahrer mich nur auf eine Gefahr, womöglich aufgrund der folgenden Baustelle hinweisen. Schließlich darf man laut Straßenverkehrsordnung Schallzeichen nur zur Anzeige einer Gefahr geben und es steht doch tatsächlich außer Frage, dass sich jeder daran hält.
Oder so ähnlich.


Das Übliche halt. Deswegen wären regelmäßige Nachprüfungen notwendig. Ich hätte kein Problem damit, wenn ich meine alte Fahrerlaubnis Kl. 3 alle paar Jahre inklusive Prüfung erneuern müßte.
Mit der Aggressivität einiger Aut(omobil)isten machte ich gerade wieder letzten Freitag Bekanntschaft. Ich hatte einen engen Überholer abgeklatscht. Die bremsten mich aus, der Beifahrer kam herausgestürmt und bedrohte mich. Die Polizei war recht schnell da und sehr nett. Mich störte nur, daß der Polizist meinte, ich müsse jeden Radweg benutzen.
Ich weiß auch nicht so richtig, wie das Problem gelöst wird, dass recht viele Fahrzeugführer nur einen Teil der Straßenverkehrsordnung kennen und von Änderungen meistens gar nichts mitbekommen. Berühmtes Beispiel ist sicher die Ausfahrt aus einem Verkehrsberuhigten Bereich und was das Durchfahren eines Kreisverkehrs alles an Verkehrsregeln mitschleppt, ist für die meisten wohl leider unvorstellbar. Regelmäßige Nachprüfungen wären sicher wünschenswert, andererseits sind momentan offenbar auch einige Fahrschulen dabei, möglichst viele Kandidaten hinter dem Steuer zu platzieren, ohne dass die überhaupt richtiges Autofahren beherrschen. Selbst wenn man sich mal die vielen kleinen alltäglichen Verkehrssituationen anschaut hat man recht schnell das Gefühl, dass der Staat mit seinem Vertrauensvorschuss, jeder könnte nach einer relativ kurzen Prüfung ins eigene Auto entlassen werden, bei manchen leider daneben liegt
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