Augen auf

Das mit dem Hagel ist für den Radfahrer eine dumme Sache, denn er brennt mitunter im Auge. Für den Autofahrer ist das aber noch lästiger, denn er muss die Scheiben freiwischen. Das ist jemandem, der Auto fährt, offenbar nicht zuzumuten.

Und nun fuhr ich vorhin auf dem benutzungspflichtigen Radweg und weiter hinten machte jemand trotz des beachtlichen Verkehrs auf der Fahrbahn Anstalten auszuparken — allerdings im Blindflug, denn alle Scheiben, die ihm bei diesem Manöver geholfen hätten, waren mit einem undefinierbaren weißen Matsch verklebt und von innen auch noch kräftig beschlagen. Den Kraftfahrzeugverkehr nahm der Fahrer wohl nur anhand der Scheinwerfer war und wartete ich brav, bis der Fahrer seinen Ausparkvorgang denn endlich beendet hatte. Dann bremste er plötzlich mit krachenden Reifen, wie man eben bremst, wenn man plötzlich den Radfahrer entdeckt, den man bis zum letzten Moment übersehen hatte. Huch, dachte ich, na gut, dann soll ich wohl fahren und ich fuhr und schwupps, setzte der Wagen wieder ein Stück rückwärts, was ich mit einem Schlag auf die Heckscheibe quittierte. Wieder kam der Wagen mit krachenden Reifen zum Stehen und im selben Moment stand auch der Fahrer in der geöffneten Fahrertür und brüllte fassungslos herum, was mir denn einfiele, seinen Wagen anzufassen.

Mmh, sagte ich, ich habe den Wagen gar nicht so richtig angefasst, aber der hätte mich beinahe angefasst und das ganz kräftig, aber ich kam nicht so richtig zu Wort, denn der Autofahrer belehrte mich, dass ich beim Fahrradfahren die Augen aufhalten solle. Oh, sagte ich beschämt, daran hatte ich nicht gedacht und ich fragte nach, ob das mit den offenen Augen denn auch für ihn gelte, denn ich könne mir nicht vorstellen, dass das angesichts der zugelaufenen Scheiben so recht funktionieren könne. Nicht frech werden solle ich, sagte er, er würde sonst sofort die Polizei rufen!

Auf diesen Deal mit der Polizei müsste ich mich eigentlich mal einlassen, da hätte ich gleich § 9 Absatz 5 der Straßenverkehrsordnung in den Ring geworfen:

Beim Abbiegen in ein Grundstück, beim Wenden und beim Rückwärtsfahren muss sich der Fahrzeugführer darüber hinaus so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls hat er sich einweisen zu lassen.

Aber wenn ein Gespräch schon so unkonstruktiv beginnt, ist ja durchaus die Möglichkeit gegeben, zwischendurch mal mächtig aufs Maul zu bekommen.

Bums

Mit dem Rad fahre ich auf der Fahrbahn, obwohl es nebenan einen buckeligen Radweg gibt — da beginnt nämlich keine zwanzig Meter später eine bereits bekannte Baustelle. Trotzdem ein furchtbares Verbrechen, das ein Autofahrer sofort mit der Hupe und Vogelzeigen ahndet. Schade, schade, dass ich so viel seiner Aufmerksamkeit auf mich gezogen habe, dass er den kleinen Stau an der baustellenbedingten Engstelle gar nicht mehr bemerkte. So richtig gereicht fürs Bremsen hat’s dann nicht mehr, beim folgenden kleinen Bums fiel ihm das Nummernschild herunter, aber dem Wagen vor ihm ist leider gar nichts passiert. Ich muss zugeben, dass ich ihm das Bezahlen der Ausbeulung einer Delle am Vordermann durchaus gegönnt hätte — die Bemerkung, dass an allem nur „dieser Radfahrer“ schuld sei, fand ich nämlich weniger witzig.

Netto

Dumme Sache — bleibt der Liefer-Lastkraftwagen von Netto gerade vor der Kreuzung liegen. Und dann auch noch mitten auf der Fahrbahn, dass man gerade mit dem Fahrrad noch vorbei kam.

Man hätte als Autofahrer auch merken können, dass es da nicht weitergeht. Man hätte sich auch denken können, dass der Fahrer den LKW nicht einfach beiseite schieben kann. Man hätte sich auch denken können, dass es dort in absehbarer Zeit nicht weitergehen wird und sich eine andere Route suchen.

Man kann aber auch zusammen mit den anderen wartenden Wagen ein Hupkonzert einstimmen. Ich könnte mir vorstellen, dass das die Sache nicht unbedingt beschleunigt hat

Überholt

So. Ich fahre mit dem Rad auf einer Straße ohne Radweg auf eine Kreuzung zu, um geradeaus weiterzufahren. Mein Fehler ist natürlich, dass ich an der Kreuzung nicht auf den hellgrauen Radweg wechsle, der sich knapp vom dunkelgrauen Gehweg abhebt und mich, obwohl es ja eine normale Kreuzung ist, an der Bettelvorrichtung für Radfahrer versauern lässt. Zugegeben: auf der Fahrbahn versauert man auch, denn die Induktionsschleifen erkennen natürlich keine Radfahrer. In Wedel erkennen nicht mal die Induktionsschleifen an Straßen mit Schutzstreifen oder gänzlich ohne Radverkehrsführung einen Radfahrer, da muss man immer absteigen und schieben.

Der Autofahrer hinter mir hupt erst einmal und will dann überholen. Dann merkt er aber, dass beide Richtungsfahrbahnen von einer recht eindrucksvollen, dreieckigen Verkehrsinsel getrennt werden (bei Google Maps kann man das prima erkennen, ich kam von Norden) und ich mache schonmal Platz, damit er sich ohne Rücksicht wieder vor mir einordnen kann, wie es die Tradition verlangt. Auf die Idee kommt er aber gar nicht, sondern fährt auf der linken Seite der Verkehrsinsel entlang, wo ihm natürlich sofort ein Wagen entgegen kommt. Auch dort hilft die Hupe, um das entgegenkommende Fahrzeug auf den parallel verlaufenden Busfahrstreifen zu schicken, damit der eilige Wagen anschließend von der linken Straßenseite aus hinter der Verkehrsinsel nach rechts abbiegen kann, ohne auf die lästige Ampel achten zu müssen. Die schaltet nämlich inzwischen auf grün und der eilige Wagen kann endlich in Ruhe geschützt vor dem Querverkehr rechts abbiegen und fährt dabei dem Wagen vor mir noch einmal kurz vor die Motorhaube.

Ist eigentlich auch kaum noch kurios. Vermutlich hat er gar nicht mitbekommen, dass sein Verhalten nicht so richtig astrein war.