Als Autofahrer hat man immer die schlechteren Karten, wenn man sich im Verkehrsraum mit einem Fahrrad anlegt — man sollte es also tunlichst vermeiden.
Als ich heute nach Hause fuhr, bog ich nach links auf die B203 ein. Rechts von mir ist die sagenhafte Baustelle, weil noch einmal hundert Meter Straße vierspurig ausgebaut werden, soll heißen: der Flaschenhals, denn Reißverschluss funktioniert hier nie, wird hundert Meter weiter nach hinten geschoben. Weil es dort auf der rechten Straßenseite die Baustelle hockt, die Fahrradfahrer aber zu eitel sind, über die Ampel die Straßenseite zu wechseln, rattern lieber alle über die unebene Baustelle (und fallen in das offene Gullie-Loch, aber das ist eine andere Geschichte) und purzeln am Ende der Baustelle, also an der Ampel, an der ich jetzt stand, mitten auf die Straße.
Ich bog gerade ab, als von rechts ein Radfahrer freilich nicht mitten auf der Straße fuhr, aber doch so weit mittig, dass ich ihn locker vom Sattel gehoben hätte, ja, hätte ich denn nicht gebremst. Mal ganz davon abgesehen, dass er zusätzlich seine rote Ampel ignoriert hatte. Ich hupte, er zeigte mir den Mittelfinger, ich hielt ein paar Meter später an, um ihn durchs offene Fenster zu erklären, er solle doch bitte nächstes Mal auf der anderen Seite fahren, er nannte mich Arschloch, weil schließlich nichts passiert war, ich solle mich nicht so anstellen.
Um den Verkehr nicht zu behindern, fing ich ihn an der nächsten Kreuzung ab, denn das wollte ich jetzt geklärt haben. Niemand nennt mich Arschloch und streckt mir den Mittelfinger entgegen, nachdem er mir beinahe auf der falschen Straßenseite bei rot vor die Karre donnert. Das hatte nicht nur bei mir was mit Stolz zu tun, sondern auch bei ihm, der mittlerweile gelinde gesagt schon vor Wut schäumte. Ich machte mich auch nicht besser und erklärte ihm, beim nächsten Mal die Polizei zu rufen, denn zwei Beleidigungen und zwei Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung mit Gefährdung, das ist schon was, wofür die Beamten aus dem Wagen steigen. Ich blieb zum Glück drinnen sitzen, sonst hätten wir uns vermutlich geprügelt, wäre er nicht nach ein paar weiteren Beleidigungen weitergefahren.
Zwei Kreuzungen später war nicht nur bei mir der Puls noch auf 180: aus dem Gegenverkehr wollte jemand links abbiegen und nutzte die große Lücke vor mir, hatte aber nicht mit meinem neuen Freund gerechnet, der bei rot die Fußgängerampel nahm, das Auto bremste abrupt auf meiner Fahrspur und ich musste so was von einer Vollbremsung hinlegen, dass mir jetzt noch die Knie schlottern.
Manche lernen’s eben nie. Gilt vermutlich auch für mich.




