Archiv für die Kategorie „Verkehr“

Beinahe-Rums

Samstag, 19. September 2009

Als Autofahrer hat man immer die schlechteren Karten, wenn man sich im Verkehrsraum mit einem Fahrrad anlegt — man sollte es also tunlichst vermeiden.

Als ich heute nach Hause fuhr, bog ich nach links auf die B203 ein. Rechts von mir ist die sagenhafte Baustelle, weil noch einmal hundert Meter Straße vierspurig ausgebaut werden, soll heißen: der Flaschenhals, denn Reißverschluss funktioniert hier nie, wird hundert Meter weiter nach hinten geschoben. Weil es dort auf der rechten Straßenseite die Baustelle hockt, die Fahrradfahrer aber zu eitel sind, über die Ampel die Straßenseite zu wechseln, rattern lieber alle über die unebene Baustelle (und fallen in das offene Gullie-Loch, aber das ist eine andere Geschichte) und purzeln am Ende der Baustelle, also an der Ampel, an der ich jetzt stand, mitten auf die Straße.

Ich bog gerade ab, als von rechts ein Radfahrer freilich nicht mitten auf der Straße fuhr, aber doch so weit mittig, dass ich ihn locker vom Sattel gehoben hätte, ja, hätte ich denn nicht gebremst. Mal ganz davon abgesehen, dass er zusätzlich seine rote Ampel ignoriert hatte. Ich hupte, er zeigte mir den Mittelfinger, ich hielt ein paar Meter später an, um ihn durchs offene Fenster zu erklären, er solle doch bitte nächstes Mal auf der anderen Seite fahren, er nannte mich Arschloch, weil schließlich nichts passiert war, ich solle mich nicht so anstellen.

Um den Verkehr nicht zu behindern, fing ich ihn an der nächsten Kreuzung ab, denn das wollte ich jetzt geklärt haben. Niemand nennt mich Arschloch und streckt mir den Mittelfinger entgegen, nachdem er mir beinahe auf der falschen Straßenseite bei rot vor die Karre donnert. Das hatte nicht nur bei mir was mit Stolz zu tun, sondern auch bei ihm, der mittlerweile gelinde gesagt schon vor Wut schäumte. Ich machte mich auch nicht besser und erklärte ihm, beim nächsten Mal die Polizei zu rufen, denn zwei Beleidigungen und zwei Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung mit Gefährdung, das ist schon was, wofür die Beamten aus dem Wagen steigen. Ich blieb zum Glück drinnen sitzen, sonst hätten wir uns vermutlich geprügelt, wäre er nicht nach ein paar weiteren Beleidigungen weitergefahren.

Zwei Kreuzungen später war nicht nur bei mir der Puls noch auf 180: aus dem Gegenverkehr wollte jemand links abbiegen und nutzte die große Lücke vor mir, hatte aber nicht mit meinem neuen Freund gerechnet, der bei rot die Fußgängerampel nahm, das Auto bremste abrupt auf meiner Fahrspur und ich musste so was von einer Vollbremsung hinlegen, dass mir jetzt noch die Knie schlottern.

Manche lernen’s eben nie. Gilt vermutlich auch für mich.

Krasser Schlenker

Samstag, 15. August 2009

Ich mag echt keine Kneipen mehr. Früher, da sind wir immer in die Disco gelatscht, aber inzwischen lassen wir es etwas ruhiger angehen und wollen uns unterhalten und dazu ist es in der Disco definitiv zu laut. Bloß dummerweise wurde in der letzten Zeit auch in unserer Lieblingskneipe die Lautstärke immer weiter aufgedreht. Eine vernünftige Unterhaltung zu dritt ist selbst in der ruhigsten Ecke im Keller kaum noch möglich, wenn von der Decke Rockbands ihre angestaubten Hits des letzten Jahrhunderts brüllen.

Frustriert verließen wir das Lokal.

Auf der Heimfahrt machten wir noch doofe Witze, was ich alles an Alkoholtests absolvieren müsste, wenn ich jetzt einem Tier ausweiche, das plötzlich aus dem Gebüsch springt und uns deswegen die Polizei anhält. Wir hätten allerdings weniger damit gerechnet, dass in der Tat plötzlich von rechts ein Igel aus der Hecke über die Straße rennt, ich reflexartig die Bremse durchtrete und nach einem Blick in den Rückspiegel dem Ding ausweiche.

Tatsächlich leuchtete danach irgendwas rotes auf dem Dach des nachfolgenden Wagens auf und es war nicht schwer zu erraten, dass da die Polizei hinter uns fuhr und mich mal sprechen wollte. „Allgemeine Verkehrskontrolle“ nannte sich das und ich war schon ganz erschrocken: „Und das gerade heute mit den vielen McDonald’s-Müll im Auto.“ Die junge Dame wollte Führerschein und Fahrzeugschein sehen und kritisierte mein Ausweichmanöver: „Das war ein ziemlich krasser Schlenker vorhin… haben sie Alkohol getrunken?“ Nein, natürlich nicht, denn Alkohol am Steuer geht ja nun mal echt nicht. Und der Schlenker, naja, ich wollte den Igel halt nicht überfahen. Ich weiß nicht, ob die Polizei das so toll gefunden hätte.

Tja, und dann gab sie mir meine Papiere zurück, während ihr Kollege noch mal meine Studioblitze auf der Rückbank anleuchtete und wünschte mir noch eine schöne Heimfahrt. Auch lustig angesichts der knapp dreihundert Meter, die ich noch vor mir hatte.

Danke, Vorsicht Kinder: Sie fahren zu schnell

Freitag, 14. August 2009

Durch Busdorf führt momentan die Umleitung der Bundesstraße 77. Um den vielen Verkehr zu bewältigen, wurden vorher die Straßen saniert, die Vorfahrtsregeln geändert — und man stellte so eine lustige Anzeigetafel vor der Schule auf.

Da gilt Tempo 30 werktags zwischen 7 und 14 Uhr. Das weiß die Tafel aber nicht und attestiert jedem, der mehr als 30 fährt, aufgeregt blinkend eine zu hohe Geschwindigkeit. Wer sich — nachmittags unnötigerweise — an das Limit hält, wird noch immer vor Kindern gewarnt. Und wer unverhältnismäßig langsam daherschleicht, tja, der bekommt ein Dankeschön.

Seitenwechsel

Donnerstag, 13. August 2009

Mir ist es schon häufiger passiert, dass Fahrradfahrer ohne erkennbare Ankündigung an den unmöglichsten Stellen vom Fahrradweg auf die Fahrbahn passieren. Manchmal weiß man gar nicht, wo sie danach eigentlich hinwollen, denn es gibt auf der anderen Seite weder eine Straße, in die sie reinfahren können, noch einen anderen Fahrradweg, auf den sie wechseln könnten. Aber erstmal dem nächsten Autofahrer vor die Karre hetzen, der bremst dann nämlich erschrocken oder weicht aus, und wenn was passiert, dann ist er eh dran und nicht der schwache Fahrradfahrer, das kennt man ja, der ist allerhöchstens tot.

Okay, das ist vielleicht angesichts der heutigen Geschehnisse etwas naja, sehr salopp formuliert. Aber heute rückten die umliegenden Feuerwehren, Polizei und der Notarzt aus in die Rendsburger Innenstadt. Dort war in einer Unterführung, links Fahrbahn, rechts Rad- und Fußweg, ein Fahrradfahrer einfach mal so auf die Fahrbahn gefahren. Ergebnis: Fahrradfahrer tot, Autofahrer unter Schock.

Fast eine Stunde lang waren die Hauptstraßen vollgestaut, und als ich dann endlich an der Unfallstelle vorbei fahre, dachte ich mir, ich schieße noch ein Foto davon, vielleicht werde ich es ja an die Zeitung los.

Nun muss man wissen, dass ich bei diesem Foto eher erklärenden Charakter einbringen wollte. Also schraubte ich das Teleobjektiv an, stellte mich über einhundert Meter vom Unfallort entfernt an die Straße und fotografierte die Unfallstelle, wobei ich darauf achtete, dass die Stelle mit den vielen Blutflecken von einem Polizeiwagen verdeckt wurde. Es wurde eher ein Foto von der Brückenstraße, die von den Folgen des Unfalls befreit wird.

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Dann rief mich einer der Polizisten zu sich, die weiter hinten die Straße absperrten. Nach meiner letzten Begegnung mit der Polizei im Zusammenhang schwante mir übles.

Völlig unbegründet.

Der Polizist war ziemlich locker, sofern das die richtige Wortwahl angesichts des Unfalls ist. Wir scherzten erst, dass ich gerade nicht zu ihm herübergehen könne, weil die Fußgängerampel rot war. Die Straße war zwar eh gesperrt, aber ich wollte mir nicht bei ihm fünf Euro oder gleich zehn Euro wegen Vorsatz einfangen.

Er wollte wissen, ob ich von der Presse sei. Freier Mitarbeiter war ich bloß und momentan freilich privat unterwegs. Das Foto, das wollte ich bloß, naja, als „Erinnerung“ haben, von wegen heute viele Sirenen in der Innenstadt und eine halbe Stunde im Stau und da wollte ich eben noch kurz die eigentliche Ursache fotografieren. Er legte mir nahe, das nächste Mal zunächst die Polizei um Erlaubnis zu bitten, denn das sei manchmal aus ethischen Gründen oder so nicht gestattet und dann könnte ich freilich Ärger bekommen. Ich hatte es allerdings auf eine reine Dokumentation angelegt — wäre ich auf die Blutspritzer geil, wäre ich eine Stunde früher hier gewesen und mit einem anderen Objektiv viel näher herangegangen. Und siehe da: er war mit meiner Erklärung zufrieden und ließ mich noch ein paar Fotos schießen.

So kann das nämlich auch laufen. Vollkommen freundlich den Sachverhalt erklären, die eigenen Kompetenzen kennen und trotz des Unfalls im Hintergrund dabei noch lächeln.

Das ist dann auch eher ein „Freund und Helfer“.

Rollendes Zuhause

Freitag, 24. Juli 2009

Früher, als ich noch jung war, da haben wir uns in den Sommerferien immer für vier Wochen ein Wohnmobil gemietet. Unsere bevorzugten Ziele waren Südfrankreich, Italien und Schweden. Zwei Mal sind wir auch durch Deutschland getourt, aber in Deutschland, da fehlt irgendwie der geheimnisvolle Flair des Fremden.

Meine erste Handlung im gemieteten Wohnmobil: die Bordtoilette einweihen. Und dann: alle Schränke und Knöpfe untersuchen. Toll war immer, wenn man durch eine Luke im hinteren Teil in die Garage klettern konnte oder der Bordcomputer tolle geheimnisvolle Funktionen beherrschte.

In diesem Sommer bin ich mal wieder zu alt fürs Verreisen, obwohl das eigentlich gar keine schlechte Idee gewesen wäre, aber ich habe es mir nicht nehmen lassen, meine Eltern zur Wohnmobilvermietung zu fahren. Dort angekommen: einsteigen, Knöpfe drücken, Garage begutachten.

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Weil ich inzwischen volljährig und im Besitz eines Führerscheines bin, kletterte ich auch auf den Fahrersitz. Man muss ja zeigen wer man ist. Aber verflucht, was war der Sitz hoch eingestellt! Ich schob mein linkes Bein unter dem Steuerrad längs und drückte aus Versehen die Kupplung. Und niemand hatte die Handbremse angezogen! Bis ich begriffen hatte, dass der ganze Kram rollt, stand ich immerhin schon einen halben Meter näher am Zaun.

Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Kurz vorher hatte der Vermieter unter dem Auto gelegen, um das Ablassen des Abwassers zu erklären…

#epicfail

Montag, 29. Juni 2009

Nun habe ich mich gerade so sehr über die 1,259 Euro pro Liter Superbenzin gefreut, dass ich aus Versehen Super Plus für sechs Cent teurer getankt habe. Ich überlegte noch kurz, ob ich jetzt verschämt reingehe, die drei Liter Super Plus bezahle und danach an der nächsten Säule den Rest Superbenzin nachkippe, aber dann überschlug ich schnell im Kopf, dass mich der Missgriff etwa 1,80 Euro mehr kostete und beschloss, dass ich mit dem Lehrgeld leben kann.

ALLE MAN NACH WESTERLAND; wir machen eine, FETTE BEACH PARTY!!!!

Donnerstag, 11. Juni 2009

Das mit der Strandparty am Sonnabend ist schon eine komische Sache. Es gibt keine richtige Organisation, aber schon insgesamt über 15.000 Interessenten, die sich in der grammatikalisch interessanten studiVZ-Gruppe versammelt haben.

Es wird die Hölle.

Gehen wir mal von einigermaßen gutem Wetter aus, auch wenn es am Strand mutmaßlich arschkalt werden soll. Lassen wir mal nur ein Drittel der Gruppenmitglieder anreisen, dann sind das immer noch 5.000 Jugendliche, die zum allergrößten Teil ab Husum die Marschbahn stürmen werden. Ein Zug fasst ungefähr 400 Fahrgäste, dann ist es eng, bei 500 passt beim besten Willen niemand mehr in den Zug. Und das ist ein Problem: sonnabends ist der Zug ohnehin schon gut gefüllt und ich weiß beim besten Willen nicht, wo die 5.000 Partygäste über den Nachmittag verteilt hineinpassen werden. Glück hat, wer ab Hamburg-Altona seinen Sitzplatz hat, denn in Husum steigen alle Teilnehmer aus dem restlichen Schleswig-Holstein ein — alle mit den relativ kleinen Triebwagen, die von Kiel über Rendsburg und Schleswig an die Nordsee fahren. Wer da zwischendurch einsteigt, wird sicherlich zu seinem Spaß kommen.

Denn ob die Nord-Ostsee-Bahn sich auf den Ansturm vorbereitet, ist noch immer nicht geklärt. Eine Zeit lang war von einigen Extrazügen die Rede, die vermutlich allerdings nicht zum Einsatz kommen, allerdings dürfte die Nord-Ostsee-Bahn auf der Relation Kiel–Husum mutmaßlich in Doppel- oder Dreifachtraktionen fahren, vielleicht kommt sogar wieder der lange Zug mit den alten Wagen der FLEX zum Einsatz. Die Marschbahn nach Westerland fährt im Sommer teilweise mit zehn statt sechs Waggons, die wegen der kurzen Bahnsteige allerdings nicht in Glücksstadt halten, doch wird die Nord-Ostsee-Bahn weder alle Züge auf zehn Waggons verlängern und damit Glücksstadt den ganzen Tag lang nicht anfahren, noch wird man, wie es einige Teilnehmer sich vorstellen, sich bei der Deutschen Bahn Waggons leihen und dann mit kilometerlangen Zügen gen Norden rollen. Das klappt organisatorisch gar nicht — und außerdem gibt’s noch immer das Problem mit den Bahnsteigen.

Vermutlich dürfte also allergrößtes Chaos anstehen, sofern denn übermorgen das Wetter einigermaßen mitspielt. Anscheinend wird die Polizei in Westerland sogar einige Straßen absperren, damit die Betrunkenen nicht alle vor die Autos stolpern.

Ich überlege noch, wie ich das anstelle: mit der Bahn zu fahren wäre sicherlich extra-krank, sofern man es denn irgendwie auf die Insel schafft. Man könnte natürlich auch mit dem Auto ab Niebüll auf dem Sylt-Shuttle übersetzen. Hätte den Vorteil, dass man sogar einen trockenen Schlafplatz hat.

Oh weh.

Zerbrochen

Dienstag, 9. Juni 2009

Das mit dem Außenspiegel, das war eigentlich ganz einfach: der war nicht richtig in seine Halterung gedrückt. Das war nämlich gar nicht so einfach: der Meister nahm sich dessen persönlich an, drückte und zerrte, meinte gerade noch, der halte alles aus, als das Ding zerbrach, er sich einen neuen besorgen musste und danach bedeutend vorsichtiger drückte und zerrte.

Schwupps

Montag, 8. Juni 2009

Oa, heute dümpelte ich von der B77 durch Owschlag hindurch bis zur Autobahn einem schäbigen Kleinlaster hinterher. Irgendwie traute er sich trotz übersichtlicher Strecke nicht schneller als 50 oder 60 zu fahren, doch in Ermangelung einer passenden Lücke im Gegenverkehr verbot sich das Überholen. Als wir auf die A7 Richtung Norden fuhren, da hüpfte er von der Auffahrt — wer hätte es gedacht? — über die durchgezogene Linie auf die rechte Fahrspur direkt vor einen LKW, der per Lichthupengewitter seinem Unmut Ausdruck verlieh. Ich überholte das rostige Ding auf dem Beschleunigungsstreifen, ohne einen Gang herunterzuschalten.

Soweit, so gut.

Dann ereilte mich ein Anruf, dass mein Server nicht mehr erreichbar war, das ist dringend, also fuhr ich bei Lottorf auf diesen riesigen Notfallstartbahn-Parkplatz, klappte meinen Mac auf, während der Kerl neben mir sich eine Prostituierte ins Auto holte und machte den blöden Kasten Beine. Währenddessen hatte der Lieferwagen wieder Gelegenheit zum Überholen, so dass ich ihn an der Baustelle bei Tarp wieder vor mir hatte. Dort ist die Nordfahrbahn auf die andere Seite verschwenkt, die linke Fahrspur aber nur zwei Meter breit — und er fuhr in der Mitte. Mit seinen üblichen 60 statt 80. Lichthupe, Hupe, Gestik, alles brachte nichts…

… außer der Erkenntnis, dass einige Autofahrer wirklich nicht ein kleines bisschen zum Führen eines Kraftfahrzeuges geeignet sind.

Angeschraubt

Samstag, 6. Juni 2009

Mein Außenspiegel wurde repariert. Wie in der örtlichen Werkstatt üblich aber unbefriedigend: mit dem kleinen Joystick lässt sich der Spiegel zwar noch bewegen, aber nicht mehr in die richtige Position bugsieren. Und außerdem zerrt das Ding wie verrückt, die LKWs auf der Autobahn kippen alle zur Seite, als hätte man schnell einen Spiegel vom Jahrmarkt geklaut.

Da muss ich mal wieder hin. Zur Werkstatt, nicht zum Jahrmarkt.