Archiv für die Kategorie „Kino“

District 9

Donnerstag, 17. September 2009

Drei Monate lang schwebte also dieses eine große Raumschiff über der Stadt. Aussehen tut die fliegende Untertasse wie die Raumschiffe aus „Independence Day“, aber „District 9“ stellt gleich mal klar, dass man mit Roland Emmerich nicht viel zu tun hat: die Stimme aus dem Off wundert sich, nein, entschuldigt sich, dass das Schiff nicht über New York, sondern über Johannisburg zu stehen gekommen ist.

Und nun, nach drei Monaten also, haben die Erdlinge die Faxen dicke und fliegen da mal hoch, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auf den Boden der Tatsachen kommen sie allerdings mit einem ziemlichen Problem zurück: da hocken über eine Million insektoider Außerirdischer in dem Raumschiff, völlig unterhungert und wollen eigentlich nur noch nach Hause. Weil aber weder Aliens noch Erdlinge wissen, wie sich das Raumschiff wieder starten lässt, leben die Fremdlinge fortan in einem Ghetto nahe Johannesburg.

Bis hier ist der Film brilliant, denn nicht nur die Grundidee, die sich deutlich von den üblichen Alien-Spektakeln unterscheidet, bietet unglaubliches Potenzial. Was hätte man alles aus den gesellschaftlichen Unterschieden zwischen den beiden Lebensformen entwickeln können, denn schließlich brechen die Außerirdischen, getrieben von Hunger und Armut, sehr schnell aus ihrem Ghetto aus und kommen mit den Menschen ungefähr überhaupt nicht zurecht. Außergewöhnlich ist nicht zuletzt die erfreulich realistische Erzählweise, die in der ersten Viertelstunde im Stil von Fernsehnachrichten einen Überblick über die Ausgangslage gibt.

Nach der ersten Viertelstunde hätte man das Kino auch verlassen können, ohne viel zu verpassen. Multinational United, eine seltsame Organisation, die mit der Aufsicht über die Außerirdischen betreut ist, schert sich natürlich weniger um die Würde der fremden Wesen, sondern will — na klar — an die Waffen ran, die man sich aus dem Raumschiff beschafft hat, nur doof, dass sich die Dinger nur als Alien bedienen lassen. Da trifft es sich ja ganz prima, dass Wikus van de Merwe, der die Aliens aus District 9 in ein weitaus schlimmeres Ghetto umsiedeln soll, mit einer rätselhaften Flüssigkeit in Kontakt kommt — ihm wächst dann erstmal eine Alien-Hand. Doof für Wikus, toll für Multinational United, die sich jetzt an den Waffen austoben können. Und klar, natürlich kämpft man jetzt um diese seltsame Flüssigkeit, und weil man endlich mit den Waffen etwas anfangen kann, ist der Burly Brawl aus der Matrix quasi ein Klacks dagegen. Das Drehbuch zaubert plötzlich noch Alien-Vater und Alien-Sohn herbei, die zwanzig Jahre lang über einen kleinem Raumschiff gehaust haben und schließlich mit der schwarzen Flüssigkeit, die sich nunmehr als destillierter Treibstoff herausstellt, erst zum Mutterschiff und dann zum Mutterplaneten fliegen.

Und ich frage mich allen Ernstes, was die anderen Rezensenten dem Film noch abgewinnen können — ich habe es selten im Kino erlebt, dass ein Drehbuch auf eine derart bemerkenswerte Weise so dramatisch den Bach herunterging. Der Anfang gab ja noch viel her — was hätte man aus den Parallelen zur Apartheid noch alles herausziehen können! — aber am Ende ging’s nur noch um stupides Herumgeballer.

Zack and Miri Make a Porno

Dienstag, 11. August 2009

Zack und Miri machen also einen Porno. Und Zack und Miri, die sind ganz treu Klischee amerikanischer Filme: die Dame hübsch, aber vertrottelt, der Herr dick und noch vertrottelter. Und klar, beste Freunde und zusammenleben tun sie auch. Und ganz treu Klischee geht ihnen plötzlich das Geld aus. Sie entscheiden sich für das naheliegenste und planen — einen Pornostreifen zu drehen.

IMG_3101

Okay, die Story ist etwas billig, aber immerhin stimmt die Unterhaltungsquote. Nur später, als endlich auffliegt, dass Zack und Miri ungefähr seit Geburt an ineinander verknallt sind, da brach die ohnehin dürre Story noch weiter ein, als der Film plötzlich erklären wollte. Jeder Mensch brauche etwas zum festhalten und für diese paar ausgesucht trotteligen Individuen auf der Mattscheibe war das groteskerweise ein Pornofilm. Hätte man den Teil aus dem Drehbuch geworfen, dann hätte das ganze wirklich lustig werden können.

Und wie lustig übrigens, dass weder Titten noch Mösen noch Schwänze zensiert wurden.

Hangover

Freitag, 24. Juli 2009

Die Vorschau zu Hangover versprach ja durchaus einen lustigen Film. So lustig, dass ich sogar alleine ins Kino marschierte, um mir den Spaß anzusehen, denn alle anderen, die wollten irgendwie nicht.

Da fährt also ein Junggeselle mit seinen Kumpels nach Las Vegas, um kurz vor der Hochzeit noch mal richtig einen draufzumachen. Sie behacken sich allerordentlichst, geraten dabei allerordentlichst in Schwierigkeiten — und können sich am nächsten morgen allerordentlichst an nichts erinnern.

Was mir gleich zu Anfang missfiel, war die seltsame Kameraführung. Der Bildaufbau gefiel mir nicht so recht, abgeschnittene Arme und seltsame Einstellungen passten nicht zur Handlung. Das tat der Story jedoch keinen Abbruch: eine absolut lustige Komödie. Davon darf es gerne mehr geben.

The Hurt Locker

Donnerstag, 23. Juli 2009

Normalerweise überstehe ich Horrorfilme ganz leicht, indem ich mich seelisch einfach ein wenig mehr vom Geschehen auf der Leinwand distanziere. Dann haut mich nicht mal mehr der gröbste Scheiß um. Eigentlich schaue ich ganz gerne Horrorfilme, aber über die Jahre habe ich mir it dieser blöden Distanzierungsmethode den Spaß am Genre verdorben.

IMG_1756

Nun ist The Hurt Locker, gestern im Überraschungsfilm, nicht unbedingt ein Horrorfilm, wenn man davon absieht, dass einige Szenen wirklich abscheulich gruselig sind. Dennoch dürfte das ganze als Thriller durchgehen, ein Thriller über Bombenentschärfungen im Irak, aufgebaut in einem packenden Dokumentar-Stil mit hektischen Kameraschwenks und jeder Menge Spannung. Oa, was haben wir mit den Männern auf der Leinwand gelitten.

Da kommt ein Soldat als Ersatz für einen getöteten Bombenentschärfer in den Irak, um die Einheit B zu unterstützen — und gleich seinen ersten Einsatz meistert er relativ unkonventionell. Die Sicherheit seiner ganzen Einheit gefährdend macht er sich nicht gerade Freunde, legt bei seinen Einsätzen zu Beginn erstmal seine Schutzkleidung ab. Das ganze wird so unglaublich spannend und mitreißend, dass man bei jedem Geräusch im Kinosaal zusammenzuckt.

Harry Potter

Dienstag, 21. Juli 2009

Um dem Abend noch etwas abzugewinnen, wollten wir ins Kino gehen. Harry Potter lief, das musste man sich wohl auch mal ansehen. Klug wie wir waren, kamen wir eine glatte Stunde zu früh.

Zeit genug, sich mit teuren Subs den Bauch vollzuschlagen. Dann wollte ich ein Eis, noch teurer und noch komplizierter, denn bei Ben & Jerry’s hat wohl jemand bei einer ganzen Lieferung vergessen, die Löffel in die Deckel zu basteln. Macht ja auch nichts, man ist ja erfinderisch.

IMG_1718

Und Harry Potter? Naja, nicht so der Hit. Am Ende standen wir da und waren uns nicht so ganz sicher, was eigentlich passiert war. Klar, es wurde viel herumgeknutscht und ein bisschen gekämpft, aber die Umsetzung des Buches war nicht bloß reduziert, nein, sie war glatt fehlgeschlagen. Ich habe ungefähr nichts wiedererkannt.

Und dann gab’s im Film auch noch eine Pause. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das eine Pinkelpause oder eine Popcorn-Pause war, vermute aber kapitalistische Hintergründe. Sinnloserweise wurde nicht angekündigt, dass die Pause nur fünf Minuten dauerte, viel zu wenig zum Nachschub kaufen, und während der ersten Viertelstunde des zweiten Teils drum immer irgendwelche Zu-Spät-Kommer durchs Bild latschten.

Im letzten Harry-Potter-Teil wird es diese Probleme nicht mehr geben: der wird gleich in zwei einzelnen Filmen produziert.