Drei Monate lang schwebte also dieses eine große Raumschiff über der Stadt. Aussehen tut die fliegende Untertasse wie die Raumschiffe aus „Independence Day“, aber „District 9“ stellt gleich mal klar, dass man mit Roland Emmerich nicht viel zu tun hat: die Stimme aus dem Off wundert sich, nein, entschuldigt sich, dass das Schiff nicht über New York, sondern über Johannisburg zu stehen gekommen ist.
Und nun, nach drei Monaten also, haben die Erdlinge die Faxen dicke und fliegen da mal hoch, um der Sache auf den Grund zu gehen. Auf den Boden der Tatsachen kommen sie allerdings mit einem ziemlichen Problem zurück: da hocken über eine Million insektoider Außerirdischer in dem Raumschiff, völlig unterhungert und wollen eigentlich nur noch nach Hause. Weil aber weder Aliens noch Erdlinge wissen, wie sich das Raumschiff wieder starten lässt, leben die Fremdlinge fortan in einem Ghetto nahe Johannesburg.
Bis hier ist der Film brilliant, denn nicht nur die Grundidee, die sich deutlich von den üblichen Alien-Spektakeln unterscheidet, bietet unglaubliches Potenzial. Was hätte man alles aus den gesellschaftlichen Unterschieden zwischen den beiden Lebensformen entwickeln können, denn schließlich brechen die Außerirdischen, getrieben von Hunger und Armut, sehr schnell aus ihrem Ghetto aus und kommen mit den Menschen ungefähr überhaupt nicht zurecht. Außergewöhnlich ist nicht zuletzt die erfreulich realistische Erzählweise, die in der ersten Viertelstunde im Stil von Fernsehnachrichten einen Überblick über die Ausgangslage gibt.
Nach der ersten Viertelstunde hätte man das Kino auch verlassen können, ohne viel zu verpassen. Multinational United, eine seltsame Organisation, die mit der Aufsicht über die Außerirdischen betreut ist, schert sich natürlich weniger um die Würde der fremden Wesen, sondern will — na klar — an die Waffen ran, die man sich aus dem Raumschiff beschafft hat, nur doof, dass sich die Dinger nur als Alien bedienen lassen. Da trifft es sich ja ganz prima, dass Wikus van de Merwe, der die Aliens aus District 9 in ein weitaus schlimmeres Ghetto umsiedeln soll, mit einer rätselhaften Flüssigkeit in Kontakt kommt — ihm wächst dann erstmal eine Alien-Hand. Doof für Wikus, toll für Multinational United, die sich jetzt an den Waffen austoben können. Und klar, natürlich kämpft man jetzt um diese seltsame Flüssigkeit, und weil man endlich mit den Waffen etwas anfangen kann, ist der Burly Brawl aus der Matrix quasi ein Klacks dagegen. Das Drehbuch zaubert plötzlich noch Alien-Vater und Alien-Sohn herbei, die zwanzig Jahre lang über einen kleinem Raumschiff gehaust haben und schließlich mit der schwarzen Flüssigkeit, die sich nunmehr als destillierter Treibstoff herausstellt, erst zum Mutterschiff und dann zum Mutterplaneten fliegen.
Und ich frage mich allen Ernstes, was die anderen Rezensenten dem Film noch abgewinnen können — ich habe es selten im Kino erlebt, dass ein Drehbuch auf eine derart bemerkenswerte Weise so dramatisch den Bach herunterging. Der Anfang gab ja noch viel her — was hätte man aus den Parallelen zur Apartheid noch alles herausziehen können! — aber am Ende ging’s nur noch um stupides Herumgeballer.


