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Nur Ärger mit Zensursula

Mittwoch, 2. September 2009

Als ich heute morgen im Bett noch schlaftrunken von den gestrigen Ereignissen meine Mails checken wollte, schmiss mein iPhone fröhlich mit Fehlermeldungen um sich. Das ist soweit nichts ungewöhnliches — iPhone und Mailserver mögen sich nur bedingt und wenn’s dann mal hakt, fliegen so richtig die Fetzen. Gerade die IMAP-Ordner mit den über 30.000 Mails der Piraten-Mailinglisten machen dem kleinen Gerät zu schaffen. Dass aber mein Mac keine Mails mehr abrufen mag, ist durchaus ungewöhnlich. Und wenn sich Adium nicht mehr mit meinem XMPP-Dienst verbindet, spricht das mehr oder weniger für eine deutliche Überlastung meiner Kiste. Meistens hat sich dann irgend ein Prozess versenkt oder ein unsauber programmiertes PHP-Skript in den tiefen des Debian-Systemes verlaufen. Ich würde die Sache schnell in Ordnung bringen.

Lediglich vier Retweets hatten meinen Artikel empfohlen, doch über die Google-Suche stürzte ein Schwall an Lesern auf der Suche nach Wasserbomben und Zensursula in mein Blog. Normalerweise bin ich neugierig und lasse mir von StatPress die Besucherzahlen ausgeben, doch das Plugin war dem Ansturm nicht gewachsen: erst 150 Besucher zeigte es mir für den heutigen Tage an. Das ist zwar so viel wie ich sonst im Verlaufe eines Tages begrüßen darf, aber nichts, was meinen Server in die Knie zwingen sollte. Ein Blick in Apaches Access-Logfile offenbahrt: StatPress hat allenfalls jeden zehnten Besucher erkannt. Und in der Live-Ansicht rasten die Zeilen in einer grauen, undurchdringlichen Masse an mir vorbei.

Ja, ich war noch halb im Bett und draußen tobte schon so richtig die Party.

Über SSH kam ich nur mühsam an meinen Server heran, fragte ich ihn nach seinem Load, erhielt ich erst nach mehreren Minuten Antwort: erst 10.3, dann 31.5, dann 50.6. Seit ich mit Caldera die Galerie nicht mehr dynamisch ausgeben lasse, habe ich schon lange keine solchen Werte gesehen. Sofern die ersten 150 Besucher nicht irgendeinen Server-Dienst gründlich aus dem Tritt gebracht haben, der meiner Kiste auf den Nerven liegt, lief gerade etwas entschieden schief. Das ist schlecht um zehn Uhr morgens.

Verbindungsversuche über SSH unterschlägt mein Server gekonnt: der Load ist inzwischen über 70 geklettert — ein Wunder, dass die Kiste überhaupt noch mit mir spricht, wenngleich auch erst nach einer langen Wartezeit. Ich versuche, den Server neu zu starten, um die ganzen wartenden Prozesse zu killen. Danach schaffe ich es immerhin bis zur Anmeldung, kann nach ein paar Minuten das Stop-Kommando des Webservers absenden — aber der Befehl verpufft wirkungslos in der Warteschlange. Ich sollte beizeiten meine Unix-Kenntnisse vertiefen, um dem SSH-Server eine höhere Priorität zu geben, sofern das irgendwie nur geht.

Nach einem erneuten Server start schalte ich blitzschnell die Domain maltehuebner.com ab und schleiche mich durch den Hintereingang in den Admin-Bereich, um dort erstmal das WP-Cache-Plugin zu installieren. Es sollte nur ein paar Minuten überbrücken, danach gibt der MySQL-Server auf, warum auch immer, es sollte nicht rund laufen an diesen Dienstagmorgen. Denn dann ist eh alles egal, denn dann verlinkt mich netzpolitik.org, eine sehr große Ehre, aber binnen Minuten strecken die Besucherströme meinen armen Server zu Boden. Dummerweise kann ich mich darum nicht mehr kümmern: Ursula von der Leyen besuchte heute das Rendsburger Mehrgenerationenhaus — und ich will wieder dabei sein.

Es ist irgendwie schon seltsam, sich ein zweites Mal geradezu in eine Veranstaltung der Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einzuschleichen. Wobei einschleichen eigentlich nicht der falsche Begriff ist, denn ich betrete die Veranstaltung weder unauffällig durch die Hintertür, noch muss ich den Sicherheitsdienst bescheißen. Mit meiner dicken Kamera gehe ich problemlos als Fotojournalist durch und weil niemand Fragen stellt, brauche ich niemandem auf die Nase zu binden, dass ich bloß zu meinem privaten Vergnügen hier herumstromere.

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Von der Leyen hat sich im Rendsburger Christopherushaus angekündigt. Mir ist während der Jahre, die ich dort schon ein und aus gehe, noch immer nicht ganz klar geworden, wer alles in diesem Haus residiert. Der Rendsburger Kirchenkreis hat dort seine Büros, es gibt eine größere Veranstaltungshalle mit Küche und irgendwo wurde anscheinend ein Mehrgenerationenhaus eingebaut — ich bin gespannt. Weil ich mich vorher noch Hand an meinen Server anlegen musste, komme ich dieses Mal relativ zeitig an. Das kann die Ministerin glücklicherweise nicht von sich behaupten, so bleibt mir noch etwas Zeit, ein wenig mit den Piraten zu tratschen, die sich abseits des Einganges versammelt haben. Im Christopherushaus findet anscheinend zusätzlich noch eine Weiterbildungsveranstaltung statt, der Parkplatz ist gut gefüllt, erst recht, weil es keinen Parkwächter gibt, der für Recht und Ordnung sorgt.

Die Piraten geben sich anders als gestern nicht als solche zu erkennen — man könnte die vier glatt für CDU-Wähler halten, so wie sie herumlaufen. Keine Piraten-T-Shirts, keine Plakate, nicht mal eine Fahne; entweder hat man blitzschnell aus den gestrigen Problemen gelernt oder einfach verpeilt, sich zu organisieren. Dennoch fällt es dem Sicherheitsdienst nicht schwer, uns als Piraten zu identifizieren: wer sonst würde eine völlig uninteressante Rede während einer völlig uninteressanten Veranstaltung (in einer freilich ebenso uninteressanten Stadt) hören wollen? Die Personenschützer erkennen mich wieder, tuscheln, schauen zu uns rüber, wir schauen demonstrativ zurück und machen unsere Späßchen. Weil ich fürchte, seit gestern als Sympathisant der Piraten bekannt zu sein, löse ich mich wieder aus der Gruppe und marschiere Richtung Haupteingang. Schließlich will ich heute noch was erleben und nicht riskieren, der gestrigen Ereignisse wegen nicht hineingelassen zu werden.

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Vor dem Eingang warten Lokalpolitiker und die Journalisten von der Lokalpresse. Ich wittere meine Chance, besorge mir von meiner Kollegin einen Fotoauftrag und plane, den Personenschützern meinen redaktionellen Auftrag direkt auf die Nase zu binden, falls sie mich nicht lieb haben sollten. Doch wieder interessiert sich niemand für mich, stellt niemand fragen, will niemand meine Kamera in Augenschein nehmen.

Der Wagen mit dem Berliner Kennzeichen fährt vor, das übliche Prozedere beginnt: Hände werden geschüttelt, nach dem Befinden wird gefragt, lautes Gelächter, die Ministerin für alles außer Männer sieht sich umringt von Männern, die sie langsam in Richtung Tür bugsieren. Ich laufe voraus und drücke den Auslöser durch. Oben vor dem Kleinen Saal treffe ich meine Freunde von der Piratenpartei wieder. Anscheinend gab es eine kurze Diskussion mit dem Sicherheitsdienst, ob man die vier, deren Parteizugehörigkeit mehr als offensichtlich war, in den Saal lassen sollte oder ob gar Gefahr von den adrett gekleideten Gästen ausgehen könnte. Die Chefin setzt auf Risiko, will die Piraten unauffällig auf die hinteren Plätze bugsieren, so unauffällig, dass die Piraten gar nicht begreifen und kurzerhand hinter von der Leyen Platz nehmen. Der Sicherheitschefin passt das freilich gar nicht in den Kram, doch jetzt noch die Plätze zu tauschen erscheint wohl auch ihr zu albern. Während der nächsten Viertelstunde sollte sie die vier Piraten nicht aus den Augen lassen. Mit vielleicht zwanzig Leuten sitzen wir im Kleinen Saal, vorne die Politiker mit Krawatte, dann vier Piraten, dann ein paar Mitarbeiter, dann das Buffet.

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Was von der Leyen am Mikrofon referierte bekam ich gar nicht so richtig mit. Ich war mit meinen Fotos beschäftigt, schließlich hatte ich seit wenigen Minuten einen redaktionellen Auftrag im Rücken. Und doch bildeten die Fetzen, die ich mit halbem Ohr mithörte, eine bizarre Situation: die Ehrenamtler engagieren sich im Mehrgenerationenhaus und die von der Leyen stellt sich vorne hin und erzählt ihnen noch mal, was sie alles tolles gemacht haben. Es mag sein, dass es aus Sicht der Beteiligten interessanter klang, was die Dame in pink dort vorne erklärte, aber mich langweilte die ganze Sache ziemlich schnell. Ich glaube nicht, dass von der Leyen den ehremantlichen Helfern noch kluge Ratschläge geben oder gar neues aus deren Alltag berichten kann — sie sollte es bleiben lassen. Immerhin erzählt sie nichts zum Thema Kinderpornografie.

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Vorne unterhalte ich mich kurz mit einem Personenschützer. Ich weiß nicht, ob er eigentlich Personenschützer ist oder nur deren Chef, denn seine Statur disqualifiziert ihn genauso wie sein Klemmbrett, an dem er sich geradezu ängstlich festklammert. Er ist überraschend nett und erzählt, dass er so eine Attacke wie gestern noch nicht erlebt hat. Er müsse sich wohl auf harte Zeiten einstellen, rate ich ihm, Wahlkampf trägt seinen Namen nicht aus Spaß, hier geht’s heiß her. Dann gehen wir wieder getrennte Wege: er geht telefonieren, ich gehe twittern.

Dann fällt mir plötzlich ein, dass das mit dem Twittern vielleicht keine gute Idee ist. Vielleicht sitzen draußen in einem Überwachungswagen Männer mit Anzügen und tasten die Twitter-Timeline nach #Zensursula ab — sie müssten nur kurz nachdenken und kämen locker drauf, dass ich gestern in Wedel und heute in Rendsburg dabei bin. Und wenn ich zum #Zensursula-Hashtag greife, dann habe ich doch bestimmt etwas böses vor… spontan bilde ich mir ein, dass mein netter Gesprächspartner während seines Telefonates mit einem undefinierbaren Blick zu mir herübersieht.

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Ich wechsle noch ein paar Worte, denn inzwischen wird gesungen und trotz Textvorlage schlägt sich von der Leyen mehr schlecht als recht. Dabei hatte sie doch vor ein paar Monaten noch damit angegeben, dass bei ihr zu Hause regelmäßig gesungen würde. Vielleicht hat sie das in der letzten Zeit verlernt, zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass sie nach einem langen und anstrengenden Tag noch nach Hause fährt und sich um ihre Kinder kümmert, wenn sie gerade in der entferntesten Provinz ihren Wahlkampf feiert. Ihr Nachbar hält auch nicht viel vom Singen und auch die nicht-singende, aber hörende Presse ist froh, dass die Politiker ihr Lied nach einer Zugabe beendeten.

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Wir springen auf und latschen der Ministerin am Buffet vorbei in den Keller. Ein enger Gang führt aus dem Flur, links eine Bastelstube ohne Fenster, rechts ein leeres Zimmer mit Fenstern, hinten ein etwas größerer Raum mit strickenden Damen und Fenstern. Wir drängen uns hinein, die von der Leyen, die Presse und die Politiker und finden kaum Platz. Die Ministerin spricht, belanglos, ich kenne mich nicht aus mit Stricken, aber es ist alles wunderbar. Wir ziehen weiter zum nächsten Raum, zum dunklen, viele Kinder stehen dort drin und basteln. Was sie basteln, das bekommt nicht einmal von der Leyens Charme heraus, aber toll ist es und prima machen sie es und während sie da spricht, blitzen wir und notieren und schwitzen. Der kleine Raum heizt sich angesichts der vielen Menschen schnell auf, um den Tisch stehen die Kinder und basteln und drumherum die Politiker und Journalisten und drängeln und blitzen und notieren, nur Frau von der Leyen, Frau von der Leyen strahlt eine Ruhe aus, die fasziniert. Sie nimmt sich Zeit und unterhält sich ausgiebig, geht auf Fragen ein, ist ganz nah am Volk.

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Ja, sie ist wohl geübt nach vier Jahren in der Bundesregierung und noch mehr Jahren in der Politik, aber in diesem kleinen Mikrokosmos der Bastelstube entspinnt sich eine eigenartige Ordnung um Frau von der Leyen, die so ruhig und gefasst ihre belanglosen Gespräche führt, die sich nicht zusammenfassen lassen, weil niemand so richtig weiß, was sie eigentlich gesagt hat, und drumherum stehen die Journalisten und drängeln und blitzen und notieren. Und der Personenschutz steht mittendrin und es gefällt ihm gar nicht, diese Enge, diese Drängelei. Es wäre freilich ein leichtes gewesen, irgendwelche Boshaftigkeiten mitzubringen — von der Leyen hätte es erst gemerkt, wenn es zu spät gewesen wäre.

Je länger wir dort stehen und schwitzen, desto schneller vergeht die Zeit. Von der Leyen marschiert direkt hinter mir in den nächsten leeren Raum, steht dort, diskutiert über finanzpolitische Dinge, von denen ich nichts verstehe, ich warte draußen. Dann laufen wir alle auf die Terrasse, ein Gruppenfoto, ich will aber nicht mit drauf, sage ich leicht humorvoll, befürchtete ich insgeheim angesichts der Hektik überhaupt nicht, mit ins Bild geschoben zu werden. Von der Leyen bekommt Geschenke, von der Leyen lächelt, freut sich, alles ist in Ordnung.

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Weiter unten ist die Welt nicht so heiter. Die Piraten hatten wohl doch eine Flagge dabei und wurden von der Polizei erst des Platzes verwiesen, fingen dann an zu diskutieren und durften doch bleiben — so ganz blicke ich da nicht durch. Anscheinend konnten sie noch ein paar Mitarbeiter des Mehrgenerationenhauses bekehren. Was bleibt: die Verwunderung über diese Hektik, die um von der Leyen am Ende Ausbrach. Eigentlich kein Wunder, war es doch ihre dritte Besichtigung heute. Vermutlich hat sie in Husum und Schleswig schon so einiges an strickenden Damen und bastelnden Kindern erlebt. Ein Mehrgenerationenhaus scheint so einfach wie der Begriff: mehrere Generationen in einem Haus. Von dem viel beschworenen Miteinander zwischen Jung und Alt war noch nichts zu sehen. Und es drängt sich der Gedanke auf, dass diese konservativen Werte, von denen sie so sehr schwärmte, irgendetwas mit bastelnden Kindern und strickenden Damen zu tun haben könnte.

Vielleicht ist das die Welt, in der von der Leyen zu Hause ist — und in der sie ihre Kompetenzen hat.

Und eine alte Frau weint

Dienstag, 1. September 2009

(auf ausdrücklichen Wunsch der abgebildeten Personen wurden Gesichter unkenntlich gemacht)

„Ihr Jungs werdet keinen Unfug machen, oder?“ Wir wollten eigentlich wissen, wo wir unsere angemeldete Mahnwache abhalten dürfen, doch der Polizist reagiert eiskalt: ob vor dem Eingang, an der Straße oder am Gästeparkplatz ist ihm ganz egal, solange wir uns benehmen — versprochen. Der Beamte ist freundlich, freundlicher als wir bei dieser Veranstaltung erwartet hätten und vor allem: er ist der einzige. Die Staatsmacht lässt seine Ministerin für alles außer Männer im besten Alter von einem Polizeibeamten im besten Alter bewachen.

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Während die Piraten noch den Bedenkenträger machen und eine halbe Stunde lang überlegen, wo sie ihre Mahnwache publikumswirksam aufstellen sollten, halte ich mich etwas zurück: niemand soll mich mit den Piraten zusammen sehen. Zu groß ist meine Befürchtung, dass nach dem zweifelhaften Auftritt des SPIEGEL-Kamerateams ich der nächste bin, der im Handumdrehen einkassiert wird.

Viertel vor sechs lasse ich die Piraten vor dem Parkplatz stehen, es sind noch immer nicht sehr viele, aber immerhin haben sie inzwischen ihren Kundenstopper auf dem Gehweg aufgeklappt. Alte Leute in jungen, dicken Autos fahren auf den Parkplatz und der alte Parkwächter, der nicht viel hält von uns Piraten, versucht mit einer geschickten Parkstrategie die Kapazität seines Reiches zu erhöhen. Sein Reich, das ist der Parkplatz und da ist er ganz empfindlich. Wehe dem, der dort herumstromert. Wir mutmaßen, er sei CDU-Wähler.

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Der Personenschutz würdigt mich keines Blickes, als ich das Gebäude betrete. Niemand will den Presseausweis sehen, den ich nicht habe, niemand möchte meine riesige Kamera untersuchen, niemand will Fragen stellen, ob ich böses im Schilde führe. Stattdessen fängt mich eine freundliche Dame ab. Von welcher Zeitung ich denn sei, will sie wissen und ich bin ehrlich: von gar keiner. Heute bin ich zu meinem privaten Vergnügen hier. Sie will mich trotzdem am Presse-Tisch direkt neben der Ministerin sehen und je länger ich dort schließlich bei Orangensaft und CDU-Schreibblöcken sitze, verstehe ich auch, warum: von der Presse ist bis 18 Uhr noch niemand eingetroffen. Und Frau von der Leyen soll wohl nicht denken, ihre Gegenwart ließe das Hamburger Medienumland komplett kalt.

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Im Saal werden stattdessen sämtliche CDU-Klischees erfüllt. Wer jünger als fünfzig ist, der folgte der familienfreundlichen Einladung und hat Kind samt Legokiste dabei. Die Kinder finden nebenan im Spielzimmer Platz, die Eltern müssen stehen — der Andrang ist groß. Aber fast niemand macht den Anschein, als hätte er sich schon einmal in dieses Internet getraut. Vertrauend auf die Berichte ihrer Regierung dürften nicht wenige das Internet für einen Hort des Übels halten — direkt neben der Tür diskutieren mehrere Herrschaften angeregt, ob man den ganzen Kram nicht einfach abschalten könne. Schließlich hat man schon Jahrtausende ohne das Internet gelebt, da wäre es doch lächerlich, wenn das nicht mehr möglich sein sollte.

Das „teAM Ole Schröder“ verteilt christdemokratisches Propagandamaterial: „Die Bekämpfung der Verbreitung von Kinderpornografie ist keine Zensur“. Der Handzettel überzeugt, den die Mädchen und Jungen in orangefarbenen T-Shirts verteilen, junge Menschen, die nach viel aussehen, aber nicht nach CDU-Anhängern und nicht den Eindruck machen, als seien sie vollkommen verblödet. Doch der Autor des Handzettels hatte es nicht geschafft, die Komplexität des Themas zu begreifen: es bleibt bei einer einseitigen Betrachtung aus Sicht von der Leyens — nichts, was nach Monaten der vergeblichen Debatten noch überrascht.

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Ich fühle mich ein wenig wie ein Agent im feindlichen Lager. Man ist mir wohlgesonnen, man nickt mir zu, doch niemand weiß, dass ich heute Abend kein Abgesandter der Presse bin. Einige Gesichter hatte ich draußen bei der Mahnwache entdeckt und wenn wir uns zuzwinkern fühlt es sich an wie ein letzter Abschiedsgruß, als würden wir der CDU die Party sprengen. Vermutlich werden sich ein paar Protestler unter das christdemokratische Volk mischen und ein wenig lärmen. Die Wahlkampfveranstaltung zu stören würde auch bedeuten, die Piratenpartei weiter in die Ecke der dämlichen Nerds zu drängen; schließlich würde die Presse jedwede Störer den Orangefarbenen zuordnen.

Durch den Eingang stürmt ein junger Mann in schwarzer Bekleidung. Nanu, sage ich, er sei wohl auch eher Pirat als Christdemokrat, aber er schleicht sich wortlos an mir vorbei. Es sollte sich später herausstellen, dass er der Bernd war, der auf krautchan ein Bekennerschreiben veröffentlicht hatte:

(Update: das „Bekennerschreiben“ wurde erst nach dem Angriff veröffentlicht — danke an die vielen Hinweisgeber)

Scheiße Bernd, es reicht mir. Ich habe dieses Lotterleben satt, immer das selbe – alle lachen Uschi aus, niemand erkennt ihr Potential.

Ich meine es ernst, Bernd – ich habe Wasser hier, und ich werde morgen abend in den ersten Stock gehen und mal so richtig gepflegt kippen. Vielleicht komme ich ja auch davon.

Haltet die Ohren offen, Bernds, Ihr werdet morgen von mir hören. Merkt Euch nur den Namen des Orts: Wedel. Und jetzt keine Meldung an die Polizei, keine Angst, ich trolle nur

Pünktlich kommt auch die Presse und niemand scheint so sehr viel von der Gastgeberin zu halten. Diskussionen machen sich am Pressetisch breit, das sei ein Affenzirkus sondergleichen, der dort in Berlin veranstaltet wird. Neben uns steht ein Personenschützer und versucht nicht mitzuhören. Wie tief wir denn gesunken seien, dass wir der Dame mit Presseberichten auch noch eine Plattform bieten.

Von der Leyen hatte gerade die Bühne betreten, als der erste Gast schon seinen Rappel bekommt. Ein junger Mann springt auf, zetert, schreit, schmeißt von der Leyen Kraftausdrücke an den Kopf und wird von den CDU-Wählern aus der Halle geschoben. Die CDU-Anhänger sind empört — diese Jugend von heute, das geht ja gar nicht klar. Einer von ihnen macht den Obermotz und ist fortan vorderster Wortführer gegen jeden Protest. Wer tuschelt, wird angeschnauzt, wer protestiert, wird zur Ruhe gebeten. Nach ein paar Minuten ringt er schon um Fassung und lockert seine Krawatte.

Während von der Leyen ihre Rede herunterbetet, sind die beiden Sicherheitsbeamten durchaus angespannt. Immer wieder tuscheln sie in ihre versteckten Mikrofone, immer wieder tasten sie in ihren Sakkos nach versteckten Dingen, immer wieder befühlen sie ihren Regenschirm. Der junge Mann im Zensursula-T-Shirt auf der Galerie steht unter Dauerbeobachtung. Man befürchtet das allerschlimmste.

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Der Ernstfall tritt schneller ein, als ich meine Kamera schussbereit hatte: der schwarz gekleidete Hopper von vorhin schmiss eine Wasserbombe mit blauer Farbe in Richtung der Ministerin. Er rechnete allerdings nicht mit seiner Ungelenkheit — seine feuchten Träume zerplatzten noch in seiner Hand.

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Der Personenschutz war schneller als ich, zückt den Regenschirm, dessen Funktion damit auch geklärt wäre, eine Hand unter dem Sakko, steckt dort wirklich eine Waffe, vielleicht schussbereit? Kindisches Verhalten attestiert die Rednerin dem schwarzen Mann und irgendwie hat sie recht: wirkungsvoller Protest sieht anders aus: nur ein paar Ehrengäste direkt vor dem Pressetisch wurden getroffen. Blaue Punkte machen sich auf teuren Anzügen breit, man flucht, nimmt es gelassen: die Jugend von heute.

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Der freundliche Polizist ist plötzlich nicht mehr so freundlich, mit Handschellen wird der Störenfried abgeschoben. Zusammen mit den Kollegen von der Presse feuern wir, was die Blitzlichter hergeben und setzen abermals die CDU-Regulierungsmaschine in Gang: „Damit gebt ihr ihm doch, was ihr wollt! Lasst den Scheiß!“, nörgelt ein älterer Herr, Hände versuchen mein Objektiv zu verdecken, darauf reagiere ich etwas ungehaltener: „Ich mache hier nur meinen Job.“ Stimmt nicht, wirkt nicht, ist aber egal: meine Bilder habe ich längst auf der Karte. Wenn die Herrschaften wüssten, dass ich gerade auf solche Fotos aus war.

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Dann schickt von der Leyen die jüngeren Zuschauer in den Nebenraum. Zu schrecklich sei, worüber sie jetzt mit Mami und Papi reden müsse. Das Schreckgespenst Kinderpornografie kriecht auf die Bühne. Für Sekunden wird es still im Saal, doch danach erhebt sich wütendes Gegrummel: „Schlimm sowas“, schimpft eine ältere Dame neben mir, „solche Leute sollte man erschießen!“ Kinderpornografie scheint sich wahrlich perfekt als Wahlkampfthema zu eignen. Kein anderes Thema sollte solche Emotionen hervorrufen.

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Dann kommen sie Schlag auf Schlag, die jungen, vergewaltigten Kinder (die alte Dame hält sich erschrocken den Mund zu), der Millionenmarkt mit seinen Drahtziehern (die alte Dame hält sich die Ohren zu), die ahnungslosen Surfer, die von kinderpornografischem Material angefixt werden (die alte Dame schließt die Augen) und immer wieder: die armen Kinder (die alte Dame weint).

Was von der Leyen von ihrem Podest herunter beschreibt, ist freilich nichts neues. Fast scheint, es, als hätte sie ihre Rede vor Monaten auswendig vor dem Spiegel gelernt und seitdem schon zu anderen Terminen aufgesagt. Wer bei YouTube nach ihrem Namen gesucht hat, weiß, worüber sie in den nächsten Minuten referieren wird. Von der Leyen kann das gut, das mit dem Reden. Hätte ich heute zum ersten Mal vom Zugangserschwerungsgesetz gehört — ich hätte es glatt für eine gute Sache gehalten. Vielleicht hätte ich sogar applaudiert und geweint.

Sie steht dort oben und erzählt und lügt. Wenig von dem, das sie über die Kinderpornografie erzählt, entspricht nur annähernd der Wahrheit. Es ist nicht auszumachen, ob sie bewusst lügt oder ob sie einfach keine Ahnung hat und wirklich nicht mehr ist als eine Marionette des Innenministeriums. Von der Leyen lässt keinen Blick zu hinter ihre lächelnde Maske. Niemand wird je erfahren, was sich wirklich hinter ihr verbirgt.

Von der Leyens Argumente überzeugen nur, wenn sie für unfehlbar gehalten werden. Angesichts der wenigen kinderpornografischen Seiten auf den ausländischen Sperrlisten, angesichts der schwammigen Formulierungen, was Kontrollgremium und den Begriff der Kinderpornografie angeht, ist von Unfehlbarkeit keine Spur.

Ein paar Gäste versuchen sich noch am Protest, obwohl sie gar nicht aussehen wie Piraten. Dem lautesten von allen räumt von der Leyen fünf Minuten ein, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Ohne besondere Mühe entwaffnet er sie Wort für Wort. Aber von der Leyens Arsenal ist groß. Mit psychologischer Kriegsführung hält sie kurz dagegen, obwohl keines ihrer Argumente auch nur im Ansatz überzeugen konnte. Die CDU-Anhänger sind froh, als die Ministerin zum nächsten Thema übergeht. Und die alte Dame wischt sich ihre Tränen aus dem Gesicht: „Wie kann der Mann nur für Kinderpornografie sein!“

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Draußen harren tapfer die Piraten aus, deren Kleidung zu auffällig war, als dass man sie eingelassen hätte. Sie versuchen zu retten, was noch zu retten ist und treffen auf erstaunlich viele aufgeschlossene Zuhörer. Der Wahlkampf trägt seinen Namen auch nicht nur zum Vergnügen.

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Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag titelt wenig präzise auf Seite 3:

Farbanschlag auf von der Leyen
Wedel/sh:z Farbanschlag auf Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU): Während einer Wahlkampfveranstaltung im Schulauer Fährhaus hat ein 22-Jähriger aus Wedel (Kreis Pinneberg) blaue Farbe von der Galerie des großen Saals in Richtung von der Leyens gesprüht. Er traf jedoch lediglich Zuhörer, darunter den Bundestagsabgeordneten Dr. Ole Schröder (CDU) und Heike Beukelmann, Fraktionsvorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion. Zuvor hatten Aktivisten der Piratenpartei vor dem Gelände demonstriert, und mit zahlreichen Zwischenrufen hatten Protestler die Rede der Familienministerin gestört.

Der Verlag bewahrheitet, was ich schon befürchtet hatte: Demonstranten, Farbbeutelwerfer und Störer werden alle in den orangefarbenen Topf der Piratenpartei geworfen.

mehr Fotos von Ursula von der Leyen unter http://members.caldera.cc/maltehuebner

Vom Falten und Fotografieren und fast allem

Montag, 17. August 2009

Ich habe heute mein Programmheft des Rendsburger Herbst aus der Zeitung geschüttelt. Was soll man sagen: es ist halt ein Programmheft, die Funktion erfüllt es.

Aber zum Mitnehmen ist das riesige Teil ungeeignet, weil es nach drei Mal falten noch immer nicht in die Hosentasche passt. Und zum Werben ist das Teil ungeeignet, weil da jemand zwar viel Wert auf Gestaltung gelegt hat, aber ohne jedes Talent mit seiner Kamera losmarschiert ist — und das sieht man den Fotos an, die da zwischen den Bandportraits das Heft schmücken. Von Spannung, Spaß, einem Stadtfest keine Spur, stattdessen langweilige Fotos von einem Jahrmarktkarussell ohne Beleuchtung, Besucher und gutes Wetter, vom Bacardi-Stand, an dem zur gleichen Zeit ebenso wenig los ist — man könnte glatt meinen, die vier Tage Ende August seien verdammt öde, wären da nicht hin und wieder noch ein paar Schnappschüsse mit Menschen drauf. Aber für einen Werbeprospekt alles ungeeignet.

Noch schlimmer ist dieses Jahr die Webseite des Stadtfestes. Obwohl, schlimm war sie schon letztes Jahr, aber letztes Jahr gab’s immerhin noch einigermaßen interessanten Inhalt. Das Programm auf dem iPhone zu lesen war zwar schon damals eine Qual, ist aber dieses Jahr dank Flash-Browser unmöglich, außer man lädt sich das riesige PDF herunter. Aber außer dem Programm und einer Hotline gibt es dieser Jahr — nichts. Keine Fotos, keine Hintergründe, keine Geschichte, nein, nicht einmal das Grußwort des Bürgermeisters hat es ins Netz geschafft, geschweigedenn aktuelle Informationen, nichts, das es rechtfertigen könnte, die Seite noch ein zweites Mal anzusurfen.

„Herzlich Willkommen!“, steht da auf der Startseite und darunter acht orangefarbene Begriffe:

27. – 30. August
4 Tage
8 Bühnen
90 Musik-Acts
100 x Mitmachspass für Kinder
Spiel Sport Spass
Jahrmarkt
Verkaufsoffener Sonntag

Wer auch immer die Seite gebaut hat, er hat sich keine Mühe gegeben. Man hätte auch einen kleinen Fließtext über den Rendsburger Herbst schreiben können, aber stattdessen hat man sich entschlossen, dem Besucher einfach ein paar Begriffe um die Ohren zu schlagen und die sind dann auch noch so sinnlos wie „4 Tage“, was sich jeder selbst hätte ausrechnen können, oder „Spiel Sport Spaß“.

Immerhin hat man sich überlegt, was man denn in den Footer schreiben könnte. Genützt hat es wenig:

Stadtseegelände-Arsenal : Paradeplatz : Hans-Heinrich-Beisenkötter Platz : Altstädter Markt : Schiffbrückenplatz
Brückenvorplatz Obereider : Obereiderhafen : Eiland : Events auf dem Wasser

Heute in der Stadt

Samstag, 15. August 2009

Heute sollte ich eine kleine Umfrage durchführen, etwa vierzig Zeilen, vier kleine Portraits: Meinungen zur Schließung des örtlichen Hertie-Warenhauses.

Leider wollte niemand mitmachen. Das lag nicht etwa daran, dass alle so frustriert von der Situation waren, nein, das wird schon irgendwie meine Schuld gewesen sein, nur wie und warum, das weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht dachten die Leute, ich würde ihnen etwas verkaufen wollen und wer das nicht dachte, erzählte mir minutenlang die tollsten Sachen über Hertie, aber mit Name und Foto in die Zeitung, das war dann doch zu viel.

Ich brauchte eineinhalb Stunden, um schließlich auf Biegen und Brechen drei Aussagen zu bekommen. Es war zwar irgendwie das gleiche, die Kaufkraft wird mit Einkaufszentren an den Stadtrand gezogen und welch ein Wunder, dass dann die Innenstadt stirbt, aber immerhin.

Und dann, ich war gerade auf dem Weg in die Redaktion, traf ich noch einen Sicherheitsbeamten der Filiale. Er hatte mich wohl beobachtet, wie ich mehrmals durch die Filiale gelatscht bin, um zu sehen, ob da überhaupt noch Leute drin sind (und freilich auch aus Neugierde, wie das denn in einem Warenhaus kurz vor Schließung aussieht, denn riesige, leere Regale sieht man ja auch nicht immer). Dass ich bei Hertie nicht fotografieren oder befragen darf, das war mir durchaus bewusst, da hatten wir schon vor ein paar Jahren mächtig Stress.

Und dann griff er ganz ungeniert zu meiner Kamera. Ich zog sie weg und machte ihm klar, dass ihn die Fotos auf meiner Kamera nichts angingen. Wenn er mir nicht glaubt, dass ich in seinem Laden nicht fotografiert habe, dann soll er die Polizei rufen. Er gab sich zufrieden: „Morgen ist ja eh alles vorbei.“

Ich glaube, die Polizei hätte mir eh nichts genützt.

Seitenwechsel

Donnerstag, 13. August 2009

Mir ist es schon häufiger passiert, dass Fahrradfahrer ohne erkennbare Ankündigung an den unmöglichsten Stellen vom Fahrradweg auf die Fahrbahn passieren. Manchmal weiß man gar nicht, wo sie danach eigentlich hinwollen, denn es gibt auf der anderen Seite weder eine Straße, in die sie reinfahren können, noch einen anderen Fahrradweg, auf den sie wechseln könnten. Aber erstmal dem nächsten Autofahrer vor die Karre hetzen, der bremst dann nämlich erschrocken oder weicht aus, und wenn was passiert, dann ist er eh dran und nicht der schwache Fahrradfahrer, das kennt man ja, der ist allerhöchstens tot.

Okay, das ist vielleicht angesichts der heutigen Geschehnisse etwas naja, sehr salopp formuliert. Aber heute rückten die umliegenden Feuerwehren, Polizei und der Notarzt aus in die Rendsburger Innenstadt. Dort war in einer Unterführung, links Fahrbahn, rechts Rad- und Fußweg, ein Fahrradfahrer einfach mal so auf die Fahrbahn gefahren. Ergebnis: Fahrradfahrer tot, Autofahrer unter Schock.

Fast eine Stunde lang waren die Hauptstraßen vollgestaut, und als ich dann endlich an der Unfallstelle vorbei fahre, dachte ich mir, ich schieße noch ein Foto davon, vielleicht werde ich es ja an die Zeitung los.

Nun muss man wissen, dass ich bei diesem Foto eher erklärenden Charakter einbringen wollte. Also schraubte ich das Teleobjektiv an, stellte mich über einhundert Meter vom Unfallort entfernt an die Straße und fotografierte die Unfallstelle, wobei ich darauf achtete, dass die Stelle mit den vielen Blutflecken von einem Polizeiwagen verdeckt wurde. Es wurde eher ein Foto von der Brückenstraße, die von den Folgen des Unfalls befreit wird.

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Dann rief mich einer der Polizisten zu sich, die weiter hinten die Straße absperrten. Nach meiner letzten Begegnung mit der Polizei im Zusammenhang schwante mir übles.

Völlig unbegründet.

Der Polizist war ziemlich locker, sofern das die richtige Wortwahl angesichts des Unfalls ist. Wir scherzten erst, dass ich gerade nicht zu ihm herübergehen könne, weil die Fußgängerampel rot war. Die Straße war zwar eh gesperrt, aber ich wollte mir nicht bei ihm fünf Euro oder gleich zehn Euro wegen Vorsatz einfangen.

Er wollte wissen, ob ich von der Presse sei. Freier Mitarbeiter war ich bloß und momentan freilich privat unterwegs. Das Foto, das wollte ich bloß, naja, als „Erinnerung“ haben, von wegen heute viele Sirenen in der Innenstadt und eine halbe Stunde im Stau und da wollte ich eben noch kurz die eigentliche Ursache fotografieren. Er legte mir nahe, das nächste Mal zunächst die Polizei um Erlaubnis zu bitten, denn das sei manchmal aus ethischen Gründen oder so nicht gestattet und dann könnte ich freilich Ärger bekommen. Ich hatte es allerdings auf eine reine Dokumentation angelegt — wäre ich auf die Blutspritzer geil, wäre ich eine Stunde früher hier gewesen und mit einem anderen Objektiv viel näher herangegangen. Und siehe da: er war mit meiner Erklärung zufrieden und ließ mich noch ein paar Fotos schießen.

So kann das nämlich auch laufen. Vollkommen freundlich den Sachverhalt erklären, die eigenen Kompetenzen kennen und trotz des Unfalls im Hintergrund dabei noch lächeln.

Das ist dann auch eher ein „Freund und Helfer“.

Und der Urheber wird nicht genannt

Donnerstag, 13. August 2009

Zu dem Schäuble-Plakat-Remix auf netzpolitik gibt es inzwischen ausreichend Berichte.

Weil die Fotografin das nicht so toll fand, dass ihre Werke für teilweise weniger nette Verfremdungen benutzt werden, schrieb sie erst eine Mail, drohte dann mit einer Rechnung — das übliche bestimmte, aber höfliche Prozedere, wenn man so eine Aktion nicht so ganz mag. Auch ich hätte es erstmal nicht so toll gefunden, wenn eines meiner Fotos, vielleicht im Zusammenhang mit der Piratenpartei, von politischen Gegnern auseinander genommen wird.

Jedoch scheinen die geremixten Plakate direkt von der CDU lizensiert zu sein — eine redaktionelle Verwendung ist erlaubt und die netzpolitik-Aktion dürfte durchaus als redaktionell durchgehen. Nachdem das zwar eh geklärt ist, bliebe noch die Frage, wer denn nun der neue Urheber eines geremixten Plakates ist — vermutlich der, der die Endbearbeitung vorgenommen hat, deren Grundlage das ursprüngliche Foto der Fotografin darstellt.

Als Spiegel Online darüber berichtete, verzichtete man einfach mal auf eine Nennung des Urhebers. „cduremix 09/Flickr/CDU/Laurence Chaperon“ steht da, benennend die Fotografin, ihren Auftraggeber, die Fotodatenbank flickr, die meines Wissens nicht mehr damit zu tun hat, als die Fotos der „cduremix 09“ bereitzustellen. Nur der Name des endgültigen Bearbeiters fehlt. Der steht allerdings auch nicht bei flickr, da steht bloß: „Alle Rechte vorbehalten“.

spiegelremix

Ich fasse es noch mal zusammen: wenn ich jetzt einen Remix bei netzpolitik einreichen würde, dann packt netzpolitik das Ding bei flickr in den cduremix-photostream — obwohl ich das Urheberrecht daran halte und entsprechende Nutzungsrechte gar nicht erteilt habe?

Dürfen die das? Nicht, dass da ein paar Unionspolitiker plötzlich Recht mit ihrem rechtsfreien Raum haben.

Abends im Wald

Dienstag, 11. August 2009

Ich war zwar noch nicht so ganz gesund, aber ein Fotoshooting lasse ich mir nicht entgehen. Wir haben uns diesmal für den Wald in der Nähe des Fockbeker Moors entschieden, das wir von einem Wandertag in der neunten Klasse noch kannten — und das ist immerhin schon ganze fünf Jahre her. Verändert hat sich wenig, nur die Technik, die ist ein bisschen besser.
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Apple Aperture

Sonntag, 9. August 2009

Das wichtigste, das Fotografen über Apple Aperture wissen müssen:

aperture

Ich habe heute etwa 5.000 Fotos exportiert. Und dabei ist mir das Geraffel bestimmt fast dreißig Mal (!) abgestürzt. Es ist zum Haare raufen! Schon blöd, wenn der Kunde morgen seine Fotos möchte und man nicht weiß, wie man den Kram aus seiner Bibliothek rausbekommen soll. Ob Adobes Lightroom das besser kann?

Wir fotografieren nicht

Freitag, 7. August 2009

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Eigentlich wollten wir heute noch mal auf der Landesgartenschau fotografieren, aber unser Model hat uns einfach versetzt. Kopfschmerzen oder so. Unschön. Und dann fand noch nicht einmal der Fotostammtisch statt.

Stadtranderholung Heidberg

Montag, 3. August 2009

Als ich vor zwei Jahren meinen ersten Lehrgang für die Stadtranderholung auf dem Heidberg belegte, wollte ich eigentlich mal nachfragen, ob ich nicht lieber die Veranstaltung fotografisch begleiten sollte anstatt Kinder zu betreuen. Leider habe ich aus irgendeinem Grunde nicht nachgefragt.

Dieses Mal war ich nur als Fotograf unterwegs, schmiss täglich glatt fünfhundert Fotos auf meinen Server und ja, es hat Spaß gemacht. Die Kinder sind noch geiler auf Fotos als irgendwelche Partymeuten in der Disco. Und ich glaube, ziemlich viele waren auch zufrieden mit meinen Werken.

Mehrere tausend Fotos, allerdings nicht alle aus meiner Kamera, gibt’s unter www.stadtranderholung-heidberg.de.