Archiv für die Kategorie „Big City Life“

Ich habe einen Fetisch für Krawatten

Freitag, 7. November 2008

Fangen wir früher an: meinen Zivildienstausweis hätte ich auch einfach mit der Post nach Hamburg schicken können. Stattdessen fahre ich mit dem ICE hin und zu meiner letzten Fahrt, tja, da zog ich mich noch schicker an.

Welch ein Zufall, dass es in der Hamburger Innenstadt in direkter Nähe zur Innenalster einen Krawattenladen gibt. Nun hätte man sich ja denken können, dass der wohl teurer ist als Hertie, aber ich dachte eher an die schönen Krawatten und war nichtmal überrascht, als ich das dreifache meiner teuersten Krawatte für eine mit diagonalen Streifen bezahlte.

Und dann wurde sie mir noch nicht einmal gebunden! Stattdessen drückte mir die Verkäuferin eine Anleitung in die Hand. Und die Begriff ich überhaupt nicht. Die war nicht nur seitenverkehrt, da passten auch Beschreibung und Abbildung nicht zueinander.

Trotzdem verschwand ich vor meinem großen Termin noch schnell auf der Toilette und knotete. Der Neue Windsor-Knoten sollte es sein, schön groß, so wie meine heutige Erscheinung. Ein Seifenspender musste als fremder Hals herhalten, die Anleitung lag auf der Desinfektionsmittelbox, aber irgendwie sah ich nachher doch ganz manierlich aus.

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Sie haben Post

Mittwoch, 5. November 2008

So sehen gute Nachrichten aus:

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Das wird ja immer besser:

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Aber das wichtigste steht irgendwo drinnen:

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Zwangshandlung

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Ich habe irgendwie Lust, meinen Zivildienstausweis noch mal zu einer dekadenten Fahrt nach Hamburg und zurück zu benutzen, um noch einmal das ICE-Flair zu genießen, bevor ich es mir nicht mehr leisten kann.

GGF.RESERVIERT

Montag, 20. Oktober 2008

Ein erhebliches Problem meines iPhones ist, wie ich gerade bemerke, dass aufgenommene Fotos irgendwie im Nichts verschwinden. Lästig. Drum gibt’s in diesem Beitrag zwar nach langer Zeit wieder ein Bild, aber das falsche.

Ein erhebliches Problem des ICEs, der den liegengebliebenen ICE 926 auf seiner letzten Strecke zwischen Hamburg und Kiel ersetzen sollte, war das nicht funktionierende Wireless-LAN. Boah, als ich den Aufkleber auf dem weißen Zug sah, der sonst nur in Mittel- und Süddeutschland fährt, ging mir vor Freude glatt einer ab. Ich wollte ja eigentlich erst mit dem ICE 380 eine Stunde später in mein Hometown düsen, verlegte mich des W-LANs wegen dann aber auf diesen Zug.

Welch ein Reinfall.

Erstmal war der Zug unendlich lang. Ich möchte fast mutmaßen, dass man zwei Züge zu einer Doppeltraktionen zusammengekoppelt hatte, allerdings ohne die Triebwagen in der Mitte, so dass der Zug unendlich lang war und ich von einem Wagen in den nächsten und immer weiter latschte. Warum?

Weil über jedem Platz „GGF.RESERVIERT“ stand. Diese elektronische Platzanzeige ist ja genial, wenn sinnvolles wie „Hamburg–Rendsburg“ draufsteht, aber „GGF.RESERVIERT“? Nachdem ich im sechsten Waggon immer noch auf „GGF.RESERVIERT“ glotze, setzte ich mich auf diesen „GGF.RESERVIERTEN“ Platz und klappte meinen Mac auf.

W-LAN her, wozu steig ich denn hier ein? W-LAN war auch durchaus vorhanden und man führte mich auch bis zum Login-Screen, aber anmelden durfte ich mich aufgrund „technischer Probleme“ nicht. Blöder Laden.

Deutschland, einig Vaterland

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Der Tag der deutschen Einheit war ja doof. Kaum was los, alles verregnet und zum Fotografieren war auch nichts am Start. Mag zum Teil daran gelegen haben, dass ich es nie auf die Reihe bekommen habe, dass ich nicht am Freitag, sondern erst am Sonnabend im Freihafen umherlief. Und Sonnabend, da war schon der 4. Oktober und wie jedes Kind weiß, war das mit der Deutschen Einheit da gleich wieder vorbei.

Ich war zwar erst einen Tag zuvor das letzte Mal in Hamburg, meiner Perle, aber wie hier mit den Rolltreppen umgegangen wird, war mir dennoch nicht bewusst.

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Scheiße, ich werde alt.

„Sie sind raus“

Freitag, 3. Oktober 2008

Es ist übrigens so gut wie vorbei. Zwei Ärzte attestierten mir Untauglichkeit und es würde mich sehr wundern, wenn da jetzt noch jemand Tauglichkeit draus dreht.

Drum packte ich bereits meinen gesamten Hausrat ins Auto. Und irgendwie war ich wohl hart an der Grenze der maximal zulässigen Zuladung — jedenfalls musste ich auf der Autobahn bei 80 Kilometern pro Stunde noch mal in den vierten Gang zurück, um überhaupt mal in Fahrt zu kommen.

Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an all die dicken Oberklassewagen für das nette Angebot, mich ein wenig anzuschieben.

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Ein Beitrag mit vielen bunten Bildern

Freitag, 3. Oktober 2008

Um 9 Uhr morgens ist ein Arzttermin etwas lästig. Einerseits, weil ich gegen 8 Uhr in die U-Bahn steigen müsste, zu einer unchristlichen Zeit, zu der die 9-Uhr-Tageskarte noch nicht gilt und allenfalls irgendein teures Ticket in Frage kommt. Andererseits mochte ich nicht hungrig zum Doc düsen und mein Stamm-McDonald’s lag nicht unmittelbar auf dem Weg.

Ich hätte zwar im Jungfernstieg aus der U-Bahn hoppen können, um bei diesem Winz-McSchmeck einzukehren, aber weil ich mir nicht sicher war, wie das mit dem Einzelfahrschein in so einem Fall lief und befürchtete, gleich noch einen Fahrschein lösen zu müssen, ließ ich diese Idee schnell fallen.

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Und dann lag doch ein McDonald’s direkt auf dem Weg. Hätte mir ja denken können, dass die Amerikaner inzwischen auch die andere Seite jenseits der Alster erschlossen haben. Also stand ich bereits um 7.30 Uhr in der Bahn, um kurz nach acht ein leckeres teures Frühstück zu genießen vertilgen.

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Sehr viel früher hätte ich allerdings auch nicht dort auftauchen dürfen:

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Die ulkigen Öffnungszeiten waren allerdings nicht das einzig seltsame an diesem Laden — die heiße Schokolade wurde wieder getrennt in Milch und Pulver kredenzt und ich kippte bei der Gelegenheit die Hälfte des Pulvers über Hand und Hose.

Und weil mein Croissant noch eine Weile brauchte, sah die Sache erstmal so aus:

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Immerhin gab’s einen T-Mobile-Hotspot. Wäre ja sonst ein totaler Reinfall gewesen, dieses Restaurant. Angesichts der mangelnden Besucherzeiten dürfte der Betreiber diese Ansicht mit dem Reinfall allerdings teilen. Was wohl auch die späten („noch früher“) Öffnungszeiten erklärt. Was mich eigentlich verwundert, weil der U-Bahnhof Mundsburg eigentlich eine Art Pendlerknoten zu sein schien.

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Silentium

Mittwoch, 1. Oktober 2008
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Bei Starbucks wird im schönsten Raum mit der schönsten Aussicht eine englischsprachige Lesung veranstaltet. Das ist zweifach schlecht: erstmal, weil ich nichts verstehe und außerdem darf ich hier nicht laut fluchen.

Und das Fluchen, das brauch ich gerade. Ich hatte vorgestern das root-Kennwort meines Server geändert und mich natürlich trotz Sicherheitswiederholung vertippt. Drum kam ich gestern nicht mal rein. Also brach ich über das Rettungssystem ein und versuchte, in /etc/passwd und /etc/shadow herumzurühren und das Kennwort zu ersetzen. Klappte auch irgendwie, bloß hatte der Benutzer root danach nicht die ID 0, also war er kein echter root, sondern hieß und tat bloß so. Also wieder ins Rettungssystem und den Kram in Ordnung bringen. Ganz schön anstrengend, so ein Nachmittag in der City.

Ich stelle gerade fest, dass ich in letzter Zeit vermehrt Beiträge mit Bildern erstelle. Das liegt wohl an meinem neuen Leben. Früher war mir das zu lästig.

Ortstermin: Gut gegen Böse

Mittwoch, 1. Oktober 2008
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Was er mir sagte, als er mir sein Flugblatt in die Hand drückte, hatte ich nicht verstanden, weil mir H.P. Baxxter ins Ohr grölte. Aber die Tatsache, dass zwanzig erkennbar linksgerichtete Menschen auf einem Fleck Flutblätter verteilen, machte die ganze Sache interessant.

Kurze Inhaltszusammenfassung: der Nazi hat sich eine neue Marke als globales Identifikationsmerkmal ausgedacht und in der HSH Nordbank-Passage hatte vor kurzem ein Laden eröffnet, der sich auf jene Marke spezialisiert hatte. Da geh ich doch mal hin. Ich will schließlich was erleben.

Drinnen in der Passage verstärkten sechs Schutzpolizisten die hauseigene Security. Direkt neben der Eingangstür der Filiale standen zwei breitschultrige Farbige und sie standen dort nicht gerne. Ein Antifa meinte zu mir, die beiden würden sich die Zeit mit dem Gedanken überbrücken, die unschuldige Menschheit von dieser Filiale fernzuhalten.

Ein paar Meter von der Ladenfassade entfernt verlief der antifaschistische Schutzwall. Dort verläuft auf dem Boden eine Metallleiste zwischen den Kacheln und dieser zentimeterdünne Strich markiert seit Donnerstag die Grenze zwischen gut und böse.

Am Donnerstag wurde der Laden eröffnet mit großem Tamtam, denn am Abend zuvor bekam die linke Szene mit, wer denn dort einzog, so dass sich am Eröffnungstag 200 Polizisten ungefähr doppelt so vielen Demonstranten gegenüber sahen. Ein normaler Geschäftsbetrieb schien kaum möglich, das Geschäft wurde mehrmals geschlossen, die Passage mehrmals gesperrt.

Vor dem Eingansportal der Passage stehen weitere Polizisten, verstärkt von weiterer Security. Wer das Geschäft betreten möchte, kann sich muskelbepackte Begleitung ordern, um nicht von den schätzungsweise fünfzig Linken aufgehalten zu werden. Auf dem Weg nach innen lässt ein Radiosender ein Gewinnspiel veranstalten, eine Oase heiler Welt inmitten der Akklimatisierungszone.

Die HSH Nordbank ist weder vom Mieter noch von irgendjemand anderem begeistert. Im Mietvertrag sei von einem universellen Outdoor-Geschäft die Rede gewesen. In der Passage und der HSH Nordbank-Arena ist das Tragen der Marke Thor Steinar verboten. Man will weder die Nazis, noch die Linken, noch den Laden in der Passage sehen.

Neben den Gewinnspiel-Damen steht ein Aufsteller, auf dem die Nordbank den Sachverhalt erklärt und verspricht, sich schnellstmöglichst um den Auszug des Mieters zu kümmern. Das Leben soll wieder normal werden.

Auch vor dem Laden gibt es Reibereien. Fünf Linke dürfen sich in der Passage gleichzeitig aufhalten und die Passanten aufklären. Wegen des Polizeiaufgebotes ist die Passage in diesen Tagen gut besucht, bloß in das fragwürdige Geschäft setzt kaum jemand einen Fuß.

Nur ein paar pubertäre Teenies stöbern drinnen nach ein paar Klamotten. Sie sind so unscheinbar alltäglich, dass sie weder eine Eskorte brauchten noch jemand von den Flugblattverteilern auf sie aufmerksam wurde. Zu einfältig hielt man sie und nahm ohnehin nicht an, dass sie einen Fuß in diesen Laden setzen würden.

Als man die Damen drinnen entdeckte, war das Entsetzen groß. Die Teenager, die scheints entgegen ihres Aussehens genau wussten, was sie tun, zeigten einem linken Sympathisanten den Vogel. Er spricht sofort einen Polizisten an, will die junge Frau anzeigen, denn dann müsste sie den Laden verlassen, um ihre Personalien abgeben zu lassen.

Die ganze Sache verläuft sich irgendwie und die jungen Frauen gehen ihres Weges, vorbei an der Polizei, dem Gewinnspiel und den linken Typen. Ein letzter Versuch wird gestartet, Kontakt herzustellen, als eine plötzlich keift: „Du wolltest eine Jüdin anzeigen.“ Die Linken sind entgeistert, als Jüdin in so einen Laden? „Das sind ganz normale Klamotten. Ihr spinnt alle!“ Einer ruft laut „Tussi“, die Damen eilen zu einem Polizisten, so schnell es die hohen Absätze zulassen, Anzeige soll erstattet werden. Wieder wird nichts daraus.

Vor der Ladentür haben sich inzwischen einige Subjekte eingefunden, die dem Klientel des Geschäftes eher zu entsprechen scheint. Die polierte Glatz glänzt ein wenig im Licht der Deckenstrahler, die von oben die Schaufenster des Geschäftes erleuchten. Auf den Plakaten ist ein Wikingerschiff abgebildet, das auf der sturmtosenden See mit gestrafften Segeln gen rechts segelt. Auch ohne den Hintergrund zwischen der Marke Thor Steinar zu kennen wüsste jeder Betrachter das Plakat in die rechte Ecke einzuordnen. Das Geschäft strahlt sterile Sauberkeit aus, gleicht einem dieser kleinen Boutiquen, die gegen H&M oder C&A anstinken wollen und Namen wie „City“, „Free“ oder „Smile“ tragen. Bloß den Verkäuferinnen möchte man ansehen, dass mit ihnen etwas nicht stimmt.

Bis nach Österreich schwappte die Empörung und das Abendblatt illustriert seinen Artikel mit einem verschwommenen Foto.

Irgendwann löst sich die Ansammlung vor dem Geschäft auf. Zu langweilig wird es den Beobachtern, niemand schlägt sich und seitdem die Teenager den Laden wieder verlassen hatten, ist nichts rechts mehr passiert.

Ich liebe es

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Es ist eine dumme Idee, mit Notebook bei McDonald’s im Hauptbahnhof herumzugammeln. Es gibt hier zu viele nette Mädchen.

Mit dieser Aussicht ist wohl das Leben wieder in mich zurückgekehrt.