Backup… what?

Ernsthaft, gerade gestern freue ich mich noch über die geistreiche Erfindung des Backups und heute lese ich dann sowas?

Ganz egal, was da los ist: sowas darf einfach nicht passieren. Schon die Meldung an sich ist ja der Hammer — ist das Backup inkonsistent? Oder gibt’s ein Update, weswegen irgendwas geändert wurde? Oder, oder, oder? Ganz egal: Man kippt nicht einfach mal eben alle alten Backups in den Eimer und fängt neu an. Niemals. Dass man nach ein paar Monaten das älteste Backup löscht, okay, das geht klar, aber never ever löscht man alles. Niemals. Auch nicht, wenn man alles doppelt gesichert hat. Es kann immer was passieren und wahrscheinlich fehlen mir gleich morgen irgendwelche wichtigen Daten.

Abgesehen davon, dass das Backup wieder hunderttausend Stunden dauern wird.

TimeMachine mit Netzwerkanbindung

Zu diesem Bild gibt es zwei Anmerkungen:

  • Ich weiß nicht, wo nach „Gestern, 19.48“, plötzlich 9,8 Gigabyte zu sichernde Daten aufgetaucht sind.
  • Die Datensicherung dauert mittlerweile über 24 Stunden — für 2,6 Gigabyte.

Ernsthaft, wenn eure Backup-Festplatte irgendwann den Geist aufgibt, kommt nie auf die Idee, fortan auf einer Netzwerkfestplatte zu sichern. Das ist so ziemlich das dümmste, was man machen kann, sofern man sein MacBook hin und wieder mal mitnehmen möchte. Das Ding läuft nun beinahe rund um die Uhr, nur um ständig seine Daten zu sichern. Und diese Sicherung, die ist wirklich so unglaublich langsam, wie es überall im Netz steht.

1955–2011

Steve Jobs ist tot.

Dieser Beitrag wird mich eine Menge Twitter-Follower und facebook-Freunde kosten, das spricht für die Brisanz der Sache, also schreibe ich diesen Beitrag. Vermutlich gibt es in den nächsten Tagen zwei mögliche Verhaltensweisen: entweder ist man tieftraurig und weint oder man macht blöde Witze darüber, dass die langweilige Präsentation eines nicht-so-spannenden iPhone 4S’ Steve Jobs den Rest gegeben hat.

Steve Jobs ist also tot. Ich spare mir Beileidsbekundungen für Familie, Freunde und Mitarbeiter, denn Steve hätte das nicht gewollt. Steve hätte auch nicht Trending Topic bei Twitter werden wollen, Steve hätte gewollt, das heute alle zur Arbeit gehen und ihren verdammten Job machen. Steve Jobs war ein Perfektionist, konsequent und rücksichtslos und mutmaßlich wäre Steve Jobs, so er denn noch am Leben wäre, derjenige, der am wenigsten über Steve Jobs’ Tod trauern würde.

Steve Jobs hatte eine Vision, von seinem allerersten Tag an. Er hat seine Vision verfolgt und nach dem, was man über ihn hörte, war er dabei tatsächlich kompromisslos. Zumindest hört man das über ihn, die üblichen Geschichten, cholerisch, drakonisch, egoistisch. Vermutlich ist er auch nicht von Apples Spitze gewichen, um seine Krankheit zu kurieren, sondern weil er merkte, dass er seine Aufgabe nicht mehr hundertprozentig erfüllen kann.

Nun soll man über Tode nichts schlechtes sagen und das dürfte in den nächsten Tagen ein Problem werden. Steve Jobs war kein Gott, kein Engel, sondern eher ein Teufel. Er baute ein Imperium, nachdem er es nach einer Frucht benannte, er war ein Multitalent an der Spitze einer Firma, die erfolgreich war wie keine andere in den letzten Jahrzehnten. Und vermutlich gibt es kaum einen Geschäftsmann, der noch erfolgreicher wäre als Steve Jobs. Aber während Millionen Kunden ehrfürchtig vor dem nächsten Apple-Event warteten, baute Apple im Hintergrund einen goldenen Käfig auf, eine geschlossene Disney-Welt mit strengen Einlasskontrollen. Das Konzept eines überwachten und in sich geschlossenen Systemes kann sicherlich diskutiert werden, gesund ist es auf Dauer nicht und bei einem Quasi-Monopol schon gar nicht. Und zumindest mit einem Bein wurde der goldene Käfig von unterbezahlten Arbeitern getragen, die ob der Last von den Dächern sprangen. Auch das dürfte bei anderen Firmen nur bedingt anders sein, doch zu Apple passt das eigentlich gar nicht und doch ziemlich. Apple trat einmal mit „Think Different“ in den Ring, prügelte sich von unten in knapp zehn Jahren bis an die Spitze und an jener Spitze, da steht Steve Jobs. „Think Different“ sucht man heute vergebens.

Apple war Steve Jobs und Steve Jobs war Apple. Und Apple ohne Steve Jobs ist eine Firma, eine recht normale. Und auch, wenn dieser Satz am heutigen Tage verfrüht und falsch klingt: Womöglich ist das besser so. Wie gesagt: um Steve Jobs brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, das hätte er nicht gewollt. Und Apple ist nunmehr eine normale Firma, die sich in einiger Zeit vermutlich im normalen Konkurrenzkampf wiederfinden wird. Konkurrenz belebt das Geschäft und Konkurrenz war etwas, was Apple in letzter Zeit nur bedingt hatte und das tat weder der Produktpalette noch den Kunden gut. Eine Firma, die nur verkauft, weil der Chef auf der Bühne steht und gut verkaufen kann, hat längerfristig ein Problem.

Steve, ich fand dich in den letzten Monaten wirklich nicht mehr so toll. Deine Firmenpolitik war mir langsam immer mehr zuwider, deine Kunden verehrten dich wie einen Gott und meine Apple-Hardware machte jeden Tag neue Probleme, dass ich nicht nur einmal nah daran war, sie knallend aus dem Fenster zu werfen. Und trotzdem bleibt mir ob deines Talentes, deiner Kreativität und deiner Genialität nichts anderes übrig, als mich ehrfürchtig zu verneigen — Ruhe in Frieden. Menschen wie dich gibt es zu selten.