Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Stage ∞

Samstag, 16. Januar 2010

In ein paar Tagen fahre ich wieder zum Zahnarzt und hole mir einen neuen Satz Aligner ab. Ich habe nicht mitgezählt, in der wievielten Woche, ja, im wievielten Monat ich schon bin, irgendwas über der Hälfte der Zeit dürfte es wohl sein, doch eigentlich ist es auch egal, denn eigentlich stört es auch nicht weiter.

Soll heißen: einerseits kann ich das Ende der Behandlung kaum abwarten, denn gerade Zähne sind eine tolle Sache, aber andererseits ist der Tagesablauf mit Alignern auf den so schrecklich nun auch nicht, dass ich es kaum noch abwarten könnte. Okay, es ist natürlich irgendwo lästig, vor der Mensa auf die Toilette zu gehen und die Schienen rauszuklicken und es ist insofern eine Einschränkung, dass man nicht den ganzen Tag der hemmungslosen Völlerei frönen kann, aber ansonsten — keine Probleme. Ich spreche ganz normal, ich sehe ganz normal aus und ich wage zu behaupten, dass ein Großteil meiner Kommilitonen meine Zahnspange noch gar nicht bemerkt haben.

Und sonst? Die letzten Hardcaps waren in den ersten Tagen etwas schwergängiger als gewohnt und erforderten beim Rausnehmen etwas Fummelei. Es empfiehlt sich, die Fingernägel nicht allzu kurz zu schneiden, dann geht’s leichter. Schmerzen beim Tragen gab’s schon lange nicht mehr und wer die ganze Sache noch immer für einen teuren Spaß hält, den überzeugen vielleicht die Ergebnisse nach etwas mehr als der Hälfte der Behandlungszeit.

So sah es ungefähr vor einem halben Jahr aus:

Und nach etwas über der Hälfte der Behandlungszeit sieht’s so aus:

Ich finde, das kann sich durchaus sehen lassen. (Die etwas gelbere Farbe stammt übrigens nicht von wenig geputzten Zähnen, sondern von der Farbe der Wände, gegen die meine Kamera geblitzt hat.)

Chronologie des Wahnsinns

Mittwoch, 23. Dezember 2009
  • Montag, 16.30 Uhr: Weihnachtsgeschenke inklusive Geschenkverpackung bei Amazon bestellt. Natürlich mit Superduper-Schnellversand bis Dienstag, 12 Uhr.
  • Mittwoch, 12 Uhr: Noch immer kein Paket. Nervösität.
  • 12.39 Uhr: Die Sendungsverfolgung behauptet, mein Paket sei gestern zugestellt worden.
  • 12.42 Uhr: Die DHL-Webseite bricht zusammen.
  • 12.52 Uhr: DHL behauptet, mein Paket befinde sich wieder in Neumünster.
  • 12.56 Uhr: die Sendungsverfolgung gibt einen groben Liefertermin an.
  • 13:01 Uhr: Schock — sind meine Pakete vom Nachsendeauftrag betroffen?
  • 13:08 Uhr: keine Wartezeit an der Hotline: nein, mein Nachsendeauftrag gilt nicht für Pakete.
  • 14:31 Uhr: Der Postbote klingelt. Er sagt, die Sache mit dem Nachsendeautrag sei beinahe schief gegangen. Er hat sich allerdings gedacht, dass ich während der Festtage zu Hause bin und das Paket gerne hier unter dem Tannenbaum hätte: drum hat er’s aus der Nachsendung gerettet und mal vorsichtshalber mit auf seine Tour genommen.

Das ist eben der Vorteil, wenn man seinen Briefträger kennt. Weihnachten ohne Geschenke wäre eine ziemlich peinliche Sache geworden und ich sah mich schon nachts bei Eisglätte nach Wedel düsen, um dort irgendwo das Paket aufzutreiben.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Momentan, während des Klimagipfels in Kopenhagen, finden wieder hitzige Diskussionen über den Klimawandel statt, die auch abseits des Spiegel-Online-Forums für Aufregung sorgen. Den Klimawandel gibt es überhaupt nicht, ist die generelle Meinung, das ist alles erstunken und erlogen, alles nur von dunklen Mächten gesteuert. Die Nennung von Alles Schall und Rauch als Beleg für die holprigen Aussagen zeigt sofort, auf welchem Niveau überhaupt argumentiert wird: es scheint nicht der Rede wert.

Es gibt nur wenige Weblogs in Deutschland, die sich ihre Seitenleiste mit Videos und Links und Texten vollkommen zuballern, dass sie jeden Artikel um ein Vielfaches überragt und es gibt nur wenige Weblogs in Deutschland, die in ihrer Seitenleiste über den 11. September, den Status Israels und das Verhältnis des Autors zum Islam: Politically Incorrect ist der bekannteste Vertreter dieser Gattung — was dort argumentationstechnisch abgeht, entbehrt jedweder Grundlage (und dennoch ist die haarsträubende Kurzsichtigkeit insbesondere in den Kommentaren durchaus erheiternd).

Eigentlich ist ein Blick auf die Argumentationen von „Alles Schall und Rauch“ die Zeit nicht wert, denn mit dem Vergleich zu Politically-Incorrect ist eigentlich alles gesagt, aber ich riskiere es mal für ein paar Artikel, denn gerade jetzt — zu Kopenhagener Zeiten — bekommt der schweizer Autor „Freeman“ einen richtigen Rappel.

Die Argumentationsstruktur ist befremdlich einfach: Freeman nimmt sich eine These, zum Beispiel, dass der Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Atmosphäre etwas mit dem Klimawandel zu tun hätte, kramt in seinem Archiv nach einer geeigneten Grafik, die entweder mit falschen Werten hantiert oder die Zusammenhänge in einen nicht kausalen Maßstab abbildet und schon ist der geneigte Leser klüger als jeder Wissenschaftler der Welt und die These ist widerlegt. So einfach kann das sein mit der Wissenschaft und mit dem Klimawandel sowieso — toll! Und obwohl Freeman immer wieder kritisierte, dass die Alarmisten mit wissenschaftlichen Ergebnissen argumentieren, legt er seine Quellen erst gar nicht offen. So bleiben seine Widerlegungen unüberprüfbar, es ist weder ersichtlich, welchem Zusammenhang eine Grafik entnommen wurde, noch ist überhaupt klar, wo sie überhaupt herstammt — und ob sie nicht, wie schon so oft, als Argumentationsstütze eines Klimaskeptikers entstand.

Freemans Grundsatz scheint einfach: die Medien sind böse, der Staat ist böse und der Klimawandel gibt’s gar nicht. Alarmisten seien paranoid und von den dunklen Mächten gesteuert — und was den Klimawandel angeht, ist der spätestens nach Climategate eine dunkle Erfindung aufmerksamkeitsdefizitärer Wissenschaftler.

Hoffentlich weiß das die Natur auch, denn das die Argumentation etwas löchrig ist, fällt bei „Alles Schall und Rauch“ niemandem auf. Es wäre sicher aufschlussreich, die Natur zum Klimawandel zu befragen, doch leider hält sie sich arg bedeckt, was das Thema angeht. Für Freeman kamen die geleakten E-Mails der Klimaforscher gerade recht: wieder einmal schöpfte er aus dem vollen, riss einzelne Aussagen vollends aus dem Zusammenhang und belegte dadurch, dass es keinen Klimawandel gibt.

Vollends disqualifiziert sich „Alles Schall und Rauch“ (ganz getreu dem politisch-inkorrektem Original) mit den Kommentaren seiner Leser. Als wissenschaftliche Wahrheit gilt dort, was im Kontrast zur sogenannten „Mainstream-Wissenschaft“ steht — und das darf gerne nicht nur vollkommen verquer und unlogisch, sondern auch konträr zur selbstdefinierten „Wissenschaftlichen Wahrheit“ stehen.

Freeman beweist mit der Grafik eines Baumes, dass ein steigender Kohlenstoffdioxid-Gehalt in der Luft gar nicht so schlimm sei. Was die Grafik allerdings zeigt, ist unklar: handelt es sich um vier verschiedene Bäume, die in der gleichen Zeit abhängig vom Kohlenstoffdioxid-Gehalt freilich arg in die Luft geschossen sind? Oder ist das ein und derselbe Baum, der friedlich vor sich hin wächst, während der Kohlenstoffdioxid-Gehalt langsam erhöht wird, womit die Argumentation irgendwie unschlüssig wird? Freeman schließt: bei schnellerem Kohlenstoffdioxid-Gehalt wachsen die Bäume schneller (und vermutlich gibt es deswegen gar keinen Klimawandel).

In den Kommentaren empört sich „strg-alt-del“:

Da habe ich noch etwas interessantes gefunden:

http://www.fehler-der-wissenschaft.de/

http://www.computertechnik-schmidt.de/fehler/files/schavan.pdf

In diesen Versuchsreihen eines privaten Tüftlers (schon vor 1990!)geht es um den Beweis, dass Pflanzen nicht Sauerstoff sondern CO2 produzieren; soll heissen, CO2 kann kein Treibhausgas sein! Die Wissenschaft lässt sich augenscheinlich nicht davon beeindrucken…
Diese Beispiel fällt auch in die Rubrik “Es kann nicht sein, was nicht sein darf”.

Dass diese abenteuerliche Studie eines Tüftlers den biologischen Funktionen der Pflanzen widerspricht, scheint nicht relevant zu sein — denn auch bei „Alles Schall und Rauch“ mag man nur sehen, was man sehen will: weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und der Klimawandel darf nicht sein.

Tetris in Freepascal und OOP

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Als kurzes Lebenszeichen werfe ich mal kurz meine Lösung der Befreiungsaufgabe der Programmiersprachen-Vorlesung an der Fachhochschule Wedel ins Blog. Von über 150 Studenten haben sich lediglich vier an die Befreiungsaufgabe gewagt.

tetris

Mein Lösungsansatz ist komplett objektorientiert und wurde auf OS X, Linux und Windows getestet.

Befreiungsaufgabe.zip (ein paar Kilobyte)

Zähne

Donnerstag, 24. September 2009

Weil ein beachtlicher Teil meiner Leser über Google mit Suchbegriffen wie Zahnkorrektur oder ähnlichem in mein Blog stolpert, noch mal ein aktueller Zwischenstand: es ist alles bestens.

Am Unterkiefer hatte sich eines der Attachments gelöst, in das sich die orthocaps-Schienen einhängen — das war im Endeffekt weniger dramatisch, als es klang: es wurde einfach neu rangeklebt. Und die Versicherung, die hat auch mein viertes Fax nicht bekommen. Langsam wird’s seltsam.

Beim Blick in den Spiegel kann ich mich kaum sattsehen: der Oberkiefer sieht von vorne prima aus, dass die beiden Frontzähne noch nicht ganz gerade stehen, fällt gar nicht mehr auf — und die Hälfte der Behandlung habe ich noch vor mir.

Piraten entern die FDP

Donnerstag, 24. September 2009

Das gestern soll ’ne coole Aktion gewesen sein? Von wegen — heute setzten wir noch einen drauf. Zuallererst wollten wir eine Podiumsdiskussion zum Thema Bildung sprengen. Dort saßen freilich nicht allzu alte, aber viel zu eingefahrene Redner an ihrem Tisch und hielten sich an ihrem Mikrofon fest, während sie fernab der Realität darüber sprachen, wie sich die Politik des Problemes Bildung annehmen müsste. Weil die Veranstaltung sich aber überraschend in die Länge zog — erst fehlten die Redner der FDP, dann streikte kurz die Technik, blieb nur Zeit für eine Frage zum Thema Analphabetismus, mit der wir die Redner allerdings schnell bloßstellten. Danach setzen wir uns ab — wir sind schließlich für Taten und nicht für lange Diskussionen. Außerdem wurde Guido Westerwelle um 20 Uhr auf der anderen Seite der Kieler Förde erwartet.

Es ist schon ein bisschen lustig, was die Piraten mit Leuten machen, die sie nicht leiden mögen: die kommen dann angefahren mit ihrer Lichtkanone und werfen eine halbe Stunde lang ihr Logo auf deren Hütte und freuen sich. Ich glaube, die FDP-Wähler konnten wir nicht umstimmen, aber lustig war’s dennoch. Schon beinahe überraschenderweise gab es weder großen Ärger mit FDP-Wählern oder der Polizei.

Drinnen ging es derweil hoch her, als ein paar Vertreter aus der grünen Ecke ihr Transparent ausrollten und „Mehr Geld!“ skandierten. Der Guido wusste gar nicht wie ihm geschah, während er auf der Bühne unter Kronleuchtern von Reichtum referierte, das Publikum bat wütend um Ruhe und nach einiger Zeit besann sich der Sicherheitsdienst, ihnen das Plakat wegzunehmen. Danach hatten die Grünen keine Lust mehr und gingen nach Hause. Dafür hatte ich den Ärger am Hals, denn ein paar FDP-Wähler hatten beobachtet, dass ich die ganze Aktion fleißig fotografiert hatte und forderten vehement, dass ich die Fotos lösche — sonst würden sie die Polizei rufen. Habe ich ihnen auch empfohlen, die stand ja zehn Meter weiter weg, aber dann wurd’s den gelben plötzlich zu doof. „Die jungen Leute“ eben.

Die jungen FDP-Anhänger sind übrigens ein gänzlich komisches Volk. Ich meine, wir Piraten, wir sind Nerds und sehen auch so aus und ob es so nett ist, wenn wir unser Logo auf die Veranstaltungshalle der FDP richten, das sei mal dahingestellt. Die jungen FDP-Leute kamen nach Ende der Party aus der Halle gepurzelt, teilweise sichtlich angetrunken und wollten sich mit uns unterhalten. Und jetzt mal im Ernst, die konnte man gar nicht auseinander halten, die sahen alle aus wie Kai Diekmann, so komisch gegeelt und geschniegelt, wenn man einen davon entführt, braucht man gar kein Lösegeld, man verkauft einfach seine Kleidung und setzt sich ab in die Karibik. Und ich dachte immer, das mit der finanziellen Elite, das sei ein doofes Vorurteil, aber seit heute weiß ich: es stimmt wirklich. Eingebildet ohne Ende, weil aus reichem Elternhaus, das dicke Auto direkt im Halteverbot geparkt und den passenden Kleidungsstil. Es war echt zu komisch und ich kann auch Stunden nach der Veranstaltung noch immer den Kopf darüber schütteln: während die älteren Gäste ja halbwegs normal nach Geschäftsmann oder finanziell stabil aussahen, war das jüngere Publikum bis auf ganz wenige Ausnahmen durchweg komisch, ganz viele Kai Diekmanns auf einem Haufen. Dann wollten sie wieder mit uns diskutieren, aber mit ihnen zu diskutieren hatte wenig Sinn, weil ihnen die grundlegensten politischen Begriffe fehlten, dann wurden sie teilweise aggressiv und wollten unsere Lichtkanone umtreten und die Piraten-Wahlplakate von den Laternen reißen und sammelten nachher Geld, damit wir uns ’n Döner kaufen könnten. Dann stritten sie lautstark darüber, welche Discothek sie jetzt ansteuern sollten — das schien an diesem Abend ihre einzige Sorge zu sein. Mit jungen Fans anderer Parteien kommt man vielleicht bezüglich seiner politischen Ansichten nicht auf einen Nenner, aber die SPD- und CDU-Leute sind ausgesprochen höflich, die LINKEN und Grünen sogar noch mehr, mit denen würde ich abends auch mal ein Bier trinken gehen oder zwei, aber junge FDP-Typen sind wirklich ein unangenehmes Volk. Nachdem sie mitbekommen hatten, dass auch ich irgendwas mit den Piraten zu tun hatte, wurden sie schnell beleidigend und persönlich, aber hey, es heißt ja schließlich Wahlkampf und nicht Wahlkuscheln oder so — und außerdem waren sie teilweise arg betrunken.

Wir setzen uns dann ab nach Flensburg, um noch einen Getreidesilo anzustrahlen und ein Reverse-Graffiti auf den Holzsteg zu spritzen. Sieht richtig gut aus — und hält noch ein paar Legislaturperioden durch.

Wir entern den Verlag

Mittwoch, 23. September 2009

Wie lustig war denn bitte die gestrige Aktion? Ein dutzend Piraten treffen sich am Rendsburger Kreishafen, bauen ihr Spielzeug auf und strahlen ihr Piratenlogo an den nächstbesten Silo. Sogar die Presse war dieses Mal anwesend — umso lustiger, dass wir eine halbe Stunde später zur Druckerei des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages gefahren sind und schon bevor wir überhaupt unsere Kanone aufgebaut haben, für richtig Panik sorgten.

Der Sicherheitsdienst rief die Polizei, man befürchtete wohl wir würden irgendwelche Schmierereien an die Wände krickeln wollen. Die Polizei hörte sich unseren Plan kurz an, ließ sich noch ein paar Piratenflyer andrehen, verschwand dann hinter der nächsten Kreuzung und sah uns beim Spaß haben zu.

Und heute toppen wir das noch einmal — vielen Dank an www.lichtkunst24.de für die Unterstützung.

Weil ich die Ziele nicht teile

Montag, 21. September 2009

Sehr geehrter Herr Hübner,

am 27. September finden zwei Wahlen statt. Sie könenn mitbestimmen, in welche Richtung die politischen Weichen in der Bundespolitik und in Schleswig-Holstein für die kommenden Jahre gestellt werden.

Unsere wichtigsten Ziele, für die wir gemeinsam mit unserer Partei kämpfen, sind:

  • Die Menschen sollen für ihre Arbeit faire Löhne bekommen.
  • Bildung soll von Anfang an kostenlos sein und jeder Schulabgänger soll einen Ausbildungs- oder Studienplatz erhalten.
  • Männer und Frauen sollen für gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen.
  • Der Atomausstieg soll nicht angetastet werden.
  • Deutschland soll die Ideenschmiede der Welt in Sachen Klimaschutz werden — das schafft neue Jobs.
  • Die NPD muss verboten werden.

Wenn Sie diese Ziele teilen, wählen Sie uns als Direktkandidaten mit ihrer Erststimme und mit Ihrer zweiten Stimme die SPD.

Mehr über uns und unsere Positionen finden Sie auf unseren Webseites, auf www.spd-rd-eck.de, bei Facebook oder bei meinVZ.

Vielleicht sind Sie nicht sicher, ob Sie mit unserer Politik übereinstimmen oder Sie finden andere Themen wichtiger. Dann versuchen Sie doch mal den Wahl-O-Mat (www.wahlomat.de). Oder rufen Sie uns einfach an.

Viele Grüße

Sönke Rix, Martin Klimach-Dreger, Kai Dolgner, Rafstegner und Ulf Daude

Ich wundere mich nicht nur der Vollständigkeit halber, weil Sonnabend die CDU geschrieben hatte, nein, ich wundere mich, wie man so einen selten dämlichen Brief an potenzielle Wähler rausschicken kann. Erstmal ist das Ding so unglaublich lahm und gegen die Disco-Freikarte der CDU kann sowieso in meinem Alter wenig anstinken.

Und dann steht da noch sinngemäß, hej, falls du dir nicht sicher bist, ob du SPD wählen sollst, lass dir mal vom Wahl-O-Mat zeigen, wer zu dir passt. Ich weiß nicht, ob das bloß doof oder überraschend ehrlich ist — einerseits ruft die SPD den Empfänger an die Wahlurne, egal, ob er nun SPD wählen will oder nicht, aber andererseits ist das natürlich für einen Wahlwerbebrief nicht so sonderlich klug.

Macht bei mir aber auch nichts mehr. Die Ziele teile ich zwar durchaus, aber wählen werde ich jemanden anders.

Darum keine CDU wählen

Samstag, 19. September 2009

Nachdem ich am OptOutDay der Weitergabe meiner Meldedaten widersprochen habe, schickte mir die CDU heute einen bauchpinselnden Brief (okay, die Daten haben sie sich wahrscheinlich schon vorher besorgt):

Liebe Erstwählerin,
lieber Erstwähler,

am 27. September können Sie das erste Mal bei einer Bundestags- und Landtagswahl abstimmen. Das ist ihre Chance, die Politik in Deutschland mitzubestimmen.

Angela Merkel und Peter Harry Carstensen stehen für eine Politik der Freiheit (sic!), Solidarität, Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Mit Ihrer Stimme können Sie dazu beitragen, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin und dass Peter Harry Carstensen unser Ministerpräsident bleibt. Deshalb bitten wir am Wahlsonntag um alle Stimmen für die CDU!

Nutzen Sie Ihre Chance! Lassen Sie nicht andere für Sie entscheiden, denn es ist nicht egal, wer im Bund und im Land regiert! Ihre Stimme zählt!

Und darum geht’s:

Wir wollen, dass Sie die Chance haben, Ihr Leben nach Ihren Vorstellungen selbst in die Hand zu nehmen. Sie sollen selbst entscheiden können. Wir wollen Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie Ihr Leben gestalten sollen. Das ist Freiheit! (sic!)

Ohne Leistung geht es nicht: Wer den ganzen Tag arbeitet, soll von seiner Arbeit auch leben können. In der Not muss der Staat mit Zuschüssen helfen. Die CDU will auch, dass Einsatz belohnt wird. Wer mehr leistet als andere, darf auch mehr bekommen. Wir stellen uns gegen alle Neiddebatten, die ständig aus dem linken Spektrum entfacht werden. Das ist Gerechtigkeit!

Die Grundlage unserer Politik ist das christliche Bild vom Menschen. Unser Ziel ist die Bewahrung der Schöpfung und unserer Umwelt. Wir kümmern uns um Schwache und fordern Solidarität von Starken.

Ob es um unsere Umwelt geht, um unser Klima oder um den sozialen Ausgleich — wir haben die Interessen aller Altersgruppen im Blick: Wie können wir die Natur nutzen, ohne sie zu zerstören? Wie können wir Energie nutzen, ohne das Klima zu gefährden? Wie können wir Renten zahlen und Hilfebedürftige unterstützen, ohne diejenigen zu überlasten, die das finanzieren? Die richten Antworten hierauf gewährleisten Nachhaltigkeit.

Die Wahlbeteiligung der Jugendlichen ist in den letzten Jahren leider stets zurückgegangen. Wir möchten deshalb an Sie appellieren, Ihre Interessen in die Politik einzubringen.

Bei dieser Wahl treffen Sie die Entscheidung, wer Deutschland und Schleswig-Holstein klug aus der Krise führt. Wer nicht wählt, verpasst die Chance, mitgestalten zu können.

Nutzen Sie Ihr demokratisches Recht! Wir bitten um Ihr Vertrauen.

Herzliche Grüße,
Dr. Johann Wadephul
Hans Hinrich Neve

Nee, sorry, echt nicht. Da hilft auch der traditionelle Gutschein für ein Freigetränk bei der CDU-Party im K7 nicht.

Auch der halbwegs originelle Spruch „WIR WISSEN WANN DEIN ERSTES MAL IST“ wirkt angesichts des OptOutDays nur halb so witzig.

Beinahe-Rums

Samstag, 19. September 2009

Als Autofahrer hat man immer die schlechteren Karten, wenn man sich im Verkehrsraum mit einem Fahrrad anlegt — man sollte es also tunlichst vermeiden.

Als ich heute nach Hause fuhr, bog ich nach links auf die B203 ein. Rechts von mir ist die sagenhafte Baustelle, weil noch einmal hundert Meter Straße vierspurig ausgebaut werden, soll heißen: der Flaschenhals, denn Reißverschluss funktioniert hier nie, wird hundert Meter weiter nach hinten geschoben. Weil es dort auf der rechten Straßenseite die Baustelle hockt, die Fahrradfahrer aber zu eitel sind, über die Ampel die Straßenseite zu wechseln, rattern lieber alle über die unebene Baustelle (und fallen in das offene Gullie-Loch, aber das ist eine andere Geschichte) und purzeln am Ende der Baustelle, also an der Ampel, an der ich jetzt stand, mitten auf die Straße.

Ich bog gerade ab, als von rechts ein Radfahrer freilich nicht mitten auf der Straße fuhr, aber doch so weit mittig, dass ich ihn locker vom Sattel gehoben hätte, ja, hätte ich denn nicht gebremst. Mal ganz davon abgesehen, dass er zusätzlich seine rote Ampel ignoriert hatte. Ich hupte, er zeigte mir den Mittelfinger, ich hielt ein paar Meter später an, um ihn durchs offene Fenster zu erklären, er solle doch bitte nächstes Mal auf der anderen Seite fahren, er nannte mich Arschloch, weil schließlich nichts passiert war, ich solle mich nicht so anstellen.

Um den Verkehr nicht zu behindern, fing ich ihn an der nächsten Kreuzung ab, denn das wollte ich jetzt geklärt haben. Niemand nennt mich Arschloch und streckt mir den Mittelfinger entgegen, nachdem er mir beinahe auf der falschen Straßenseite bei rot vor die Karre donnert. Das hatte nicht nur bei mir was mit Stolz zu tun, sondern auch bei ihm, der mittlerweile gelinde gesagt schon vor Wut schäumte. Ich machte mich auch nicht besser und erklärte ihm, beim nächsten Mal die Polizei zu rufen, denn zwei Beleidigungen und zwei Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung mit Gefährdung, das ist schon was, wofür die Beamten aus dem Wagen steigen. Ich blieb zum Glück drinnen sitzen, sonst hätten wir uns vermutlich geprügelt, wäre er nicht nach ein paar weiteren Beleidigungen weitergefahren.

Zwei Kreuzungen später war nicht nur bei mir der Puls noch auf 180: aus dem Gegenverkehr wollte jemand links abbiegen und nutzte die große Lücke vor mir, hatte aber nicht mit meinem neuen Freund gerechnet, der bei rot die Fußgängerampel nahm, das Auto bremste abrupt auf meiner Fahrspur und ich musste so was von einer Vollbremsung hinlegen, dass mir jetzt noch die Knie schlottern.

Manche lernen’s eben nie. Gilt vermutlich auch für mich.