Author Archives: Malte Hübner
Fotos von der Hamburger Anti-ACTA-Demonstration
Bei Gefallen: greift zu — alles unter CC-BY-SA.
Kälteschutz
Das dumme an mir ist sicherlich, dass ich nicht unbedingt auf Regeln stehe, mich aber trotzdem daran halte. Als Beifahrer bin ich nervig, weil ich die Straßenverkehrsordnung wenigstens sinngemäß auswendig kenne, als Radfahrer eine Katastrophe, weil ich weder Gehwege noch linksseitige Radwege befahre und mich an die zehn Gebote des sicheren Radfahrens halte.
Insofern fuhr McDonald’s heute einen ganz prächtigen Umsatz ein, als ich um 16.05 Uhr in Hamburg-Altona anlandete und wegen des Fahrrad-Verbotes in der S-Bahn, das in den Stoßzeiten von 6 bis 9 und von 16 bis 18 Uhr die Fahrradmitnahme unterbindet, dort festsaß.
Ja, jeder normale Radfahrer hätte auf das Fahrradverbot geschissen, was immer wieder zu lustigen Szenen in der S-Bahn fährt, wenn Opa nichts zu tun hat und um Punkt 16 Uhr alle mitfahrenden Radfahrer ankeift, die nicht rechtzeitig auf offener Strecke samt Fahrrad durch die geschlossene Tür hechten konnten. Aber ja, ich saß dort wirklich fast zwei Stunden herum und hielt mich mit klugen Unidingen bei Laune. Das ist so typisch deutsch, das ist schon wieder peinlich.
Irgendwann wurde es mir dann doch zu kalt, denn die Bahnhofshalle ist an ziemlich vielen Stellen offen und McDonald’s nicht durch Türen abgetrennt, und ich trug mein Rad gegen 17.50 Uhr hinunter zur Bahnsteigebene in der Erwartung, es würde dort wärmer sein. Knapp fünf Meter kam ich dort weit, als mich zwei Mitarbeiter der DB-Sicherheit zurückpfiffen, um mir die Sache mit dem Fahrradverbot noch mal zu erklären. Es stellte sich heraus, dass man mir schon seit der Verteilerebene gefolgt war. Da hätten Sie mir ja auch helfen können mit dem Rad auf der Treppe, gab ich zu Protokoll, denn noch war meine Laune gut und erzählte noch mal die Geschichte mit dem Opa und dem Radfahrer in der S-Bahn.
Ich lernte dann allerdings in ebenso flotten Sprüchen, dass auch der Aufenthalt mit dem Rad in der Bahnsteigebene verboten sei. Oh, sagte ich, Nutzungsbedingungen müsste man dann wohl doch mal lesen, gab aber wahrheitsgemäß an, mir in den letzten zehn Minuten so kurz vor dem Ziel weder die Finger abfrieren noch mich am McDonald’s-Angebot überfressen zu wollen. Nun wäre es in der Servicewüste der Deutschen Bahn nicht weiter aufgefallen, hätte man mir hier und jetzt zehn Euro abgeknöpft für das Wärmen und nicht Überfressen, aber die beiden fühlten sich auch nicht wohl als Wanderer in der Wüste und erließen mir die zehn Euro, nicht ohne die nächsten zehn Minuten hinter einer Säule versteckt zu beobachten, ob ich nicht doch in die S-Bahn stiege. Ich vertrieb mir dieselben zehn Minuten mit nettem Winken in Richtung Säule und schoss noch ein paar Fotos:
Ein Glück, dass meine S-Bahn nach Wedel um Punkt 18 Uhr einfuhr und nicht etwa um 17.59 Uhr, das hätte sicher Probleme gegeben. Vermutlich wäre ich dann nicht nur zehn Euro und mein Fahrrad los gewesen, sondern hätte auch gleich ein lebenslanges Hausverbot kassiert.
Normalerweise wäre die Geschichte hier zu Ende, aber weil ich ein sehr anstrengender Mensch bin, ließ ich es natürlich noch mal so richtig krachen.
Als ich ziemlich genau eine halbe Stunde später in Wedel ausstieg, wurde ich schon wieder von der DB-Sicherheit abgefangen. Ha, sagte man und rechnete nach, von welchen Stationen ich denn losgefahren sein könnte, ohne das heilige Fahrradverbot zu verletzen. Ha, sagte ich, um Punkt 18 Uhr in Altona, da haben zwei Ihrer Kollegen schon aufgepasst, dass ich keinen Unfug treibe. Ein zweites Mal gab ich die Geschichte vom Opa in der S-Bahn und dem Radfahrer zum Besten und fragte nach, ob es denn sehr unüblich sei, weniger als eine halbe Stunde lang ein Fahrrad in der S-Bahn zu transportieren oder ob man aus Altona gemeldet habe, dass da in der S-Bahn ein Radfahrer mit gar ungeheuerlicher Argumentation unterwegs sei.
Wenigstens ist keiner der vier Beamten auf die Idee gekommen, meine Fahrkarte zu kontrollieren. Mein Handyticket hätte ich nämlich nach zwei Stunden in der Kälte der Altonaer Bahnhofshalle nur sporadisch vorzeigen können, da macht das iPhone nicht mehr mit. Und mutmaßlich hätten da auch keine klugen Sprüche mehr genutzt.
Kurz korrigiert
Roland-Baum stirbt Streusalz-Tod
Mitarbeiter der Stadt fällten gestern den vordersten Baum des Ensembles an der Küsterstraße, der teilweise auf dem Radweg an der Rolandstraße gestanden hatte.
Nein, es gibt dort keinen Radweg. Auch wenn dort jeder auf dem Gehweg unterwegs ist: es gibt dort keinen Radweg. Wirklich nicht.
Polizei erwischt Raser und Gurtmuffel
19 Drahtesel wurden dabei beanstandet, zudem wurden drei Fußgänger verwarnt, die bei Rotlicht den Fußgängerüberweg querten.
Gemeint ist wahrscheinlich eine Fußgängerfurt — ein Fußgängerüberweg ist das, was als Zebrastreifen bezeichnet wird, der wäre lichtsignalgeregelt natürlich nicht zulässig.
Rohrbruch
Heute Nacht, 2.45 Uhr, knallt es und rauscht es und vom Heizkraftwerk nebenan steigt eine riesige Wolke auf. Wow, dachte ich, da wurde wohl ein bisschen Dampf abgelassen.
Wurde auch, aber eher unfreiwillig: da ist ein Rohr gebrochen und drum müssen die westlichen Hamburger Stadtteile nun frieren. Das finde ich sogar so bemerkenswert, dass ich auf die BILD-Webseite verlinke.


