Abgehoben

Weil ich Ende Juli nach Wacken fahre und dann irgendwann nach Schweden, musste ich mich irgendwie noch mal ums Zeltaufbauen kümmern. Nicht, dass ich dann in der Wildnis stehe, egal ob Wacken oder Schweden, und unter freiem Himmel oder im Auto schlafen muss, weil ich das mit den Zeltstangen nicht geregelt bekomme.

Und weil ich das letzte Mal in Schweden just jene Zeltstangen in einem Anfall von morgendlicher Müdigkeit ungeschickterweise verbogen hatte, stand das Zelt, nun ja, einfach nicht mehr gerade. Also bestellten wir ein neues, für vier Mann, zwei Meter hoch in der Mitte, mit Innenzelt und Vorzelt und allem drum und dran für ganze fünfhundert Euro. Nach Wacken würde ich damit nicht fahren, okay, dafür reicht auch das alte verbogene, aber Übung muss eben sein, zumal das Wetter viel zu schön war, um bloß arbeitend vor der Kiste zu verrotten.

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Also stellte ich das Zelt auf. Ich brauchte fünfzehn Minuten, dann war ich fertig und stolz. Ein Mann und sein Werk, sagt man nicht so? Und was für ein Werk, ein Pracht-Zelt, eigentlich schon fast zu groß für einen Mann. Ich war mir zwar nicht ganz im klaren, wie der ganze Kram in dem relativ kleinen Säckchen Platz gefunden hatte und vor allem nicht, wie er dort wieder hineinpassen sollte, aber das war erstmal egal.

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Doch obwohl teuer und groß und prächtig, taugen tat das Zelt nicht so recht. Ich ging barfuß hinein und schrammte gleich kräftig den Boden kaputt. Um das näher zu untersuchen legte ich eine der Stützstangen auf den Boden und riss mit der abgerundeten Kante gleich ein weiteres Loch hinein. Soll heißen: total unbrauchbar. Man stelle sich vor, ich stelle mal einen Getränkekasten auf dem Boden ab oder eine schwere Tasche oder haue aus Versehen mit dem Zehennagel ein Loch hinein — irgendwas ging hier ganz gewaltig schief.

wetter

Dann wollte die Wettervorhersage recht behalten und es begann zu regnen. Und zwar gar nicht schlecht. Nach ein paar Minuten stürmte es und nach noch ein paar Minuten merkte ich, dass es gar keine gute Idee war, das Zelt jetzt so unverzurrt draußen stehen zu lassen, denn just in diesem Moment hob das Zelt ab und flog glatt einen Meter hoch, das riesige Ding für fünfhundert Euro.

Ich stürmte nach draußen, versuchte die Zeltstangen herauszuziehen, auf dass die ganze Sache in sich zusammenfällt und nicht mehr fliegt, aber bis mir das gelang, da hatte der Regen genug Zeit mich mal so richtig nass zu machen. Boah ey, das ging gar nicht.

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Jedenfalls steht das Ding jetzt noch ein paar Tage draußen zum Trocknen. Fest verzurrt, versteht sich. Und mit nach Wacken kommt das alte, verbeulte Zelt. Nicht bloß, weil es da nicht mehr auffällt, wenn sich jemand rauflegt, nein, man kann auch einen Kasten Bier drin abstellen.

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