… und ich war mittendrin. Leider unser Haus auch.
Es fing schon mit einem richtigen Kracher an: wir bauten gerade auf der Terasse unseren Kram auf, als pünktlich um acht Uhr der zeitgesteuerte Rolladen an der Terrassentür herunterfuhr. Fünf Leute standen mit offenen Mund drumherum und bestaunten die moderne Technik, aber niemand dachte daran, mal noch schnell hineinzuhechten und das Ding auszustellen. Und so war die Tür verschlossen, der Schlüssel innen drin und wir alle draußen.
Letztes Jahr hatte ich bei einer ähnlichen Gelegenheit mit deutlich weniger Publikum den Schlüsseldienst gerufen, der sich anderthalb Stunden lang mit unserer doppelt gefalzten Haustür abmühte, bis er seinen Draht richtig hingebogen hatte. Und gerade letzte Woche schlummerte ich abends im Garten, bis mich der Lärm des Rolladens weckte und ich wie James Bond mit einem Hechtsprung unter dem Rolladen hindurchsprang.
Nun denn, die Tür war zu und der Schlüssel drinnen. Der Rolladen der Terrassentür und der des benachbarten Fenster laufen durch eine gemeinsame Schiene, die etwa fünf Zentimeter vom Fenster entfernt ist und weil der Fenster-Rolladen noch nicht geschlossen war, versuchten wir mit einem Draht den Schlüssel vom Tisch zu angeln. Dummerweise waren wir nicht schnell genug und mussten das Experiment abbrechen, als sich der zweite Rolladen schloss.
Der Schlüsseldienst, der bald Feierabend machen wollte, fackelte gar nicht lange, während wir im Carport warteten und in den Regen hinaussahen. Er fertigte einen zweiten Schlüssel anhand der abgespeicherten Schlüsselnummer an, schließlich hatte er uns das Schloss damals eingebaut, schloss die Haustür auf und berechnete mir dafür immerhin 105 Euro — das nennt man dann wohl Lehrgeld.
Die Tür war offen und die Party verlief wie eine gewöhnliche Feier, nichts, was irgendwie dem Prädikat „geilste Party des Sommers“ gerecht würde. Der Teppich saugte sich mit umgeworfenen Getränken voll, man redete dummes Zeug, spielte blöde Spiele — das übliche eben. Dann verschwanden einige auf die Straße, bauten dort Baustrahler auf und spielten irgendein dummes Spiel, pinkelten danach von Mülltonnen herunter, zerschmissen Flaschen am Bordstein und wateten im Fischteich umher.
Der Spaß, der begann eigentlich erst sehr viel später. Irgendwann ging ich wieder in den Garten und fand dort meine Baustrahler den Garten erleuchtend, während sich dort eine Art von Fight Club eingefunden hatte. Niemand spricht über den Fight Club, klar, aber da liefen Männer mit nacktem Oberkörper und zerrissener Kleidung herum und prügelten sich bloß zum Spaß. Obwohl, wenn man so dermaßen die Lampen anhat, dann gibt’s zwischen Spaß und Ernst auch nicht mehr sehr viel. Ich mag gar nicht daran denken, wie das aus dem Nachbarsfenster ausgesehen haben mag: da stehen ein paar Leute im hell erleuchteten Garten mit freiem Oberkörper und verprügeln sich.
Die nächsten zwölf Stunden räumte ich auf und brachte die Welt wieder in Ordnung. Das war keine vernünftige Party, es ging weder Geschirr zu Bruch noch kotzte jemand in die Ecke. Stattdessen spülte ich mit einem Wasserschlauch Toilettenpapier vom Dach und pulte mit Gummihandschuhen eine Papierrolle aus der Toilette, steckte die Tasten S, E und X wieder in meine Tastatur und legte das Telefon, das in den letzten Stunden eine Berliner Nummer angerufen hatte, wieder in die Schale. Ich sammelte weggeworfenene Bierflaschen aus dem Nachbarsgarten und saugte geschätzte fünf Kilo Essensreste vom Boden auf, reinigte die Küche und entfernte Flecken aus dem Teppichboden.
Ein Fleck, der wollte nicht weg, der bleibt wohl noch eine ganze Zeit. Ich habe versucht, ihm mit richtig aggressiven Fleckentfernern zu Leibe zu rücken, aber das hat in wenig beeindruckt. Hilft garantiert, versprach eine Tube, aber der Fleck, der hatte es wohl nicht gelesen.
Ebenfalls nicht überlebt haben die beiden Schutzgläser, die im Garten die beiden Kellerfenster abdecken, auf dass kein Wasser hineinläuft. Vermutlich ist ein Betrunkener beim Herumlatschen darübergetorkelt. Die Armlehnen haben einige Kratzer. Meine Kamera ist schon wieder hinüber, irgendjemand hat wohl das Objektiv abgeschraubt und den Finger reingesteckt, jedenfalls klappt der Spiegel nicht mehr hoch.
Ach ja, und irgendjemand hat versucht, ein paar Schrauben aus dem Sonnenschirm herauszudrehen, sich dann aber doch zu dumm angestellt. Und irgendjemand hat den Finger in meine Kamera gehalten und dann den Auslöser gedrückt. Der Spiegel fand das jetzt nicht so pralle. Aber sogar das habe ich wieder hinbekommen. Und es fehlen verdächtig viele Flaschen Alkohol in der Minibar. Und irgendwie ist auch keine Tiefkühlkost mehr im Haus.
Ein Glück, dass die geilste Party des Sommers nur ein mal im Jahr gefeiert wird.

