Ich habe mich bei Magnus Becker mittlerweile bestimmt nicht sonderlich beliebt gemacht. Und nun habe ich ihn auch noch verpetzt: ganz hochoffiziell beim studiVZ:
Betreff: Magnus Becker und seine Gruppe
Von: Malte Hübner
Datum: 16. Juli 2009 20:00:35 MESZ
An: hilfe@studivz.net
Sicherheit: Signiert (Malte Hübner)Sehr geehrte Damen und Herren,
im studiVZ betreibt Magnus Becker (http://www.studivz.net/Profile/58c492d737933ab1) die Gruppe „!!!! Bloggen gegen sexuelle Gewalt (www.magnusbeckerblog.de) !!!“ (http://www.studivz.net/Groups/Overview/106d18b30d49cb50) mit momentan 13.481 Mitgliedern. Im Internet ist der Name Magnus Becker besonders durch seine zwielichten Aktionen und anscheinend annähernd kriminellen Machenschaften bekannt. Bereits im Jahr 2001 schrieb das Online-Magazin Telepolis über ihn (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/9/9338/1.html):
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Wesentlich professioneller und hart am Rand der Kriminalität geht Magnus Becker mit www.weisse-rose.org vor. Becker wurde vor einigen Jahren vom Frauenbüro Münster mit Geld unterstützt. Er behauptete, das Mädchen-Projekt “Weisse Rose Münster e.V.” sowie eine Online-Mädchenzeitung initiiert zu haben (“Deutschlands einzige virtuelle Maedchenzeitschrift”, vormals www.muenster.org/femaidl/girlie, buene.muenster.de/femaidl/, iaiwww.uni-muenster.de/wiw/Girli-e-zine/). Im Usenet schrieb er seit 1996 in zahlreichen Newsgroups, “Anti-Gewalt-Training für jugendliche Opfer” anzubieten. Der Verein hätte schon mehrere junge Frauen vor der Abschiebung bewahrt und nicht-straffälligen Jugendlichen den Ausstieg aus der rechten Szene ermöglicht. Nichts davon ist wahr.
Selbst die Tagesschau vom 11.12.2000 wiederholte die wilden Thesen Beckers, sein Projekt (“Love-Homepages gegen die Hass-Homepages der Rechten”) habe 1422 “Mitstreiter” in ganz Deutschland, ohne auch nur einmal irgend etwas nachgeprüft zu haben. Der Sender VOX berichtete ebenfalls im Dezember 2000 wohlwollend über den Hochstapler, ohne Verdacht zu schöpfen. Becker orientierte sich jeweils nach der medialen Großwetterlage. Im Dezember 1996 behauptete er, sein Projekt habe “Kontakt zu Maedchen in Belgien aufgenommen. Um der grausamen Mädchenpornographie (nicht nur im WWW) ‘Mädchenpower’ entgegenzusetzen.” Die “Weisse Rose” sei ein “EU-weit via WWW aktiver Jugendschutzverein”.
Ein eingetragener Verein existiert nicht, eine wissenschaftliche Evaluation ebenso wenig. Becker behauptet, Studenten der “Liste 10″ der Uni Münster würden sein Projekt überprüfen. Auch das ist dreist gelogen: Becker hatte sich als Kandidat einer Liste der “Unabhängigen Studierenden” aufgestellt, die Unterschriften für seine Kandidatur kamen aber unter so dubiosen Umständen zusammen, dass mittlerweile ein Ermittlungsverfahren eröffnet wurde. Becker hatte suggeriert, dass es um Unterschriften “gegen Rechts” gehe und so ahnungslose Studenten für seine Zwecke missbraucht.
Das Studentparlament der Uni Münster sprach von “Überrumpelungstaktik”. Studenten der Uni Münster behaupten, dass Magnus Becker auch mit einem anderen Hochstapler zusammenarbeitet – mit René Schneider. Der sei “ein dubioser Mensch, der schon mal bei einem seiner Vorträge bei Burschenschaften eine Schusswaffe (wahrscheinlich Gaspistole) gezogen haben und dabei Drohungen gegen Linke ausgesprochen haben soll.”
Selbst als der Hochstapler Becker forderte, man müsse mit Mädchen aus der rechten Szene schlafen, um sie zum Ausstieg zu bewegen, wurde er noch mit öffentlichen Geldern gefördert. In mehreren Städten des Ruhrgebiets gelang es ihm, Beträge von 800 DM für seine Website lockerzumachen. Unterhalb dieser Größenordnung wird kaum kontrolliert, wofür das Geld verwendet wird. Auf der Website der “Weissen Rose Dortmund” bedankt sich Becker bei der Stadt Dortmund für die Zusammenarbeit. Das Jugendamt der Stadt Dortmund hat ihm vor anderthalb Jahren rund 2000 DM überwiesen – für die Website des ominösen Vereins. Auch dieser Verein ist weder eingetragen noch findet eine real existierende Arbeit statt. Auf der Website stehen nur hohle Phrasen. Jetzt schöpfte Klaus Birkholz, der Leiter der Abteilung Jugendarbeit, Verdacht, dass alle Projekte Beckers nur aus ihm und heißer Luft bestünden. Das Jugendamt will das Geld zurückfordern.
In Münster brach Becker fluchtartig seine Zelte ab, nachdem aus seiner Kandidatur für die Unabhängigen Bürger für den Bundestag nichts wurde. An Warnungen vor Becker fehlte es ohnehin nicht. Ulrike Graff von der Landesarbeitsgemeinschaft für Mädchenarbeit in NRW kritisierte, dass Becker Mädchen fotografierte und ihre Bilder ins Internet stellte. Dieter Glaap von der Akademie Remscheid äußerte Skepsis, dass ein Mann den Vorsitz bei einem Mädchen-Projekt habe. Dennoch wurde und wird Becker von zahlreichen Initiativen und Schulen eingeladen. Offenbar geht es beim “Kampf gegen Rechts” nicht um Inhalte, sondern um sinnfreie Betroffenheit und Selbstdarstellung.
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Eine Google-Suchanfrage zu seinem Namen (http://www.google.com/search?q=Magnus+Becker) wirft noch eine Reihe weiterer, seit einiger Zeit scheint Herr Becker massenhaft in verschiedenen Weblogs Trackbacks zu seinem Blog www.magnusbeckerblog.de abzusetzen, was in der Blogsphäre als ungewollter Trackbackspam bezeichnet wird. Auch die im Blog des Herrn Becker verlinkten Weblogs lassen erahnen, dass es dort nicht unbedingt mit rechten Dingen zugeht, verlinkt er dort auf andere Webseiten, die ebenfalls durch teilweise radikalste Inhalte aufgefallen sind, die teilweise auch zu antisemitischen Hass-Webseiten zählen. Das Blog enthält einerseits Zusammenstellungen verschiedener Artikel zum Thema sexueller Gewalt, andererseits eine ungewöhnlich unreflektierte Haltung zum Thema Internetzensur, die erwiesenermaßen vollkommen konträr zu wirksamen Kinderschutz steht.
Der Beitrag, den ich zu diesem Sachverhalt heute nachmittag ins Forum schrieb, wurde bereits nach wenigen Minuten gelöscht, meine Gruppenmitgliedschaft wurde wenig später gekündigt. Ich bin mir nicht sicher, wie Herrn Beckers Aktivitäten im studiVZ einzuordnen sind — möglicherweise ist mein Verdacht tatsächlich unbegründet. Ich halte es aber nicht für vollkommen abwegig, dass unter dem Deckmantel der Gruppe weiterhin seltsame Aktionen durchgeführt werden, zu denen studiVZ als weitere Plattform dient. Mir ist ehrlich gesagt nicht besonders wohl bei dem Gedanken, dass sich Hilfesuchende an Herrn Becker wenden, anstatt professionelle Hilfe außerhalb der Gruppe in Anspruch zu nehmen. Ich würde mich freuen, wenn sie diese Gruppe einer entsprechenden Prüfung unterziehen.
Mit freundlichen Grüßen,
Malte Hübner
Das war gar nicht so leicht. studiVZ sieht direkt auf der Gruppenübersicht eine Möglichkeit vor, die Gruppe zu verpetzen, gleich versehen mit der Warnung, dass Falsch- oder Spaßmeldungen zur Sperrung des eigenen Profils führen können. Und weil die vorgegebenen Sperrgründe „Mobbing-Gruppe“, „pornografische Inhalte“, „diskriminierende / extremistische Inhalte“, „Verherrlichung / Darstellung von Gewalt“ und „Kommerzielle Gruppe (Werbung)“ nicht so richtig passten, mochte ich einen Rauswurf aus dem Verzeichnis nicht riskieren und beschloss eine Mail zu schreiben.
Eine passende E-Mail-Adresse suchte ich lange Zeit vergebens, klickte mich durch endlose Ajax-gesteuerte Seiten, bis ich einfach mal im Impressum nachschaute und gleich zwei passende Adressen fand:
studiVZ-Nutzer: Bei Fragen oder Problemen rund um studiVZ komm in die Hilfegruppe oder schreibe eine E-Mail an hilfe[at]studivz[dot]net.
Jugendschutzbeauftragter: Philippe Gröschel; E-Mail: jugendschutz[at]studivz[dot]net
Sonstiges: Alle weiteren Anfragen bitte an vorzimmer[at]studivz[dot]net
Ich erwog erst, an den Jugendschutzbeauftragten zu schreiben, denn schließlich war das, was dort in der Gruppe abging, echt nicht mehr feierlich. Dann schrieb ich an das Vorzimmer — und der studiVZ-Mailserver schickte mir meine Mail gleich zurück, markiert als nicht angenommen. Serverfehler oder so. Gleiches widerfuhr mir mit der Hilfe-Adresse. Ich hatte schon keine Lust mehr, wollte am nächsten Tag einfach anrufen — und bekam dann im studiVZ eine private Nachricht vom Support:
Hallo,
wir haben Deine Meldung erhalten. Vielen Dank, dass Du uns dabei hilfst, dafür zu sorgen, dass der Verhaltenskodex eingehalten wird. Wir werden die Angelegenheit prüfen und dann die notwendigen Maßnahmen einleiten. Bitte verstehe, dass wir Dich bezüglich des weiteren Vorgehens nicht auf dem Laufenden halten können. Wir werden unser Bestes geben, um die Sache zu klären und dafür zu sorgen, dass der Verhaltenskodex auf unserer Plattform eingehalten wird.
Freundliche Grüße
Dein VZ Team
Ich nehme zumindest an, dass man sich auf meine Beschwerde bezieht, auch wenn mir vollkommen unverständlich ist, wie man mich im studiVZ identifiziert habe, heiße ich dort weder Malte Hübner noch bin ich mit meiner malte@maltehuebner.com-Adresse dort angemeldet. Aber mal sehen, was jetzt weiter passiert.
Übrigens: es ist echt gemein von einem Webserver, eine E-Mail als nicht angenommen zurückzuweisen und in Wirklichkeit noch irgendwohin zu leiten.