Ich glaube, ins Tuch, da gehe ich erstmal nicht mehr hinein. Und in die Bergstraße auch nicht. Vielleicht. Mal sehen.
Erstmal das übliche:
Der komische Karaoke-Club gleich neben dem Eingang ist mal wieder dicht. Stattdessen steht dort was von Billard-Center. Das kann ja heiter werden.

Das Restaurant nebenan ist auch dicht. Vermutlich aus hygenischen Gründen. Aber lecker war es da trotzdem. Auch wenn der Belag im Burger bestimmt auch selber irgendwo getanzt hätte.

Und die Tanzflächen waren wieder etwas, naja, leer.


Und dann ging der Ärger richtig los: vor dem Parkplatz hinter dem Tucholsky gibt es ja diese seltsamen Schranken. Früher standen die Schranken nachts immer offen, dann waren sie eine Zeit lang geschlossen und seitdem hin und wieder offen und geschlossen. Ich weiß nicht, welchem System die Schrankenanlage gehorcht, aber wir machten uns seitdem einen Witz daraus, während der Fahrt die Stellung der Schranken zu erraten und sie anschließend zu fotografieren.

Und das mit dem Fotografieren ist ganz schön kompliziert mit so einer kleinen Kamera, die ich mir damals extra für Besuche in Discotheken, Hochseilgärten und anderen Freizeitaktivitäten zugelegt habe. Deshalb brauchte ich mehrere Versuche, deshalb verwackelte ich und weil ich einmal den Blitz eingesetzt hatte, zog ich mir den Zorn der Türsteher auf mich, die rechts der Schrankenanlage den Eingang zu ihrer Discothek im Tucholsky-Komplex bewachten.
Einer der Türsteher kam alsdann angelaufen und bat mich, die Fotos zu löschen. Seine Bitte bschreibt allerdings eher den formalen Charakter, denn in Wirklichkeit war es mehr ein Befehl und ein unfreundlicher dazu.
Darauf hatte ich keine Lust.
Erstmal war das Foto vollkommen verwackelt, so dass neben der Tür ein schwarzer Schatten zu erkennen war, der nur mittelbare Ähnlichkeit mit einer menschlichen Person hatte. Ich bin mir ohnehin nicht sicher, ob dort es sich bei der schwarzen Fläche wirklich um die Person oder zumindest deren Schatten handelte und nicht um irgendeine schattige Fläche.
Inzwischen war auch sein Kollege herangetreten und inzwischen ging es auch nicht mehr bloß um Foto löschen, sondern um Speicherkarte formatieren. Das wollte ich erst recht nicht, da waren aberdutzende Fotos eines lustigen Abends drauf und die lösche ich doch nicht, weil ein kräftigerer Typ vor mir steht.
Zumal es dazu gar keine Rechtsgrundlage gab. Erstmal ist er auf dem Foto eindeutig nicht zu erkennen und selbst wenn wäre er allenfalls Beiwerk auf diesem Foto gewesen. Mit Recht am eigenen Bild konnte er mich da wenig beeindrucken.
Nun wäre es nicht verkehrt gewesen, mal etwas von seinem Recht abzuweichen, der klügere gibt ja nach, und das Foto einfach zu löschen. Scheiß doch drauf, mach ich noch eins und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Dummerweise war das nicht so einfach: nachdem mir meine Digiknipse in den letzten zwei Tage gleich zwei Mal heruntergefallen war, funktionierten einige Bedienknöpfe nicht mehr — ich konnte weder den ISO-Wert anpassen noch Bilder löschen. Das nennt man dann wohl Schicksal.
Jedenfalls traf ich jetzt eine falsche Entscheidung: ich verschwieg die Sache mit dem Knopf, denn ich dachte, das könnte so sehr nach Ausrede klingen, dass mir die beiden Türsteher gleich ohne weitere Diskussion die Fresse polieren. Während mich die beiden übel beschimpften und die Arme verdrehten, konnte ich sie immerhin überreden die Polizei zu rufen.
So ein Blödsinn.
Die kam dann auch nach zehn Minuten und war ungefähr so erfreut über den ganzen Kram wie ich. Nur von der anderen Seite. Erstmal beschwerte sich einer der Polizisten bei mir, dass die Einsatzkosten in Höhe eines ansehnlichen dreistelligen Betrages auf mich zukommen könnten. Dann hörten sie den Türsteher an, nahmen sich meine Kamera und drückten so lange auf der Löschen-Taste herum bis sie endlich funktionierte. Und dann schickten sie den Türsteher weg, verlangten noch meine Personalien und empfahlen mir, die Gegend sofort zu verlassen — normalerweise würden mich die Türsteher in irgendeine dunkle Ecke schleifen und zünftig verprügeln.
Dann verschwanden sie. Ich latschte einmal um das Tucholsky herum, holte meine Mitfahrer ab und sah zu, dass wir nach Hause verschwanden.
Ich war stinksauer.
Und je länger ich darüber nachdenke, desto blöder wird mir das alles.
Klar, die Polizisten haben dafür gesorgt, dass die Situation nicht eskaliert, moralisch war das sicherlich in Ordnung, aber nach einer groben Google-Recherche war das Verhalten in rechtlicher Hinsicht höchst fragwürdig.
Das Internet sagt dazu:
Aufforderung zum Löschen von Photos oder Filmen?
Egal, auf welchem Weg Photo- oder Filmaufnahmen zustanden gekommen sind: Grundsätzlich gibt es keine Rechtsgrundlage, nach der bereits gemachte Photo- und Filmaufnahmen wieder gelöscht werden müssten. Wird unter Zwang oder Gewaltandrohung eine Herausgabe von Photo- oder Filmapparaten gefordert, so ist dies ein räuberischer Diebstahl gemäß §252 StGB. Werden existierende Aufnahmen gegen den Willen des Photographen gelöscht, so liegt bei herkömmlichen Filmen eine Sachbeschädigung gemäß §303 StGB vor, bei digitalen Speichermedien eine rechtswidrige Datenveränderung gemäß §303a StGB. Bereits der Versuch ist strafbar. Eine Beschlagnahme von Gegenständen (also z.B. Photo- oder Filmapparaten) ist nur durch die Staatsgewalt (Polizei) zulässig. Dabei muß die rechtliche Grundlage der Beschlagnahme genannt und eine Quittung/Protokoll ausgehändigt werden. Das Beschädigen von Gegenständen, Löschen von Daten oder die unvollständige Rückgabe beschlagnahmter Sachen ist auch für die Polizei nicht zulässig, es bedarf eines rechtskräftigen Urteils durch ein ordentliches Gericht.
Aha, das Löschen von Daten ist ohne richterliches Urteil eine rechtswidrige Datenveränderung und darf wenn überhaupt bloß nach richterlichen Urteil erfolgen. Dass sich ein Polizist so einfach meine Kamera schnappt und Fotos löscht, scheint also durchaus nichts rechtens zu sein.
Auch das Recht am eigenen Bild scheint mit der ganzen Sache wenig zu tun zu haben, abgesehen davon, dass auf dem Bild ja niemand abgebildet war:
Das „Recht am eigenen Bild“ ist lediglich eine Einschränkung der Veröffentlichung von Aufnahmen. Das Photographieren und Filmen als solches ist dadurch nicht eingeschränkt. Es ist frei zulässig, Photo- und Filmaufnahmen einzelner Personen auch ohne deren Einwilligung zu erstellen und zu besitzen, lediglich zur Veröffentlichung braucht man die Genehmigung der Betroffenen.
Davon wussten wohl weder Polizisten noch Türsteher.
Und dass ich den Einsatz mit einer höheren dreistelligen Summe bezahlen soll, scheint mir ebenso seltsam. Ich bin gespannt, ob da noch was kommt und wenn, dann werde ich selbstverständlich dagegen vorgehen. Man stelle sich vor, ich drehte jemandem eine lange Nase, der ruft daraufhin die Polizei, obwohl das ganze noch gar nicht als Beleidigung durchgehen dürfte und die Polizisten erklären mir daraufhin, ich müsste die Einsatzkosten tragen. Das ist lustig: dann ruft man bei irgendwelchen blödsinnigen Vorfällen die Polizei und beschuldigt jemanden ohne rechtliche Grundlage, der wird die Einsatzkosten schon zahlen müssen, obwohl er im Recht war, obwohl er bloß auf sein Recht bestand. Denn: soweit ich das erkennen kann, hatte ich weder den Türsteher in seinen Rechten verletzt — er war ja schließlich gar nicht auf dem Foto drauf — noch könnte ich für den Einsatz zu belangen sein. Hoffentlich soll ich dem Typen, der mir nachts in der Innenstadt eine Tracht Prügel androht, nicht auch einfach meine Brieftasche geben anstatt die Polizei zu beschäftigen.
Das ist zwar in dieser Situation jetzt mehr oder weniger dumm abgelaufen, nur: was ist, wenn die Polizei häufiger auf diese Weise ihre Kompetenzen überschreitet? Auf Volksfesten wie dem Rendsburger Herbst oder der Kieler Woche gibt es oft genug grölende Besucher, die irgendwelche Fotos gelöscht haben wollen. In der Regel handelt es sich um Weitwinkelaufnahmen von belebten Plätzen, auf denen gut und gerne mehrere hundert Menschen versammelt sind. Und dann kommt die Polizei und entschärft die Lage, indem sie mir die entsprechenden Fotos löscht oder gleich die ganze Speicherkarte formatiert? Übrigens: Foto löschen ist in dem Zusammenhang wie beschrieben mehr als ärgerlich — Speicherkarte formatieren wäre sogar geschäftsschädigend, kämen mir unter Umständen mehrere hundert Fotos abhanden.
Ich hätte gute Lust, wegen dieser Situation noch mal bei der Polizei vorzusprechen. Egal, ob ich im Recht bin oder nicht, das Ergebnis würde mich brennend interessieren.
Aber ins Tucholsky, da gehe ich erstmal nicht mehr hin.