Ich habe gerade festgestellt, dass ich Staatsfeind Mitzeichner Nummer 394 bin. Find ich ja toll, damit war ich sozusagen noch einer der ersten.
Monthly Archives: Juni 2009
Von der Leyen hat zu 95 Prozent keine Ahnung
Es gibt mal wieder einen Artikel bei SPIEGEL ONLINE, der gleich ziemlich falsch loslegt:
Im Kampf gegen die wachsende Verbreitung von Kinderpornografie im Internet setzt die Bundesregierung auf stärkere internationale Zusammenarbeit.
Hatten wir nicht erst anhand der neuen Kriminalstatistik festgestellt, dass das mit den wachsenden Zahlen nicht so ganz stimmt?
Immerhin sagt von der Leyen danach auch mal was kluges:
Oberstes Ziel muss sein, die entsetzlichen Bilder zu löschen, die Täter zu ermitteln und den Opfern zu helfen.
Schade bloß, dass sie es damit bekanntlich nicht so ganz genau nimmt: verstecken hinter dem Schild muss genügen, denn schließlich geht ja auch niemand die Straße entlang, wenn ein Kind missbraucht wird, oder wie war das? Dann besann sich von der Leyen und sagte:
Die Ministerin wies darauf hin, dass Kinderpornografie in 95 Prozent der Länder weltweit noch kein Straftatbestand sei.
Es ist allerdings nicht ganz klar, ob sie das wirklich so gemeint hat — netzpolitik.org hat etwas von 95 Ländern gehört und rechnete herum, wie das mit den ungefähr 200 Staaten auf der Welt zusammenpassen könnte.
95 Prozent klingt aber trotzdem besser. Alles unzivilisierte Staaten außer Deutschland.
Sind die 95 nicht sowieso egal, wenn die Server mit kinderpornografischen Inhalten in der Regel in westlichen Ländern stehen?
#epicfail
Nun habe ich mich gerade so sehr über die 1,259 Euro pro Liter Superbenzin gefreut, dass ich aus Versehen Super Plus für sechs Cent teurer getankt habe. Ich überlegte noch kurz, ob ich jetzt verschämt reingehe, die drei Liter Super Plus bezahle und danach an der nächsten Säule den Rest Superbenzin nachkippe, aber dann überschlug ich schnell im Kopf, dass mich der Missgriff etwa 1,80 Euro mehr kostete und beschloss, dass ich mit dem Lehrgeld leben kann.
His music will live forever…
… aber nicht in Deutschland:
Abiball
Es ist eigentlich selbstverständlich, dass wir als Ehemaligenverein jeden Abiball unserer Schule finanziell unterstützen. Dieses Jahr steckten wir dem Abijahrgang 250 Euro zu — das klingt nach gar nicht so viel, aber damit sind wir meines Wissens der größte Sponsor. Es war auch eigentlich nicht viel, denn eine Eintrittskarte kostete 22 Euro, also haben gerade mal so viel dazugegeben wie elf Gäste an Eintrittskarten, die folgenden Getränkeeinnahmen noch gar nicht mit berücksichtigt. Das ist angesichts einer Gästeliste mit weit über dreihundert Namen eigentlich kaum der Rede wert.
Und doch wurde, sofern ich mich nicht vollkommen irre, eine Bedingung gestellt: für die Homepage des Ehemaligenvereins hatten wir gerne ein paar Fotos, wir wollen schließlich sehen, was wir da unterstützen — das war der Zeitpunkt, an dem ich ins Spiel kam. Und ich sollte sogar kostenlos reinkommen, wenn wir schon sponsern, dann sollte der Eintritt schließlich inbegriffen sein, sollte man denken, dachten wir, das klärten wir auch mit dem Organisationskomitee.
Die Veranstaltung hatte sich allerdings auch eine Fotografin gebucht, obwohl: eigentlich hatte sich die Fotografin die Veranstaltung gebucht. Die hatte nämlich fünfzig Euro dafür geboten. Deshalb bat man mich noch einmal, der Fotografin nicht die Arbeit wegzunehmen. Keine Sorge, sagte ich, ich bin doch zum Vergnügen dort und nicht zum Arbeiten. Ich mach fünf, zehn, zwanzig verschiedene Motive, dann pack ich den Kram ein und verschwinde auf die Tanzfläche.
So einfach war das leider nicht. Ich kam relativ früh an am Saal, schließlich will ich ja nicht verpassen, wie die Limousinen vorfahren, doch hatte ich kaum das Gebäude betreten, als mir der Ärger sozusagen entgegen stürzte. Ich müsse sofort meine Kamera ins Auto bringen, erklärte mir die junge Organisatorin mehr als bloß aufgeregt, ich dürfe auf keinen Fall Fotos machen. Warum denn das, fragte ich, denn schließlich sollte ich ja… Weil die Fotografin gerade angerufen hat, fiel sie mir ins Wort. Die gute Dame war wohl am Vortag auf gut ausgerüstete Konkurrenz gestoßen, war keines ihrer Fotos losgeworden und dementsprechender Laune. Ich könne aber mit einer kleinen Kamera Fotos von meinen Freunden machen. Wenn die Fotografin fertig ist, könnte ich ja noch mal meine große Kamera aus dem Wagen holen. Dann verschwand sie.
Dafür kam dann gleich die nächste junge Dame, die mir den gleichen Sachverhalt noch einmal in ruhig erklärte, mir allerdings verbot, auch mit einer kleinen Kamera Fotos zu schießen. Während der gesamten Veranstaltung darf nur die Fotografin fotografieren, sonst gibt es richtig Stress, drohte man mir an. Dann verschwand sie.
Und ich kam nicht mal ohne Kamera ins Gebäude, denn natürlich hatte man vergessen, den Türstehern, die inzwischen ihren Posten am roten Teppich bezogen hatten, meinen Namen mitzuteilen.
Da spendet man Geld, die andere Seite nimmt das Geld, erlaubt weder das Fotografieren noch setzt sie einen Vertreter des Vereins auf die Gästeliste.
Der Abend versprach wirklich lustig zu werden. Ich lehnte mich erst mal in weiter Ferne an die Wand und wartete ab, was passierte. Die ersten Gäste trafen ein, machten Fotos von sich in ihren Kleidern und Anzügen, irgendjemand erklärte wohl noch, dass Fotos streng verboten seien, weil schließlich eine Fotografin dabei ist, erst ruhig, dann aufgeregt, dann fuhren die ersten dicken Autos vor, aber von der Fotografin keine Spur. Ich ging einmal um das Gebäude herum, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen, denn mittlerweile war ich etwas, äh, angesäuert. Und der Vereinsvertreter sollte nach Möglichkeit doch eher keinen angesäuerten Eindruck hinterlassen. Ich hatte mich durchaus auf einen lustigen Abend gefreut und stand nicht einmal auf der Gästeliste, hatte aber auch nicht den Willen, mir jetzt noch für 22 Euro eine Karte zu besorgen. Ich kehrte wieder zum Eingang zurück, wo immerhin die Fotografin inzwischen eingetroffen und am Werk war. Und ich dachte, ich sehe nicht richtig.
Ich bin wahrlich kein Profi, aber dass sie auch keiner war, das sah ich auf den ersten Blick. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Als Fotograf macht man sich vor einem Bild, zumindest wenn es mehr sein soll als ein bloßer Party-Schnappschuss, ein paar Gedanken. Man überlegt sich, wie man sein Model möglichst vorteilhaft abbildet, man überlegt sich eine geeignete Haltung, eine Pose, man überlegt sich einen geeigneten Hintergrund und macht sich ein paar Gedanken zum Licht. Das geht im Idealfall ganz schnell ganz automatisch — oder eben schief.
Dann fotografiert man die Leute, wo sie gerade stehen, egal ob vor einer weißen Wand oder ob ihnen der Laternenpfahl im Hintergrund aus dem Kopf wächst. Dann überlegt man sich keine vernünftige Pose, so dass die schönste Abiturientin geradezu schlapp wie frisch aus dem Bett frontal in die Kamera schaut und ungefähr gar keine Schönheit mehr ausstrahlt. Dann blitzt man nicht indirekt gegen die weiße Decke oder die weiße Wand, so dass es im Hintergrund häßliche Schlagschatten gibt, die auch noch bestens zu sehen sind, denn man schließt die Blende viel zu weit, anstatt bloß den Vordergrund zu betonen.
Oh weia.
Ganz wichtig: höflich sein. Selbst wenn’s schwerfällt und das fotografierte Opfer nach drei Schüssen zickig wird. Die Fotografin brauchte allerdings nur ein paar Minuten, um, sich bei so ziemlich allen Gästen unbeliebt zu machen — vermutlich Nachwirkungen vom Vorabend. Als zickig wurde sie bezeichnet und man fragte sich, warum man die Frau denn bloß engagiert hatte. Und vor allem fragte man sich wohl, warum ich denn nicht fotografiere, wie sonst doch auch immer. Ich fühlte mich geehrt. Sollte das wirklich der Moment gewesen sein, an dem sich meine jahrelange Präsenz als Hoffotograf meiner ehemaligen Schule endlich auszahlt?
Ich bin kein Profi, nein, aber das hätte ich auf jeden Fall besser auf die Reihe bekommen. Ich dachte erst, die Fotografin würde sich auf dem Niveau einer Hochzeitsfotografin bewegen oder zumindest in deren Nähe, aber nein, das war auch nicht mehr als bloßes Partygeknipse. Sowas kann ich auch. Und ein bisschen mehr kann ich auch. Ich erklärte hier und da auf Nachfrage, dass mir das Fotografieren der guten Dame wegen nicht gestattet wurde und ich muss gestehen, dass sich meine Laune dadurch doch ganz erheblich besserte.
Allerdings nicht lange, denn der Zutritt zum Gebäude wurde mir mangels Eintrittskarte verwehrt. Ich war gerade auf dem Weg zum Auto, endlich nach Hause zu fahren, zu viele Stunden hatte ich hier schon verschwendet, irgendwann ist auch mal gut, als ein Abiturient mir anbot, die 22 Euro für die Eintrittskarte plus den Stress mit der Fotografin zu übernehmen, wenn ich doch bloß vernünftige Fotos von ihm mache. Entweder hielt er ziemlich viel von mir oder war von der Fotografin ziemlich verzweifelt. Zuallererst schnappte er sich eine der Organisatorinnen und klärte noch mal das mit der Karte ab, das hatte ich bisher nicht geschafft, hatten sich die Verantwortlichen nach ihrer Standpauke doch erst einmal nicht mehr im Freien gezeigt und hinein konnte ich ja nicht in ohne meine blöde Karte.
Es war mal wieder ein Missverständnis. Man wusste nicht, dass der Verein einen Vertreter schicken würde. Komisch, meinte ich, darüber hatten wir doch drei Tage vorher noch gesprochen, sagte ich, aber eigentlich war’s auch egal, ich wollte was erleben und erkundigte mich, wo denn die Fotografin hin sei. Die ist zum Fotolabor gefahren, sagte man mir, das ging aber schnell, wunderte ich mich, sie fotografiert nicht mal eine halbe Stunde, ihr macht deswegen diesen unglaublichen Stress, damit ja niemand anders an diesem Abend ein Foto schießt? Fotografiert sie denn nachher wieder beim Tanzen und beim Spaß?
Nö. Die gute Frau war den ganzen Weg angereist, um etwas über einer halben Stunde im Foyer die Abiturienten vor einer weißen Wand mit Schlagschatten im Hintergrund zu fotografieren. Respekt. Zum Glück ließen sich die anwesenden Gäste nicht lange bitten, die Kameras wieder auszupacken. Ich war auch wieder im Spiel, habe ich mir doch mittlerweile meine Stammkundschaft aufgebaut — die wissen, welche Fotos ich schießen kann, die wissen inzwischen sogar, welche Objektive ich in der Tasche habe und sind ganz angetan, damit auch eigene Ideen verwirklichen können.
Wir hatten jedenfalls unseren Spaß.
Obwohl ich nicht auf der Gästeliste stand, hatte man mir dennoch einen Sitzplatz zugedacht — und zwar hinten bei den Lehrern. Die quatschen übrigens kaum weniger über Alkohol als ihre ehemaligen Schüler. Schön, wenn es noch Themen gibt, die alle verbinden.
Irgendwann gegen 21 Uhr tauchte die Fotografin wieder auf und begann im Foyer den Verkauf der Fotos. Die Qualität war durchaus annehmbar, wenn man von den Schlagschatten im Hintergrund absieht. Man muss als Fotograf auch erstmal auf die Idee kommen, in einem schneeweißen Foyer nicht die Wand oder Decke als Reflektor zu verwenden und stattdessen direkt raufzuballern. So ganz angetan waren man von den Fotos wohl auch nicht, sie wurde zwar einen ansehnlichen Teil los, packte jedoch zwei Stunden später Unmengen an Fotos wieder ein.
Irgendwie bin ich aus der ganzen Sache bloß bedingt schlau geworden.
Ich bekam im Laufe des Abends noch ein paar nette Motive vor die Linse. Nichts hochprofessionelles, nein, hier fehlte mal ein Arm, dort stimmte der Ausschnitt nicht, dafür war etwas ganz wesentliches auf den Bildern vertreten: nämlich Gefühl. Ein Abiturball ist die Krönung einer mehr oder weniger erfolgreichen Schullaufbahn und kann ohne Übertreibung als Cocktail der Emotionen beschrieben werden. Und die muss man einfangen. Weitwinkel auf die Kamera und rein in die Menge, denn nur so entstehen Fotos, die sich die Leute auch in zehn Jahren noch mal gerne ansehen.
Leider hatte die ganze Party auch wieder ihre alkoholbedingten Schattenseiten. Ich machte zu später Stunde noch ein paar Auftragsfotos, als ein sichtlich angetrunkener, älterer Gast mich herumschubste und an meiner Kamera herumriss. Er wollte wohl nicht fotografiert werden, das nehme ich zumindest an, denn Sprechen war dem guten Mann zu der Uhrzeit überhaupt nicht mehr möglich. Eigentlich bin ich noch halbwegs höflich: wenn ich den Eindruck habe, dass einige Leute in ihrem abendlichen Zustand lieber nicht am nächsten Tag in meinen nicht-öffentlichen Galerien auftauchen möchten, dann bleiben die Fotos natürlich im Giftschrank. Bei einigen weiß ich, dass denen eh alles egal ist und sie jeden scheiß mitmachen. Aber wenn mich jemand bittet, noch ein oder zwei Fotos zu schießen, hat mir nicht irgendein Angetrunkener an der Kamera herumzureißen.
Habe den Kram dann irgendwann ins Auto gepackt. Wurd mir zu stressig.
Nur: was tun, wenn die Party um vier schon zu Ende ist? Nach einem Abiball ins Bett zu steigen geht schon aus Prinzip nicht so richtig, also suchten wir die nächstbeste Discothek auf, um festzustellen, dass um diese Uhrzeit auch dort nicht viel mehr zu holen ist.
Und so trug es sich schließlich zu, dass wir in einer versoffenen Kneipe abstiegen, der einzigen, die um diese Zeit noch geöffnet ist. Das Publikum war jenseits von gut und böse und bei den Typen, die dort abhingen, wusste man nie so genau, ob sie morgens um sieben Uhr ihr erstes Bierchen trinken oder gerade das letzte vom Vortag. Und irgendwie kamen wir auf die Idee, dass es Zeit für ein Frühstück war, während die ersten schon draußen auf dem Gehweg saßen und gar nicht gut drauf waren. Frühstück heißt in dem Laden erstmal dreißig Minuten auf die Bestellung zu warten, dann ein Tablett mit glibberigen Spiegelei, zwei harten Brötchen, einer Scheibe Wurst und einer Scheibe Käse auf den Tisch geknallt zu bekommen. Für sechs Euro. So teuer habe ich noch nicht mal im Hotel gefrühstückt.
Irgendwie muss man wohl wenigstens beim Abiball mal was verrücktes starten.
Ich habe im Nachhinein noch recherchiert, dass die Dame zu einer größeren Gruppe von Ballfotografen gehört. Angesichts der Referenzen scheint es mir zweifelhaft, ob da wirklich die allerbesten Profis am Werk sind — zu den Kriterien bei den Stellenangeboten zählen vor allem Führerschein, Spiegelreflexkamera mit Blitz und 24-70-Millimeter-Objektiv, Motivation sowie Spaß am Fotografieren und Verkaufen. Von Talent steht da nichts.
Hat man durchaus gemerkt.





