Okay, das hat sich geklärt. Ich Trottel habe einfach die Zeitung nicht hinreichend studiert, so dass mir die zehn einspaltigen Fotos weiter hinten nicht aufgefallen sind.
Trotzdem bin ich jetzt hinreichend angepisst. Die erste Rechnung blieb ja liegen, weil sie an die falsche Person adressiert war. Nun wäre es ganz cool gewesen, wenn die Honorarbuchhaltung darüber hinweg sieht oder mir zumindest mal Bescheid sagt, dass da was nicht stimmt, anstatt meine Rechnung still und heimlich in den Mülleimer zu werfen.
Dann ruf ich da an, krieg irgendjemanden an die Strippe, der mir erklärt, ich solle mal nachforschen, wo meine Rechnung geblieben ist. Habe ihm geantwortet, die nächste Rechnung über mein Jahresabo schmeiße ich in den Gerümpelkeller und lass ihn dann hier antreten, das Teil wieder ans Tageslicht zu holen. So eine Unverschämtheit! Was gehen mich die Dienstwege dieser Zeitung an, auf denen meine Rechnung vom rechten Wege abkommt… Nachher hatte ich dann immerhin den „richtigen“ Honorarbuchhalter am Apparat, der sich dafür entschuldigt hat und mir zustimmte, dass eine Rechnung nicht abhanden kommen dürfte.
Also letzte Woche eine neue Rechnung abgeliefert, diesmal mit richtiger Adresse. Was soll ich auf den Prinzipien herumreiten, ich will lieber mein Geld sehen.
Heute, eine Woche später, habe ich noch immer kein Geld auf den Konto und inzwischen ist die Frist seit Abgabe der ersten Rechnung um immerhin vier Wochen überzogen. Also mal wieder angerufen, in der Honorarbuchhaltung ist noch immer keine Rechnung aufgelaufen. In der lokalen Buchhaltung im Redaktionsgebäude angerufen, wo meine Forderungen noch immer herumlagen, weil die Buchhalterin krank war. Finanzielle Mittel, um eine Vertretung einzusetzen, gibt es wohl auch nicht. Hätte ich jetzt nicht wieder nachgeforscht, wäre nichts passiert.
Allerdings war sie auch genesen nur bedingt gewillt, die Rechnung zu akzeptieren. Ob die Fotos nicht lediglich Ausschnittsvergrößerungen der bereits in den Tagen zuvor abgedruckten Bilder seien (merke: Mehrfachveröffentlichungen werden nicht bezahlt). Ob der Arbeitsaufwand denn so immens war, wenn das Portraitfoto doch sowieso aussieht, als wäre es nur eine Ausschnittsvergrößerung. Dann das Killerargument: das haben wir noch nie bezahlt (vor zwei Jahren wurde eine ähnliche Rechnung anstandslos angenommen). Man wird sich jetzt besprechen, ob meine Forderungen gerechtfertigt sind. Vermutlich war man auch der Umsatzsteuer wegen irritiert. Solche teuren Fotos hatte man wohl schon lange nicht mehr im Blatt.
Geld bekomme ich aber frühestens Mitte Februar, denn Rechnungen werden nur zusammen mit den Honoraren beglichen. Ich geh erstmal eine Runde spazieren. Seinem Geld muss man hinterherrennen und wenn man nicht schnell genug ist, gibt’s nicht mal alles.
Was jetzt? Bis Mitte Februar warten und dann vielleicht noch nichtmal den Gesamtbetrag ausgezahlt bekommen? Auf gar keinen Fall. Ich stell hier die Forderungen, nicht die Gegenseite. Wäre auch durchaus gewillt, meinen Verwaltungsaufwand in Rechnung zu stellen. Das ganze hat mich inzwischen vier Stunden, geschätzte fünfzig Kilometer Fahrt und etwa eine Dreiviertelstunde Telefonat gekostet. Und das alles für eine Rechnung über knapp 400 Euro inklusive Umsatzsteuer. Und einem Unverschämtheitszuschlag stünde ich auch offen gegenüber.
Ich meine, dass mal eine Rechnung abhanden kommt, das darf zwar nicht passieren, kommt aber halt doch mal vor, damit muss man halt als Gewerbetreibender rechnen. Ist ja kein Beinbruch, wenn beide Seiten kooperativ daran gehen. Mein Zahnarzt schreibt mir ja auch, dass ich die Rechnung ganz bestimmt bloß vergessen hätte und schlägt nicht gleich Mahngebühren drauf. Aber irgendwann ist auch mal Schluss (obwohl ich vermute, dass ich hier noch mit einem relativ leichten Fall kämpfe…).