Ich hatte heute ein Gespräch mit einem der Leute, für die ich manchmal in die Discotheken fahre, kamerabewehrt, und dort die stumpfen Grimassen alkoholisierter Party-People belichte. Ob meiner Wortwahl mag man mutmaßen, dass ich nicht so ganz erbaut davon bin, wie das alles gelaufen ist.
Dem Verein ist’s knapp an Fotografen, sehr knapp, und wie ich das verstanden habe, sind wir momentan zu dritt, er, noch jemand anders und ich, was angesichts der vielen Leute, die ich in den letzten Monaten inzwischen schon in den Discotheken angetroffen habe, wenn ich denn nicht selbst als Fotograf am Start war, etwas seltsam erscheint. Mag aber sein, dass eben nicht jeder Lust hat, für den Laden zu arbeiten und dabei noch draufzuzahlen.
Ein Wochenende hätte mich rund vierzig Euro gekostet: zwei Mal nach Kiel und zurück, um Equipment abzuholen, macht insgesamt 160 Kilometer, dann zwei Runden zu drei Discotheken in unserem wunderbaren Bundesland schlagen noch mal mit je 120 Kilometern drauf. Die insgesamt 400 Kilometer mit 10 Cent pro Kilometer multipliziert ergeben die oben genannten 40 Euro. Nicht mit mir — das sind pro Monat gleich 160 Euro, die ich dort verbrenne.
Ich wollte nämlich damals, als ich noch in Hamburg ganz allein und ohne Freunde saß, gerne ein wenig herumkommen und hatte mich für je ein Wochenende pro Monat angemeldet. Ein Wochenende sind zwei Tage, inzwischen will man mich aber zwei Mal pro Woche, aber eben nicht, weil ich möglicherweise der beste bin, auch wenn das natürlich schön wäre, sondern weil man knapp an Männern ist. Die anderen haben nämlich auch keine 160 Euro pro Monat übrig. Und ich weiß auch nicht, wo das Geld bleibt, dass die Discotheken zahlen, denn eigentlich machen wir ja Werbung für sie, Partyfotos sind ja momentan in, und ich muss froh sein, dass ich wenigstens keinen Eintritt zahlen muss.
Dass wir mit drei Fotografen am Start sind, ist vermutlich auch ein Grund, dass uns keiner mehr zahlen will, denn auf diese Weise kommt jede Discothek nur äußerst selten dran. Und weil uns keiner zahlt, fließt das restliche Geld, das noch irgendwie aufgetrieben wird, höchstwahrscheinlich in die Finanzierung der Serverfarm, auf der die Bilder bis in alle Ewigkeit liegen, damit alle fotografierten Party-People keinen Job mehr bekommen, wenn der Personalchef die Seite aufschlägt. Von daher hat die ganze Sache jedenfalls ein klein wenig was positives.
„Und da waren’s nur noch zwei“, fiel mir nur noch ein, als mein Mentor mir erzählte, wann er morgens zum Amt muss, um Hartz IV zu beantragen. Er meinte, sie werden ihm seine Karre einziehen, auf dass er von dem Erlös eine Weile über die Runden kommt, was unserer personellen Aufstellung natürlich nicht zuträglich ist.
Und ich hab auch nicht so richtig Lust, mir die 160 Euro aus der Tasche leiern zu lassen, um nicht zu sagen: „Und da war es nur noch einer.“ Wobei — eigentlich müsste man mit freiem Eintritt in die Discotheken ja zumindest die ganzen Kompaktkamera-Leute begeistern können.


