Befreiphone? Tjaa. Und nun?
Daily Archives: 13. September 2008
Ich könnte kotzen
Ich rege mich übrigens gerade wirklich auf. Ich habe ganze 19 Jahre meines Lebens in beschissener Einsamkeit verbracht, weil meine Eltern mich gleichermaßen von Partys wie von Freunden ferngehalten haben. Auf Partys hätte man mir angeblich sofort eine Flasche über den Kopf gezogen und Freunde, tja, die wären einfach nicht gut für mich gewesen.
So einfach war meine Welt.
Und irgendwann in diesem Frühjahr erlitt ich geradezu einen Schock, als ich merkte, was das Leben noch alles für mich bereithielt. Viel mehr als jeden Abend alleine zu Hause zu hocken, in der Schule einsam herumzusitzen. Andere hatten Freunde und hatten Spaß und vor allem: andere hatten Sex.
Nachdem ich mich beinahe vollkommen aufgegeben hatte, fing ich eines abends mit dem Leben an. Und ich war gut, verdammt gut sogar. Ich machte alles mit, was ein normaler Jugendlicher erlebte. Das war so etwa im April.
Und meine zwei Wochen in Hamburg waren bis jetzt die Krönung einer eindrucksvollen Karriere. Ich seh nicht gut aus, ich habe einen seltsamen Geschmack — aber ich habe einen Charakter, der so manche Dame in den letzten Wochen ziemlich beeindruckt haben muss. Ich war, nebenbei gesagt, um das wichtigste nicht zu vergessen, auch gerade im Begriff Freunde zu finden. Und abends wegzugehen. Und was zu erleben. Zu leben.
Aber jetzt, so hat eine Instanz beschlossen, die seit Inkrafttreten meiner Volljährigkeit mir eigentlich nichts mehr zu sagen hat, komme ich nach Hause zurück, in eine Gegend, in der man abends am besten noch versauern kann, aber nicht mehr. Und in der ich vor allem versauern werde. Noch ein Jahr ohne Freunde, ohne eine Freundin, ohne Sex, will ich das denn? Und am besten soll ich noch in Kiel studieren, um weitere vier Jahre hier zu Hause zu bleiben.
Eigentlich nicht und es steht mir seit zwei Jahren gottseidank frei, mich gegen ihren Willen zu entscheiden. Aber es regt mich dennoch auf. Niemanden hier zu haben, der mich jedenfalls ein wenig versteht.
Denn das ist etwas, was meine Eltern nie geschafft haben: mich zu verstehen. Aber sie meinen’s ja bloß gut mit mir. Wenn die wüssten…
Schon wieder keine Mädchen
Das Problem an Eltern ist, dass Eltern meinen, immer Recht zu haben. Das ist nichts verwerfliches, denn ich trage schließlich auch ebenjene Überzeugung in mir.
Und Eltern meinen jetzt: „Du wolltest diese Wohnung und du wolltest diese Zivildienststelle, du hast bekommen, was du wolltest und wirst das jetzt bis zum Ende durchziehen.“ Schöne Logik und mir noch immer undurchsichtig.
Das erinnert mich an diesem typischen Fall aus dem Internet, wo der bald Wehrdienstpflichtige am liebsten verweigern möchte und sein Vater, ein gedienter Mann, streng dagegen angeht. Nur dass es sich hierbei um Zivildienst handelt und mir solches Gebaren doch ziemlich rätselhaft erscheint.
Aber, macht ja alles nichts, ich soll mir gefälligst in der kleinen Provinzstadt Rendsburg eine Zivildienststelle suchen. Das wäre natürlich eine Überlegung wert, immerhin geht auf diese Weise der gesamte Sold nicht gleich für eine Monatsmiete drauf… aber leider ist das ganze auch ein ziemliches Motivationsproblem. Ich verabscheue diese Stadt, in der ich nie Freunde hatte, nie auf Partys war und schon wieder ein Zimmer, in das man nicht mal abends ein Mädchen mitbringen darf.