Harte Regeln

1. Juli 2009

Das Foto, das ich vom diesjährigen Abiturjahrgang geschossen habe, ist begehrt. Meine Lokalzeitung hatte es gestern abgedruckt, heute liegt eine Anfrage der Mitarbeiter auf dem Tisch. Die wollen nämlich sogar eine Anzeigenbeilage daraus drucken und gehen jetzt erstmal überall die Gruppenfotos einsammeln.

Die Regeln sind hart. Die Namensliste alphabetisch als Word-Dokument, das Foto maximal zwei Megabyte, alles bis zum 1. Juli.

Ähnlich harte Regeln gelten übrigens bei meinem Honorar. Über das schweigt sich das Schreiben leider aus.

Blut und Speichel

30. Juni 2009

Ich habe heute Mittag die Plastikschienen für tagsüber erhalten. Entgegen meiner vorigen Annahme werden tagsüber die harten und wesentlich dünneren Schienen eingesetzt, nachts die weicheren, aber auch dickeren.

Mit den Nacht-Schienen ist sprechen nicht lispelfrei möglich und man sieht doch auf den ersten Blick, dass da was im Mund klemmt. Die Tag-Schienen sind sehr viel unscheinbarer. Ich fragte meinen Zahnarzt nach dem Einsetzen, wie ich denn jetzt aussehe und er meinte scherzhaft: „Wie ein Zombie!“, nicht ahnend, dass er damit recht genau lag. Auf den ersten Blick in den Spiegel mag man mit den Schienen gar nicht vor die Tür gehen. Zwischen Schiene und Zahn sammelt sich jede Menge Speichel ab, schlägt dort Blasen, doch die sind glücklicherweise schon aus einem halben Meter Entfernung nicht mehr sichtbar.

Nach meiner Erfahrung nach einem halben Tag sind die Dinger durchweg alltagstauglich. Bemerken tut sie sowieso niemand, außer wenn der Gesprächspartner sehr genau hinsieht, sprechen ist vollkommen ohne Probleme und Einschränkungen möglich und generell ist die ganze Sache eher cool als peinlich — so mancher hätte sowas auch gerne in seiner Jugend gehabt.

Ich nicht. Ich war eben nah dran, die Behandlung nach knapp einer Woche abzubrechen. Zum Essen muss die Schiene raus, das geht bei der weichen Nacht-Schiene inzwischen problemlos und ohne Schmerzen mit einem Handgriff, doch die harte Tag-Schiene ist ein Drama gewesen. Die Unterkiefer-Schiene war gar kein Problem, die hatte ich mit beiden Daumen sofort ausgeklickt, aber oben, wo der eine Schneidezahn so blöde steht, da wollte sich die Schiene keinen Millimeter lösen. Hatte ich sie am Schneidezahn vom Attachment gelöst, klickte sie sich hinten am Backenzahn wieder rein, hatte ich sie dort raus, rutschte sie vorne wieder zu. Das alles ging nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl. Ich habe geblutet wie blöde, weil ich anscheinend wirklich zu stark an einem Zahn herumgezogen habe, die Schmerzen sind nach einer halben Stunde noch immer nicht verschwunden und ans Essen ist auf gar keinen Fall zu denken.

So ein Mist!

Linktipps

30. Juni 2009

Wenn man sammelt wird es mehr

30. Juni 2009

Tun wir mal kurz so, als sammelte ich Feuerzeuge. Irgendwann habe ich zehn Stück im Regal liegen gehabt und dann beschlossen, das ganze ab jetzt als Sammlung zu bezeichnen. Irgendwann hatte ich zehntausend Feuerzeuge und stellte erstaunt fest, dass es da draußen in dieser Realität wohl irgendwie plötzlich deutlich mehr Feuerzeuge geben müsse.

Blödsinn? Klar.

Aber sowas muss man sich durchlesen, wenn der Europarat über Web-Sperren nachdenkt:

Sharon Cooper von der Chapel Hill School of Medicine an der University of North Carolina meinte, dass die Verbreitung von Bildern sexuellen Missbrauchs von Kindern mit dem Internet deutlich zugenommen habe. „In den USA starteten wir mit 100.000 Bildern in unserer Datenbank, jetzt sind darin über 15,5 Millionen.“ Die gezeigte Gewalt nehme zu. Außerdem sei die Zahl der Fälle von sexuellen Missbrauchs von Kindern in der eigenen Familie von 2001 bis 2006 von 300.000 auf 650.000 angestiegen. An dieser Entwicklung und an der zunehmenden Neigung Jugendlicher zum Missbrauch von Gleichaltrigen übers Netz sei die Medien, Werbe- und Schönheitsindustrie schuld sowie die Macher von Musikvideos, die Prostitution verherrlichen würden.

Ich dachte ja erst, die Frau habe sich bloß schief ausgedrückt und wollte eigentlich etwas sagen wie: „Wir haben früher zehn Feuerzeuge Bilder pro Tag gefunden, jetzt finden wir täglich einhundert.“ Aber nein, die redet ja auch weiter so einen Blödsinn, immerhin kommt mal das Wort „Familie“ darin vor: Missbrauch findet eben nicht im Internet statt, dort wird er allenfalls dokumentiert, nein, Missbrauch findet wie vor fünfzig Jahren noch immer zu Hause, im Wald, in der Kirche oder anderswo statt.

Und dann kommt der Missbrauch Gleichaltriger. Ich habe es mir mehrmals durchgelesen, aber dann kamen noch die Musikvideos ins Spiel und die Schönheitsindustrie und ich verstehe ehrlich nicht mehr, was die Dame eigentlich sagen wollte. Vielleicht kann ja jemand nach dreißig Jahren endlich mal eine Verbindung zwischen Kindesmissbrauch und Rockmusik herstellen.

Das wurde ja vor dreißig Jahren auch schon versucht.

Tauss?

30. Juni 2009

Nachdem Kinderporno-Abgeordneter Jörg Tauss jetzt Mitglied der Piratenpartei ist, wurde es ja wieder ein wenig ruhiger um ihn — genau wie damals nach diesem seltsamen Ermittlungsverfahren. Ich bin mehr als gespannt, was dabei rauskommt.

Noch mehr Internetsperren

30. Juni 2009

Aha, da kommen diese komischen Zahlen her, über die sich netzpolitik.org wunderte.

Nur rund 160 Staaten hätten überhaupt eine Gesetzgebung gegen die Vergewaltigung von Kindern, die von den Tätern aufgenommen und übers Netz „massenhaft verbreitet wird“, monierte von der Leyen auf der Tagung; 95 Nationen hätten keine Gesetze gegen Kinderpornographie. International müssten sich alle vereinen, die gegen Kindesmissbrauch vorgehen, national müssten Schritte wie Web-Sperren hinzukommen. Die heftige Debatte hierzulande über dieses Vorgehen sei überfällig gewesen.

Von der Leyen schwabulierte mal wieder unglaublich herum. Staaten und Nationen dürften zwar nicht das gleiche meinen, aber okay, bloß: 160 und 95 ergibt 255 und auf der Welt gibt es weder so viele Nationen noch so viele Staaten.

Und den Rest verstehe ich noch weniger: national müssten Websperren hinzukommen, na, wenn sie meint, aber warum ist denn die heftige Debatte überfällig gewesen? Mit der hat die Bundesregierung doch ganz bestimmt nicht gerechnet?

Ich verstehe das sowieso alles nicht mehr.

Staatsfeind No. 394

30. Juni 2009

Ich habe gerade festgestellt, dass ich Staatsfeind Mitzeichner Nummer 394 bin. Find ich ja toll, damit war ich sozusagen noch einer der ersten.

Von der Leyen hat zu 95 Prozent keine Ahnung

30. Juni 2009

Es gibt mal wieder einen Artikel bei SPIEGEL ONLINE, der gleich ziemlich falsch loslegt:

Im Kampf gegen die wachsende Verbreitung von Kinderpornografie im Internet setzt die Bundesregierung auf stärkere internationale Zusammenarbeit.

Hatten wir nicht erst anhand der neuen Kriminalstatistik festgestellt, dass das mit den wachsenden Zahlen nicht so ganz stimmt?

Immerhin sagt von der Leyen danach auch mal was kluges:

Oberstes Ziel muss sein, die entsetzlichen Bilder zu löschen, die Täter zu ermitteln und den Opfern zu helfen.

Schade bloß, dass sie es damit bekanntlich nicht so ganz genau nimmt: verstecken hinter dem Schild muss genügen, denn schließlich geht ja auch niemand die Straße entlang, wenn ein Kind missbraucht wird, oder wie war das? Dann besann sich von der Leyen und sagte:

Die Ministerin wies darauf hin, dass Kinderpornografie in 95 Prozent der Länder weltweit noch kein Straftatbestand sei.

Es ist allerdings nicht ganz klar, ob sie das wirklich so gemeint hat — netzpolitik.org hat etwas von 95 Ländern gehört und rechnete herum, wie das mit den ungefähr 200 Staaten auf der Welt zusammenpassen könnte.

95 Prozent klingt aber trotzdem besser. Alles unzivilisierte Staaten außer Deutschland.

Sind die 95 nicht sowieso egal, wenn die Server mit kinderpornografischen Inhalten in der Regel in westlichen Ländern stehen?

#epicfail

29. Juni 2009

Nun habe ich mich gerade so sehr über die 1,259 Euro pro Liter Superbenzin gefreut, dass ich aus Versehen Super Plus für sechs Cent teurer getankt habe. Ich überlegte noch kurz, ob ich jetzt verschämt reingehe, die drei Liter Super Plus bezahle und danach an der nächsten Säule den Rest Superbenzin nachkippe, aber dann überschlug ich schnell im Kopf, dass mich der Missgriff etwa 1,80 Euro mehr kostete und beschloss, dass ich mit dem Lehrgeld leben kann.

His music will live forever…

28. Juni 2009

… aber nicht in Deutschland:

michael