I <3 Hamburg

September 5th, 2008 / No Comments » / by xeo

Sehen wir mal davon ab, dass die strahlende Sonne mich auf meinem Fußmarsch zur U-Bahn begleitete und sich danach klammheimlich aus dem Staub machte, ist heute ein schöner Tag.

Ich liebe diese Stadt. Ich liebe Großstädte ganz allgemein wegen des Flairs, dass ich nun aber endlich nicht nur in so genannten City-Trips genießen kann.

Mal sehen, was Hamburg so zu bieten hat.

Auf dem Heimweg

September 5th, 2008 / No Comments » / by xeo

Es gibt viele Probleme auf einer Distanz von knapp zehn Kilometern. U3 Richtung Niendorf-Nord: im Schlump fährt der Zug nicht mehr an, es gibt eine Lautsprecherdurchsage, dass wegen Stellwerkproblemen ein Schienenersatzverkehr eingerichtet sei. Überraschung!

Die ersten drei Busse sind mir zu voll, ich nehm den vierten, der etwas kleiner und ohne Gelenk gebaut wurde. Nachdem wir eine Weile im mittlerweile dunkeln Hamburg umhergeirrt sind (und ich normalerweise schon längst im Bett läge), meint der Fahrer, wenn jemand in Hagendeel aussteigen möchte, möge er ihm bitte den Weg erklären, denn er kenne die Haltestelle nicht.

Ich kenne den Weg zwar nicht, dafür aber mein iPhone und ein anderer Fahrgast. Um sicherzugehen, dass ich auch dort ankomme, wo ich hinmöchte, stehen wir zu zweit neben dem Fahrer und lauschen dem Betriebsfunk. Der wiederum warnt vor der Station Hagendeel, die mit Gelenkbussen nicht anzufahren sei.

Aber immerhin maulte keiner der Fahrgäste herum.

Neue Bekanntschaften

September 4th, 2008 / No Comments » / by xeo

Es ist schon seltsam, wie ich plötzlich mit anderen Menschen umgehen kann. Da sitze ich einfach so in der U-Bahn und unterhalte mich mit wildfremden jungen Menschen meines Alters. Wohlgemerkt habe ich das Gespräch begonnen!

Mal in Erfahrung bringen, was hier in Hamburg so die Treffpunkte der Jugend sind.

Mein fester Arbeitsplatz

September 4th, 2008 / No Comments » / by xeo

Nach dem wirklich sehr angenehmen ersten Arbeitstag war der zwei deutlich schlimmer. Die ersten drei Stunden das Tages verbrachte ich damit, die Spülmaschine einzuräumen, die Küche zu säubern und die Spülmaschine wieder auszuräumen. Nachdem ich erfuhr, dass diese „einfache Arbeit“ ehemals von einer „Zeitarbeitskraft“ ausgeführt wurde, tat ich wiederum kund, dass ich in meiner Kriegsdienstverweigerung geschrieben hätte, bedürftigen Menschen helfen zu wollen und nicht bloß deren Geschirrspüler einzuräumen (wobei über die Hälfte des Geschirrs dem Personal gehört) und Kaffee zu kochen (den größtenteils das Personal trinkt), räume ich weitere zwei Stunden den Geschirrspüler ein und aus, bis ich endlich meine Frühstückspause halten durfte. Das war um 12 Uhr auch nicht unbedingt zu früh.

Nachdem sich der Morgen noch eine Weile so hinschluderte, kam mit dem Personalwechsel eine deutliche Wende. Ich bekam endlich etwas zu tun, sortierte einige medizinischen Hilfsmittel, wog die Bewohner, desinfizierte in voller Montur eine infizierte Matratze. Zwar alles nicht so sehr anspruchsvoll, aber abwechslungsreich und besonders letzteres durchaus spannend.

Chronisches Unwohlsein

September 4th, 2008 / No Comments » / by xeo

Ich fühle mich in meinem Zimmerchen noch immer nicht wohl und habe den Verdacht, dass das ganze auf einem Mangel an Privatsphäre in Zusammenhang mit ziemlicher Anonymität gründet. Ich habe von meinen Nachbarn bisher nichts weiter als deren Musikgeschmack erfahren und dass sie augenscheinlich beide männlichen Geschlechts sind.

Und es ist irgendwie eben ein bedrückendes Gefühl, dass man hier zwar eigentlich Bekannte mit nach Hause bringen darf, aber dann gefälligst leise sein soll. Wenn ich mich auf mein Bett setze oder auf den seltsamen Bürostuhl, so erfährt davon gleich jeder im Haus. Das mag in allen Wohnungen so sein, aber hier scheint mir das doch ziemlich extrem.

Guten Morgen Hamburg

September 2nd, 2008 / No Comments » / by xeo

Der Rest des Morgens traf schon eher meinen Geschmack: ich radelte an einem lustig glucksenden Bächlein entlang und teilte mir den Radweg mit allerlei New-Economy-Prinzen, die sich ihre Pfunde wegjoggten, bevor sie sich in der Mittagspause bei Starbucks alles wieder an den Leib trinken.

Das war zwar auch das Hamburg in der Einflugschneise neben der Güterumgehungsbahn, aber das war schon eher das Hamburg, in das ich wollte. Und auf dem Weg zur Zivildienststelle kam auch durchaus gute Laune auf. Rock me!

Nachdem dort alle Formalitäten geklärt waren und es waren viele Formalitäten, durfte ich meinen Dienst antreten.

Und es war richtig geil. Zwar verging die Zeit so langsam, dass irgendwann die Luft raus war, aber ich mit meinem tollen Selbstbewusstsein finde mich allerbestens zurecht.

Schlaflos in der Schneise

September 2nd, 2008 / No Comments » / by xeo

Irgendwie ein blöder Titel. Passt aber zum heutigen Morgen, der ist nämlich auch ziemlich blöde.

Mit dem Duschen habe ich mich ja gründlich vertan, denn während ich mich im Bett kaum umzudrehen wagte, wuschen sich meine Nachbarn locker den Dreck vom Körper. Und zwar minutenlang. Und vor allem: um fünf Uhr morgens.

Von dort an fand ich auch keinen Schlaf mehr, denn irgendwas war eh immer. Entweder duschte jemand oder landete ein Flugzeug oder ein Güterzug ratterte vorbei oder schlimmer noch: er bremste neben meinem schallisolierten Fenster.

Ich habe mich selten so scheiße gefühlt und mag schon jetzt nicht mehr.

Hilflos in Hamburg

September 2nd, 2008 / No Comments » / by xeo

Nun bin ich noch nicht einmal zehn Minuten in meinem Zimmerchen und fühle mich schon entsetzlich unwohl. Es ist nicht wegen der Fremde, die mich hier umgibt, nicht wegen der Güterumgehungsbahn, die entgegen meiner Hoffnungen auch nachts fleißig befahren wird, es liegt an Fußboden und Wänden. Und an dem Bettgestell.

Vor zehn Minuten kam ich hier zur Tür hereingetapert und hörte mindestens zwei Leute schnarchen, womit schon mal die Frage geklärt wäre, ob ich der einzige bin, der hier gemietet hat. Im Obergeschoss schaute die Vermieterin anscheinend eine Quiz-Show.

Tja, jedenfalls stand ich nunmal da und wagte kaum zu atmen, um ja niemanden zu wecken. Und das ist hier gar nicht mal so schwer: einmal auf den Fußabtreter stehen weckt das gesamte Erdgeschoss auf. Alle drei Türen quietschten entsetzlich und ich kann nicht einmal in meinem Zimmer auf und ab gehen, ohne zu lärmen. Der Schrank knarrt, der Bürostuhl schnurrt, das Bett knarzt, der Kühlschrank rattert.

Nachts zu duschen verbietet sich von selbst, wobei ich mich nicht einmal traue, noch mal Zähne zu putzen, weil die Wasserleitung vibriert und dabei ordentlich Radau veranstaltet. Ein Mädchen mit aufs Zimmer zu nehmen halte ich mittlerweile für ein Ding der Unmöglichkeit. Flüstern mag ja in sexueller Hinsicht ziemlich geil sein, aber spätestens das Bettgestell, das jede Bewegung mit einem Quietschen quittiert, verbietet schon den Gedanken an Sex.

Man kann hier nicht einmal einen Witz erzählen, ohne dass die Mitbewohner an die Tür klopfen, wenn jemand lacht.

Aber vielleicht gibt sich das alles auch, wenn ich hier erstmal ein paar Tage wohne und meine neuen Nachbarn etwas kennengelernt habe. Aber im Moment fühle ich mich einfach nur schrecklich unwohl. Und einsam.

Last-Day

September 2nd, 2008 / No Comments » / by xeo

Ich scheiterte gleich an der Tür. Nachdem ich mich mit einem vollgeladenen Touran und einem Fahrrad am Arsch über die Autobahn gekämpft hatte, ließ mich die Tür nicht ein. Es war nicht die Haustür, sondern die Tür hinter der Haustür, die den Windfang vom Flur trennte. Irgendwie war sie abgeschlossen aber irgendwie auch nicht, zumindest bekam ich sie mit meinem Schlüssel nicht aufgeschlossen und vor allem — was mich im Moment viel mehr bedrückte, denn es würde schwer zu erklären sein — bekam ich meinen Schlüssel nicht mehr aus dem Schlüsselloch.

Es sollte sich herausstellen, dass die Tür nicht abgeschlossen, sondern nur fest zugezogen war. Weil sich der Rahmen verzogen hatte, erreichte man den Flur bloß mit einem beherzten Schulterrempler. Die Tür und ich, wir hatten keinen guten Start.

Als ich in dem dunklen Flur nach meiner Tür tapste und meine Schuhe am Schuhabtreter abstrich, bemerkte ich das fürchterliche Knarzen unter dem Teppich. Na toll, ich wohne gleich neben der Tür. Wenn sich nachts jemand anschickte, spät heimzukommen, würde ich es auf jeden Fall mitbekommen.

Nachdem ich vier Mal durch den Flur geknarzt bin, warf ich mal einen Blick in den weißen Kasten, der dort in der Ecke stand und mir kraft seines unscheinbaren Aussehens noch gar nicht aufgefallen war. „Energieeffizienzklasse A“ klebte noch drauf, fein, also irgendwas kühlschrankartiges.

Ob der wohl jemandem gehörte? Einem der Franzosen? Nachdem ich rausbekommen hatte, wie sich die Türe öffnen ließ, lachten mir Tiefkühlspaghetti und -lasagne entgegen. Mit einem dicken Edding war etwas auf die Verpackung gekritzelt, was ich für einen Namen hielt. Mir schien, dort konnte jeder seinen Kram reinstellen. Wieder etwas gelernt. Langsam kam ich mir in diesem Haus mit den niedrigen Decken den hohen Böden gar nicht mehr so ungelenk vor.

Nun musste ich nur noch rausbekommen, wie das hier mit dem Duschen funktionierte. Gerade falls sich herausstellen sollte, dass es sich bei Fabriece doch um eine Dame handelt, wäre es ja nicht unwichtig zu wissen, wie man das im Niendorfer Gehege mit der Badezimmerreihenfolge so regelt.

Ich schickte mich an, bei meinen Nachbarn anzuklopfen und irgendwas blödes zu sagen. Wie wär’s mit: „Hej hej, ich bin der neue von neben der Tür?“ Es lohnte sich nicht, weiter darüber nachzudenken, denn augenscheinlich war außer mir niemand im Hause. Das erklärte auch, warum aus den anderen Zimmern keinen Laut drang, ich aber bereits mit der kleinsten Bewegung ein fürchterliches Knarzen im Boden verursachte.

Zwangspolygamie im hohen Norden

September 1st, 2008 / No Comments » / by xeo

Manche Dinge ändern sich nie. Bei einem Jahrmarkt hängt die Dorfjugend entweder am Autoscooter oder am größten Karussell am Platze herum. Letzteres wurde schnell mein Lieblingsmotiv, denn dieser bunte, sich drehende Lichtfleck bildete zu den dunklen Seelen der Betrunkenen einen wundervollen Kontrast.

Und so trug es sich zu, dass ich, kamerabewehrt, geil und subjektiv gutaussehend, strategisch von der holden Weiblichkeit eingekreist wurde. Die bekamen wieder ihre hübschen Fotos und ich meine Küsschen, aber meine Freiheit bekam ich nur unter einer Bedingung… oder besser gesagt, ich sollte sie unter bestimmten Umständen verlieren.

„Wenn du mich in die Zeitung bringt, heirate ich dich“, sagten sie, und das wäre auch kein Problem gewesen, wären es nicht gleich zwei gewesen. Ein kurzer Blick auf die Lokalseite von Morgen bewahrheitete meine Befürchtungen: mittendrin, über sechs Quadratzentimeter, grinst mir das Jungvolk entgegen und meine beiden Verlobtinnen mittendrin.

Ein Glück, dass ich morgen abhaue aus dieser Stadt.